Wettbewerb 2017: Letzter Aufruf

Einsendeschluss für Wirtschaftsbeiträge: 20. Januar 2017

Bis zum Freitag kommender Woche können Journalistinnen und Journalisten noch Bei­träge aus allen Facetten der Wirtschaft zum Wettbewerb um den Ernst-Schneider-Preis einreichen. In den Kategorien Fernsehen, Hörfunk, Print und Internet stehen Preise von insge­samt 52.500 Euro zur Verfügung. Gestiftet von den Industrie- und Handels­kammern zeichnet der Ernst-Schneider-Preis Autorinnen und Autoren aus, deren Beiträge den Menschen allgemein verständlich Hinter­gründe und Zusam­menhänge der Wirt­schaft vermit­teln. Ausschrei­bungsunter­lagen sind unter http://ernst-schneider-preis.de/ausschreibung-2017/ abrufbar.

 

Medienbrief 7/16

Ernst-Schneider-Preis ausgeschrieben

Autorinnen und Autoren sind zum 46. Mal zum Wettbewerb um den Ernst-Schneider-Preis der IHKs eingeladen. Bis zum 20. Januar 2017 können Redaktionen noch Beiträge einreichen. Das Preisgeld beträgt im kommenden Jahr 52.500 Euro. Ausgezeichnet werden exzellente Wirtschaftsbeiträge in Fernsehen, Hörfunk, Internet und Print. Alles Weitere: http://www.ernst-schneider-preis.de/ausschreibung-2017

Roboter, Grüne Soße, Hidden Champions

Die Beiträge der Gewinner des vergangenen Wettbewerbs sind auf unserer Website abrufbar: www.ernst-schneider-preis.de/chronik/preistraeger. Gäste der Preisverleihung in Karlsruhe erinnern sich an die beeindruckende Multimediaprojektion des Zentrums für Kunst- und Medientechnologie (ZKM). In ihr fanden sich die Themen der nominierten Wirtschaftsbeiträge: Algorithmen, Bürokratie, Grüne Soße und Hidden Champions.

Schönschlau mit „funk“

Das neue Jugendangebot von ARD und ZDF „funk“, das nur im Internet verbreitet wird, verzeichnet in seinem ersten Monat 20 Millionen Videoabrufe. Die App wurde fast hunderttausend Mal heruntergeladen. Funk ist mit 40 Angeboten gestartet, darunter sind auch Informationsangebote. Sie heißen „hochkant“, „Was mit Fabian“ und „Schönschlau“. Für Anfang Januar plant die Redaktion mit dem ZDF eine Sendung mit dem Titel „musste wissen“. Das für die jungen Nutzer ab 14 Jahren gedachte Informationsangebot orientiert sich an den Lehrplänen der Bundesländer und deckt die Fächer Mathe, Physik, Chemie, Deutsch und Geschichte ab.

Neuer Vorstand Ernst-Schneider-Preis

Peter Esser, Herausgeber der Mittelbayerischen Zeitung, Vizepräsident der IHK Regensburg und des DIHK, ist neuer Vorsitzender des Ernst-Schneider-Preis der IHKs. Er löst den früheren dpa-Geschäftsführer Dr. Walter Richtberg ab, der dieses Amt zwölf Jahre innehatte.

Peter Esser, Dr. Walter Richtberg, Christian Knull (v.l.n.r.)

Neue stellvertretende Vorsitzende ist Prof. Dr. Kristina Sinemus, geschäftsführende Gesellschafterin Genius GmbH und Präsidentin der IHK Darmstadt. Den Vorstand komplettieren Dr. Achim Dercks, stv. Hauptgeschäftsführer des DIHK, Dr. Robin Houcken, Geschäftsführer Nordpol+Hamburg, Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, und Christian Knull.

„Höhle der Löwen“ auch 2017

Auszeichnung mit dem Ernst-Schneider-Preis 2015: Die Redakteurinnen der „Höhle der Löwen“ mit den Investoren und der Laudatorin Susanne Biedenkopf-Kürten, ZDF (rechts).

Die Gründershow „Höhle der Löwen“ geht in die vierte Staffel. Die Wirtschaftssendung gilt als erfolgreichste Primetime-Eigenproduktion von Vox. Der Sender lädt Gründer ein, sich für die Neuauflage bei der Redaktion zu bewerben. Auf seiner Website bietet Vox mittlerweile auch Unterstützung in Sachen Selbstständigkeit. Jochen Schweizer formuliert hier Tipps in Sachen Existenzgründung und Frank Thelen erklärt in einem „Businesslexikon“ Fachbegriffe von „B2B“ über „Skalierbarkeit“ bis „Stille Beteiligung“.

Auszeichnung mit dem Ernst-Schneider-Preis 2015: Die Redakteurinnen der „Höhle der Löwen“ mit den Investoren und der Laudatorin Susanne Biedenkopf-Kürten, ZDF (rechts).

Tagespass für 1,99 Euro

Die Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung, Spiegel Online und viele Regionalzeitungen haben es vorgemacht, jetzt zieht auch die FAZ nach und kennzeichnet ihre kostenpflichten Artikel mit dem „FAZ Plus“-Signet. Einen Tagespass gibt es zum Preis von 1,99 Euro. Der Kauf einzelner Artikel ist nicht möglich. Thomas Lindner, Vorsitzender der Geschäftsführung der FAZ: „Qualitätsjournalismus muss auch im Netz seinen Preis haben.“

Unternehmen müssen zahlen

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am 7. Dezember dieses Jahres entschieden, dass die Erhebung eines Rundfunkbeitrags für Betriebsstätten und betrieblich genutzte Kraftfahrzeuge mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Die beschwerdeführenden Autovermieter Sixt und der Discounter Netto hatten bereits in den Vorinstanzen erfolglos gegen Bescheide des WDR und BR geklagt. Der Gesetzgeber, so das Gericht, dürfe davon ausgehen, dass Rundfunkprogramme in Betriebsstätten und betrieblich genutzten Kraftfahrzeugen empfangen werden und deren Inhaber hiervon in unternehmensspezifischer Weise profitieren. Das Gericht sah auch keine Bedenken bei der Höhe des gestaffelten Beitrags. Auf der obersten zehnten Stufe mit 20. 000 und mehr Beschäftigten sind 180 Rundfunkbeiträge zu entrichten. Sixt hatte geltend gemacht, jährlich rund 3,3 Millionen Euro Beitrag zu zahlen. Insgesamt stammen knapp zehn Prozent des Rundfunkbeitrags von Unternehmen, 2015 rund 760 Millionen Euro.

Mythos Twitter

Die Kommunikation politischer Themen über Twitter wird in ihren Möglichkeiten überschätzt. Etablierte Medien dominieren nach wie vor die politische Kommunikation. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Otto Brenner Stiftung. Mathias König und Wolfgang König, die Autoren der Untersuchung: „Letztlich zeigt sich, dass ein Hashtag in Twitter dann erfolgreich ist, wenn traditionelle Medien involviert oder relevante Kommunikatoren beteiligt sind“. Twitter-Trends seien im Übrigen nicht transparent. Trotzdem werden sie journalistisch als Nachrichtenwert wahrgenommen. Das sei problematisch, weil Twitter die Aufmerksamkeit auf Hashtags lenkt, bei denen man anzweifeln könnte, ob mehrere hundert Tweets wirklich ein ‚Trend‘ sind“, so das Forscherteam. Die Studie kommt an realen Fällen zu Ergebnissen, wie sie Miriam Meckel kürzlich mit #linkemeerheit gewann. Ohne großen Aufwand gelang es der Wirtschaftswoche-Chefredakteurin mit zwanzig Mitstreitern, diesen Nonsens-Hashtag zum Twitter-Trend zu machen.

Wirtschaft vom Campus

Um Synergien zu nutzen und Wirtschaft besser ins Programm zu bringen, lässt der WDR die beteiligten Redaktionen im Kölner Vierscheibenhaus umziehen. Ab Januar werden im neuen „Crossmedia-Campus“ die Programmgruppen Wirtschaft und Recht Fernsehen, Service und Verbraucherfragen sowie Wirtschaft Hörfunk gemeinsam auf einer Fläche arbeiten.

Gewinner 2016

Roboter, Grüne Soße, Hidden Champions und Frauen, die die Wirtschaft verändern

45. Ernst-Schneider-Preis der IHKs verliehen

2016 Preissymbol OffiziellIm größten deutschen Wettbewerb für Wirt­schaftspubli­zistik, dem von den Industrie- und Handelskammern ausgeschriebenen Ernst-Schneider-Preis, sind heute (17. Oktober 2016) die Preise ver­lie­hen worden. Sie gingen an Autorinnen und Autoren von Arte, Bayerischer Rundfunk, F.A.Z., Mitteldeutscher Rundfunk, Süddeutsche Zeitung, Südwestrundfunk und Zeit. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 40.000 Euro vergeben. Die ausgezeichneten Beiträge vermitteln auf besonders verständliche und interessante, teils spannende, teils unterhaltsame Weise wirtschaftliche Zusammenhänge. Sie wurden in Fernsehen und Radio ausgestrahlt, in Zeitungen gedruckt und online verbreitet. 15 Jurys hatten in einem mehrstufigen Verfahren die Gewinner ermittelt. Susan Link moderierte die 45. Verleihung des Journalistenpreises der deutschen Wirtschaft im Karlsruher Zentrum für Kunst- und Medientechnologie (ZKM). 500 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien waren anwesend, darunter zahlreiche Chefredakteure und Intendanten, die als Laudatoren die Juryentscheidungen begründeten. Die Preisträger 2016 sind:

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Medienbrief 6/16

2017-preissymbolNominierungen für Ernst-Schneider-Preis

21 besondere Wirtschaftsbeiträge sind für den Ernst-Schneider-Preis 2016 nominiert worden. Es sind im Urteil der Jurys die herausragendsten Beiträge aus Fernsehen, Hörfunk, Print und Onlinemedien. Sie vermitteln wirtschaftliche Zusammenhänge spannend, unterhaltsam und allgemein verständlich. Hier geht es zur Liste der Nominierten. Am 17. Oktober werden Mitglieder der Jurys im Karlsruher ZKM die Gewinner verkünden. Laudatoren sind:

Jan Metzger, Intendant Radio Bremen (Große Wirtschaftssendung Hörfunk),
Martin Wacker, Geschäftsführer Karlsruhe Event (Wirtschaft Online),
Ulrich Becker, Chefredakteur Südwestpresse (Förderpreis Print),
Wolfgang Krach, Chefredakteur Süddeutsche Zeitung (Wirtschaft in überregionalen Printmedien),
Werner D’Inka, Herausgeber FAZ (Innovation/
Unterhaltungssendung),
Peter Boudgoust, Intendant SWR (Kurzbeitrag Fernsehen) und
Christine Strobl, Geschäftsführerin Degeto (Große Wirtschaftssendung Fernsehen).

Viel Resonanz auf die „Höhle der Löwen“

Im dritten Jahr findet die 2015 mit dem Ernst-Schneider-Preis ausgezeichnete Gründershow „Höhle der Löwen“ noch mehr Publikum als in den Vorjahren. Die jetzige Staffel sehen zum Teil mehr als drei Millionen Zuschauer. Das entspricht einem Marktanteil von über elf Prozent. In der Zielgruppe der jüngeren Zuschauer (14- bis 49-Jährige) kletterte der Marktanteil kontinuierlich auf mittlerweile fast 20 Prozent.

ARD zeigt die neue digitale Arbeit

2016-buero„Zukunft der Arbeit“ heißt die Themenwoche der ARD in diesem Jahr. Vom Sonntag, 30. Oktober, bis Samstag, 5. November, beleuchten Sendungen im Ersten, in den dritten Programmen, im Radio und im Internet die Veränderungen, die die Digitalisierung auslöst. Der Blick richtet sich auch auf Chancen und Möglichkeiten. Auch „Tigerentenclub“, „Die Sendung mit der Maus“, „Tatort“, „Weltspiegel“ und „Anne Will“ richten ihr Programm auf das Thema „Zukunft der Arbeit“ aus. Zusätzlich gibt es Sondersendungen, zum Beispiel am Montag 31. Oktober: „Faktor Mensch – was macht Unternehmen erfolgreich?“ Seit 2006 greift die ARD-Themenwoche gesellschaftlich relevante Themen auf. Die bisherigen Themen widmeten sich dem demographischen Wandel, dem Ehrenamt, der Ernährung, der Mobilität und unter anderem der Toleranz. Die Themenwoche 2016 wird vom Hessischen Rundfunk, vom Saarländischen Rundfunk und von Radio Bremen verantwortet.

Deutschlands Funk gewinnt

Im April kommenden Jahres werden zwei Programme des Deutschlandradios umbenannt: Aus Deutschlandradio Kultur wird Deutschlandfunk Kultur, aus DRadio Wissen Deutschlandfunk Nova. Der Sender will die Programme „als Familie erkennbar“ machen, sagte Intendant Willi Steul. Das Deutschlandradio konzentriert sich damit auf die Strahlkraft des beliebten Deutschlandfunks mit seinen aktuellen Wortbeiträgen zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Deutschlandradio Kultur hat rund 400.000 Hörer am Tag – deutlich weniger als der in Köln ansässige Deutschlandfunk. DRadio Wissen wurde 2010 als reines Digitalprogramm gegründet. Der Sender versteht sich als junges Angebot mit einem überdurchschnittlich hohen Wortanteil. Motto: „Es ist kompliziert“. Deutschlandradio ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Das Programm ist werbefrei.

„Mehr als shake-hands“

bundesregierungPlaymobil, schwarz-rot-goldene Staubwedel, Bundesländer als Emojis: das macht neugierig. Rund 350.000 „Fans“ hat die Facebook-Seite der Bundesregierung, die seit 2015 online ist. Das sind nur etwas weniger „Fans“ als die F.A.Z. hat. Die Bundesregierung informiert auf ihrer Seite über Flüchtlingsthemen und auch über Staatsbesuche. Das Playmobil-Modell (Bild) stellt die deutsche Botschaft auf Malta dar und ist ein Versuch Aufmerksamkeit im Netz zu schaffen. Ein im Beitrag platzierter Link gibt ausführlichere Informationen. Zehn Prozent der Leser nutzen dieses Angebot und klicken auf den Link. Auf dem Social Media Day der IHKs erklärte Klaus Feldgen, Social Media Team der Bundesregierung, die Strategie seines Teams, das mehr als die üblichen shake-hands zwischen Politikern zeigen wolle. Das Social Media Team arbeitet eigenverantwortlich im Pressezentrum. Das erlaube schnelle Reaktionen der Redakteure, die mit ihrem oftmals witzigen, frischen Tonfall gute Erfahrungen machen und selbst Hasskommentaren den Wind aus den Segeln nehmen.
http://www.facebook.com/Bundesregierung

Wenig Vertrauen in Berichterstattung

Medien scheinen ein Glaubwürdigkeitsproblem zu haben. Nach einer Untersuchung von Kim Otto und Andreas Köhler von der Uni Würzburg wächst das Misstrauen gegenüber Medien vor allem bei Menschen, die jünger als 35 Jahre alt sind, die den Parteien fern stehen, sich gegen Flüchtlinge positionieren, eher am rechten Rand des politischen Spektrums beheimatet sind und ihre eigene wirtschaftliche Lage als schlecht beurteilen. Der Anteil der Menschen, die der Presse misstrauen, ist im Jahr 2015 auf 49 Prozent angestiegen (plus 4 Prozent). 37 Prozent der Menschen misstrauen dem Radio (plus 9 Prozent) und 43 Prozent dem Fernsehen (plus 6 Prozent). Die Untersuchung basiert auf Daten des Eurobarometers, einer jährlichen Bevölkerungsbefragung im Auftrag der Europäischen Kommission.
http://de.ejo-online.eu/

Neuer „Funk“ ab 1. Oktober

Informieren, orientieren und unterhalten – das will funk, das neue, junge Angebot von ARD und ZDF. Inhalte gibt es nur online – per App oder in den Sozialen Medien, dort wo junge Menschen online Inhalte konsumieren. Auf der Web­site heißt es: „Unsere Formate wie ‚Kliemannsland‘ und ‚Y-Kollektiv‘ findet ihr direkt auf YouTube, Face­book, Snapchat und Instagram und auf funk.net.“ Funk will Hintergründe zum Tagesgeschehen liefern. Die werbefreie Plattform startet am 1. Oktober mit über 40 Online-Formaten. Zielgruppe sind die 14- bis 29-Jährigen, die bislang relativ wenig öffentlich-rechtliches Fernsehen schauen. Die 30-köpfige Redaktion um Sophie Burkhardt und Florian Hager sitzt in Mainz.

Spardruck, Quote und der neue Blick aufs Gelungene

Stellungnahme zur Entwicklung der Wirtschaftsberichterstattung 2016

Nach unserer Beobachtung verändert sich die Wirtschaftsberichterstattung. Sie wird partiell besser und gleichzeitig in anderer Hinsicht schwächer. Dafür sind verschiedene Entwicklungen verantwortlich. Mit dieser Stellungnahme, die Anregungen der Industrie- und Handelskammern aufgreift, wollen wir Trends benennen und Anstöße zur Verbesserung der Wirtschaftsberichterstattung geben. Die Studie stützt sich auf Umfragen, Medienbeobachtung und die Auswertung von über tausend Wirtschaftsbeiträgen, die zum Ernst-Schneider-Preis 2016 eingereicht wurden. Die IHKs stiften diesen Preis seit 45 Jahren. Sie wollen, dass die Menschen wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen. Dieses Wissen ist für die Gesellschaft von Bedeutung. Es setzt eine breite und verlässliche Information voraus. Wir sehen verschiedene Entwicklungen:

  • Viele Redaktionen müssen sparen. Es fehlt teilweise an Recherchezeit; Expertise und Kontakte gehen verloren. Dies berichten zum Beispiel Regionalzeitungen. Manche ihrer Chefredakteure haben keine Kapazitäten mehr, um große Wirtschaftsserien ins Blatt zu nehmen. Analysen und langfristige Einschätzungen finden seltener statt. 75 Prozent der 158 befragten Journalistinnen und Journalisten bedauern in einer aktuellen Umfrage des Ernst-Schneider-Preis, zu wenig zu tun oder – mangels Ressourcen – tun zu können, um anspruchsvolle Wirtschaftsthemen zu vermitteln.
  • Emotionale Einzelfallbeschreibungen nehmen besonders im Fernsehen zu, weil sie die Aufmerksamkeit steigern. Oft ersetzen Fallbeispiele die Analyse. So wurde zum Beispiel die Flüchtlingskrise in weiten Teilen über erschütternde Einzelschicksale erzählt. Dieser Berichterstattung fehlte mitunter ein Blick auf Gesamtzusammenhänge. Da die Berichte anfangs Übergriffe und Probleme ausklammerten, empfanden viele Zuschauer die Berichterstattung als lückenhaft. Sie ließ Zuschauer aufgewühlt und verunsichert zurück. Die Berichterstattung wurde dank einer besseren Einordnung der Vorgänge mit der Zeit besser.
  • Welche Relevanz das Fehlen ausgewogener Berichterstattung hat, konnte man in Großbritannien beobachten. Über Jahre haben populäre Medien wie „Daily Mail“, „Sun“, „Daily Express“, „Daily Telegraph“ und „Daily Star“ Emotionen schürend über die EU berichtet und Stimmung für den Brexit gemacht (Reuters Studie 5/2016). In keinem andere Mitgliedsland wissen die Einwohner so wenig über die EU wie in Großbritannien (Bertelsmann Stiftung 4/2016). Nach Ansicht der „Economist“-Chefredakteurin Zanny Minton Beddous hat die emotionale Berichterstattung eine wichtige Rolle beim Votum für den EU-Ausstieg gespielt.
  • Journalisten, und damit auch Programmverantwortliche, unterschätzen tendenziell die Bedeutung von Wirtschaft für die Gesellschaft. Dies sagen 62 Prozent der vom Ernst-Schneider-Preis befragten Journalisten. Vier von fünf Befragten sind der Meinung, dass wirtschaftliche Themen besonders im Fernsehen zu wenig Sendezeit finden. Wird über Wirtschaft berichtet, geschieht dies überwiegend unter nutzwertigen Aspekten der Verbraucherberichterstattung. Doch auch die immer wieder neu zu justierenden Spielregeln der Wirtschaft und die Wirtschaftspolitik benötigen ausreichend Programmplätze. Bundespräsident Joachim Gauck: „Die Soziale Marktwirtschaft braucht informierte Bürger, die selbstbewusst am Wirtschaftsleben teilnehmen“.
  • An einem Teil der Bevölkerung geht zurzeit jede Wirtschaftsberichterstattung vorbei. Das Kölner Rheingold Institut schätzt, dass sich nur noch 50 bis 60 Prozent der Deutschen in den Leitmedien zu Hause fühlen. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung hat sich in die sozialen Echoräume des Internets zurückgezogen. Über Facebook und Twitter sortieren sie vor, was in ihr Weltbild hineinpasst. So dringt aus dem täglichen Nachrichtenstrom nur das durch, was die eigenen Ansichten und Interessen bestätigt. Manche Nutzer leben teilweise in einer „Filter Bubble“ – sicherlich eine der großen gemeinsamen Herausforderungen.
  • Gleichzeitig leisten Rechercheverbünde und große Titel Herausragendes zur Information ihrer Leser. „Swiss Leaks“, „Luxemburg Leaks“, „Panama Papers“ sind Beispiele eines neuen, international arbeitsteiligen Wirtschaftsjournalismus, der globale Themen wie Steuervermeidung und Steuermoral aufgreift und politisches Handeln auslöst.
  • Und schließlich scheint sich der Blickwinkel zu öffnen. Der Blick der Journalisten geht öfter als früher auf das Gelungene. Neben der Kritik an den Zuständen und dem Fehlverhalten Einzelner zeigen mehr Wirtschaftsbeiträge als bisher das Realisierte. Die Berichterstattung über Start ups („Made in Berlin“, rbb) und die Gründershow von Vox „Höhle der Löwen“ sind Beispiele für diesen Trend. Zu nennen sind auch journalistisch gelungene Firmenportraits; die besten kamen in diesem Jahr vom SWR. Optimistische Websites wie „perspective-daily.de“ sind entstanden, die ein ausgewogenes Weltbild vermitteln wollen. Am deutlichsten wird der Trend durch eine neue Rubrik im Nachrichtenmagazin Spiegel. Sie heißt „Früher war alles schlechter“ und zeigt den langfristigen Fortschritt zum Beispiel in der Armutsbekämpfung, der Kinderarbeit, im Umweltschutz oder in der Medizin.

Die Entwicklung im Einzelnen

I. Fernsehen

Aus der Perspektive der Wirtschaft war „Die Höhle der Löwen“ von Vox die Überraschung des Jahres. Die Show erhielt im Herbst 2015 den Ernst-Schneider-Preis, weil sie den Zuschauern das sperrige Thema „Existenzgründung“ spielerisch und gleichzeitig sehr anschaulich erschloss. An der Staffel sind verschiedene Dinge bemerkenswert: Der anhaltende Publikumserfolg, der bei Vox umso höher einzustufen ist, als Vox mehr Frauen als Männer schauen und Frauen mit Wirtschaftsthemen schwerer zu erreichen sind, die mutige Programmierung auf 20.15 Uhr, die Auswahl interessanter Protagonisten und Geschäftsideen sowie die Leichtigkeit, mit der ohne Berührungsängste über Umsätze, Renditen und Gründereigenschaften gesprochen wurde.
Unter den Privatsendern gelang auch RTL mit „Team Wallraff“ ein Erfolg. Die gut recherchierte Reportage über die Qualität von Schulessen gelangte in die Schlussjury. Ansonsten wird im Programm des größten Privatsenders vergleichsweise wenig über Wirtschaft und wenig über Politik berichtet. Ein Wirtschaftsmagazin findet man bei keinem der großen privaten Sender, weder bei RTL, noch bei Sat.1, Pro7 oder Vox.

Der Anteil der Wirtschaftsinformationen in den Hauptnachrichten schwankt je nach Sender und Format. Fünf Prozent der Themen in der Tagesschau sind Wirtschaftsthemen. Bei RTL sind es drei Prozent. Am Abend steigt der Wert: Bei den Tagesthemen (ARD) auf acht, beim heute journal (ZDF) auf neun Prozent (Ifem Institut).

Die meisten Wirtschaftsbeiträge sendete der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Auch im Aktuellen und in unterhaltenden Formaten greifen Redaktionen wirtschaftliche Themen auf. In der Gesamtschau gab es hervorragende Dokumentationen und Reportagen. Die Juroren lobten unter anderem den Afrikafilm „Der Glanz der Schattenwirtschaft“ (BR), „Das Märchen von der Elektromobilität“ (ARD, BR), den TTIP-Film „Wohlstand für alle“ (ARD, SWR), die Dokumentation über den chinesischen Immobilienmarkt „Ausländer bevorzugt“ (ARTE / WDR), den globalen und sehr erhellenden Blick auf die chinesische Schifffahrtspolitik „Chinas Macht auf dem Meer“ (3Sat, ZDF), das Mittelständlerportrait von ebm-papst „Prima Klima“ (SWR), den Mehrteiler „Wem gehört der Osten?“ (MDR) und „Deine Arbeit, Dein Leben!“, eine Dokumentation des WDR, die aus vielen Hundert Videos der Zuschauer montiert ist.

Die Leistungsstärke des öffentlich-rechtlichen Fernsehens könnte zu noch mehr Wirtschaftsbeiträgen führen. An manchen Tagen verdichtet sich jedoch den Eindruck, dass einer guten Quote ein wichtiger Inhalt untergeordnet zu werden scheint. Wolfgang Herles, der langjährige ZDF-Journalist, hat über den Konflikt zwischen Reichweite und Programmauftrag interessante Gedanken geäußert. In „Die Gefallsüchtigen“ beklagt er, dass Nachrichtensendungen wie Konsumartikel behandelt würden und Redakteure wie Produktmanager dächten, ihre Leistung sogar an den Quoten gemessen würde. Herles, der mit beeindruckenden Portraits über Ferdinand Piech und Rolf Breuer zwei Ernst-Schneider-Preise gewann, wählt für seine Programmkritik ein drastisches Bild: „Würde man ein Krankenhaus nach ähnlichen Prinzipien und Werten führen, würden die Risikopatienten mit höherer Mortalitätswahrscheinlichkeit in den Warteraum geschoben, während man sich mit Hingabe Schnittwunden und Sonnenbränden widmen würde.“ Er schlägt eine regelmäßige „Seite Drei“ vor, also prominent platzierte Dokumentationen und Reportagen über die Gesellschaften und Ökonomien in den Ländern Europas, über die Zustände in den Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen, über die Digitalisierung und die großen globalen Prozesse.
Die Programmplaner scheinen zu befürchten, dass anspruchsvolle Themen zu viele Zuschauer zum Umschalten bewegen können. Daher setzen sie gerne auf leichter konsumierbare und meist quotenstärkere Verbraucherthemen. Als am Montag, 30. Mai 2016, auf einem Gipfeltreffen in Berlin die Politik Soforthilfen von 100 Millionen Euro für deutsche Milchbauern ankündigte, wäre dies eine gute Gelegenheit gewesen, um über den Milchmarkt, die Gründe des Preisverfalls von Milch sowie Sinn und Wirkung von staatlichen Hilfen zu berichten. Die Wirtschaftssendung WISO (ZDF) warb an diesem Tag mit der Schlagzeile: „Heute in WISO: Teuer oder billig – MarkenKonfitüre oder Discounter-Aufstrich?“

Auch die Europaberichterstattung ließe sich ohne Weiteres verbessern. Ihre Beiträge haben oft hohe wirtschaftliche Relevanz. Im vergangenen Jahr wurden zwei Beiträge des Brüsseler Studios für den Ernst-Schneider-Preis nominiert. Doch das sonntägliche „Europamagazin“ fällt im Winter regelmäßig wegen Wintersportübertragungen aus. Insgesamt produzierte der WDR, der im wöchentlichen Wechsel mit dem SWR für das „Europamagazin“ verantwortlich ist, im Dezember 2015, im Januar, Februar, März und Juni 2016 jeweils nur eine Sendung. Besonders unverständlich ist die Programmentscheidung vom 26. Juni 2016: Drei Tage nach der historischen Brexit-Abstimmung, zudem der Tag der mit Spannung erwarteten spanischen Parlamentswahl, sendete die ARD statt des „Europamagazins“ einen Lauf der Deutschen Tourenmeisterschaft. Der vorangehende „Presseclub“ hatte mit dem Thema Brexit mit 9,8 Prozent eine besonders hohe Quote. Eine Themenvertiefung des „Europamagazins“ wurde den Zuschauern vorenthalten. Die ARD schrieb in einer Pressemitteilung: „Die gerade beendete Wintersport-Saison 2015/16 hat beim Fernsehpublikum erneut großes Interesse ausgelöst. Durchschnittlich 2,43 Millionen Zuschauer verfolgten die Übertragungen im Ersten“.
Unter den kleineren Sendern hat n-tv die umfangreichste Wirtschaftsberichterstattung und produzierte unter anderem eine Serie zu Gründern („Wirtschaftsfaktor Startups“). Der Nachrichtensender berichtete eingehend über den VW-Skandal, über die Griechenlandkrise und sendete eine Branchenportraitreihe „Das Geschäft mit .. Veganern, .. der ewigen Jugend, .. dem Tod“. Phoenix bietet ebenfalls viele Wirtschaftsinformationen. In den Tagen während und nach der Brexit-Abstimmung produzierte der Bonner Ereigniskanal 50 Stunden Sondersendung. Auch im Fernseh-Programm der Deutschen Welle finden Zuschauer informative Stücke, zum Beispiel die Reihe „Wirtschaftsregionen in Deutschland“ und Filme aus Europa wie „Ohne Zukunft: junge Menschen im Kosovo“.

II. Hörfunk

Die Radionutzung in Deutschland steigt. Drei von vier Personen schalten täglich das Radio ein und hören jeden Tag durchschnittlich 190 Minuten (Media Analyse Radio II). Das Radio ist Tagesbegleiter, Unterhaltungsmedium und Informationsquelle. Wirtschaftliche Informationen sind nach Ansicht von Journalisten dabei jedoch deutlich unterrepräsentiert. In der Umfrage des Ernst-Schneider-Preis, an der sich 158 Journalisten beteiligten, sagten 71 Prozent, dass Wirtschaftsthemen im Hörfunk nicht genügend Platz finden. Dieser Wert ist seit Jahren unverändert hoch und deutet auf ein grundsätzliches Manko hin. Gut bedient werden Hörer bei den Informationswellen. Der Deutschlandfunk ist hier Marktführer. Ihn hören mittlerweile täglich 1,6 Millionen Menschen, weil sie verlässliche Informationen und die Kommentierung des Tagesgeschehens schätzen.

Trotz dieser Einschränkung gab es auch im zurückliegenden Jahr herausragende Produktionen. Viele Radiobeiträge des Wettbewerbs um den Ernst-Schneider-Preis dokumentieren auf hohem Niveau Zeitgeschichte („NRW Industrien im Wandel“, WDR), analysieren problematische Strukturveränderungen „Outlet everywhere – Der Handel kannibalisiert sich weiter“ (WDR) und widmen sich neuen Entwicklungen wie „Robot Economy“ (BR) oder auch „Internet der Dinge – Gefahren und Chancen der digitalisierten Welt“ (DLF). Hörer können bei diesen Sendungen viel erfahren und viel lernen. Den Juroren gefielen darüber hinaus nachdenkliche und ideologiefreie Feature wie „Die Waffen einer Stadt – Heckler & Koch in Oberndorf“ (SWR), große Portraits wie „Das Ende der Siemens-Familie“ (BR), unterhaltende und dennoch informative Sendungen wie „Panzerfahren für Papi – Das Geschäft mit den Erlebnisgeschenken“ (DLF) und lebensnahe Wirtschaftsreportagen wie „Abgebrannt – Vom schwierigen Neustart einer Holzhausfirma“ (BR).
Zu nennen ist hier auch das ARD-Radiofeature „Switch off Shanghai!“ (NDR), das auf raffinierte und spannende Weise die Gefahren von Cyberattacken durchspielte. Großes Echo löste auch eine crossmedial aufbereitete und beworbene Sendung unter den Hörerinnen und Hörern aus. Das Feature hieß „Fahrradklau – Von Diebesbanden und Bügelschlössern“ (WDR) und untersuchte die wirtschaftlichen Folgen des täglichen Diebstahls von annähernd tausend Fahrädern in Deutschland. Die Autoren statteten Testräder mit GPS-Sendern aus, befragten Experten und gaben praktische Sicherheits-Tipps.

Zwei Beiträge hielten die Juroren für besonders innovativ, beide kamen vom WDR. „Deine Arbeit, Dein Leben – Probezeit!“ ist eine Dokumentation der täglichen Arbeit in Nordrhein-Westfalen, erstellt aus zahllosen Einsendungen von Hörern. „Let‘s Play VW-Skandal“ und „Let‘s Play Griechenland Manager“ sind Glossen, ironisch überhöhte Beiträge, deren Besonderheit darin liegt, das auf Youtube bei Jugendlichen erfolgreiche „Let‘s Play“ – Genre zu parodieren.

III. Print

Neu ist die Transparenz, die einige Blätter zeigen. Sie treten damit dem Vorwurf mangelnder Objektivität und Ausgewogenheit entgegen. In der „Zeit“ stehen seit November 2015 unter größeren Geschichten häufiger Kästen, die über die Entstehung des Artikels informieren. Giovanni Di Lorenzo, Zeit-Chefredakteur, sagt dazu: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich Leute gar nicht mehr vorstellen können, dass wir beispielsweise für eine Geschichte fünfmal an einen Ort fahren.“

Eine Quelle, 400 Journalisten, ein Jahr Arbeit. Was die Leser der Süddeutschen Zeitung über Geldströme erfuhren, die von einer panamaischen Anwaltskanzlei gesteuert wurden, war aufsehenerregend. Die Unterlagen waren von NDR, WDR und SZ mit internationalen Medienpartnern ausgewertet worden. Sie zeigen, welche Kraft Rechercheverbünde entfalten können. Im Wettbewerb 2016 lobten Juroren die vergleichbaren „Swiss Leaks“, eine journalistische Aufbereitung der Schweizer Dokumente der HSBC, die zeigen, wie Geld vor Steuerbehörden versteckt wurde.

Leser finden im Vergleich zu anderen Medien in Zeitungen und Zeitschriften besonders viele Wirtschaftsthemen. Das Angebot empfinden auch Journalisten als ausreichend. Sie erwarten nach der Umfrage des Ernst-Schneider-Preis auch in Zukunft, dass Printtitel das Genre sind, wo Rezipienten am ehesten hintergründige Wirtschaftsgeschichten und Artikel zur Wirtschaftspolitik finden werden.

Viele solcher großartiger Reportagen bewerteten Juroren im Ernst-Schneider-Preis 2016. In Erinnerung bleiben die Geschichte aus der „Zeit“ über die Schwierigkeiten der Deutschen Bank „Sie nennen es Sterbehaus“, die Analyse der Energieerzeugung „Atomkraft? Nie wieder!“, Handelsblatt, und ein wunderbares Portrait eines Frankfurter Einzelhändlers, der in Zeiten des Onlinehandels mit Beratung und Kundennähe überlebt („Laden und Sein“, FAZ). Es gab Artikel, die neue Fragen stellen, zum Beispiel die, wie sich Flüchtlingsströme finanzieren („Die Geldverschicker“, Die Zeit) oder ethische Fragen aufwerfen wie in „Der Preis des Überlebens“, taz, wenn Tabletten eines Medikaments gegen Hepatitis C ein kleines Vermögen kosten. Die beste Überschrift fand Capital zu den Abgasproblemen von Volkswagen. Sie lautete: Die „Auto-Immunerkrankung“.

Viele Flüchtlingsgeschichten standen in Zeitungen, darunter abwägende und historische Vergleiche bemühende Beiträge, die Möglichkeiten der Integration über Arbeit und ihre Kosten thematisierten. Auch mehrere Regionalzeitungen boten trotz der eingangs genannten Kapazitätsprobleme gute Artikel. Den Juroren fielen die Stuttgarter Nachrichten auf, die in „Nordwärts“ ein Jahr lang junge Italiener begleiteten, die vom Klinikverbund in Stuttgart angeworben wurden und eine Ausbildung durchlaufen. Besonders gelungen waren auch die grafisch und faktenreich überzeugende Darstellung „So viel Region steckt in einem Airbus 380“ der Aachener Zeitung, die Einzelhandelsgeschichte „Starker Handel, Starke Städte“ aus der Braunschweiger Zeitung und die Serie „Zukunft der Arbeit – Arbeit der Zukunft“ der Mittelbayerischen Zeitung. Eine innovative Idee realisierte der Kölner Stadt-Anzeiger. Er machte eine Ausgabe seiner Zeitung weiblich, nannte das Blatt „Kölner Stadt-Anzeigerin“ und stellte erfolgreiche Frauen vor, die den Leserinnen Mut machen sollten beruflich mehr auszuprobieren.

IV. Internet

Die Welt ist voller negativer Nachrichten – aber bilden sie die Welt ab? Im August 2015 schrieb „Spiegel Online“-Chefredakteur Florian Harms, er wolle in Zukunft mehr Artikel veröffentlichen, die auch bei düsteren Themen einen Aspekt aufzeigen, der Hoffnung macht und eine andere Perspektive aufgreift. Die Website zu dieser Sichtweise heißt www.ourworldindata.com. Sie liefert Daten gegen ein übertrieben negatives Weltbild, über das der Oxford-Ökonom Max Roser sagt: „Je gebildeter, desto pessimistischer“.

Auch die Website „Perspective Daily“, finanziert von 14.000 Menschen, will mehr tun, als wirtschaftliche Skandale aufzudecken. Die Seite gibt der Wissenschaft mehr öffentliches Gewicht. Nicht unwichtig in Zeiten, in denen die Algorithmen im Netz ein Problem erzeugen. Sie verstärken die Beachtung, die die populärsten Personen und Informationen erhalten. Je mehr bestimmte Informationen oben in den Trefferlisten von Google landen, desto stärker sinkt die Chance, dass andere Informationen überhaupt beachtet werden. Diese Erfahrung machten auch Journalisten, die einen ausgewogenen Beitrag zu TTIP realisieren wollten – sie fanden im Netz kaum Argumente pro Handelsabkommen.

Eine Reihe guter Wirtschaftsangebote ist im Internet entstanden. Zu ihnen gehört „Wir müssen mal reden“, ein Videoblog von Markus Gürne. Der ARD-Börsenstudioleiter erklärt in einem Café gegenüber der Börse auf amüsante und anschauliche Art Wirtschaftsthemen, wobei ihm Kaffeebecher schon mal als Ölstaaten dienen. Den Juroren gefiel ein Angebot auf Youtube, das sich an jugendliche Nutzer wendet. Es heißt „Was ich noch nie über Wirtschaft wissen wollte“ von MESH Collective. Szenebekannte Youtuber informieren in kurzen Clips über wirtschaftliche Phänomene. Exzellente Beiträge realisiert die Wirtschaftswoche, darunter aufwändig produzierte Seiten wie „Menn oder Maschine“, die den Stand der Robotertechnik in unterhaltsamen Selbstversuchen zeigte.

Andere Angebote zielen auf eine Beteiligung der Leser, zum Beispiel „Virtuelle Redaktion für Sparkassen-Recherche“, Correctiv. Das Handelsblatt schilderte in „Tatort Volkswagen“ minutiös, wie es zum größten Industrieskandal der Nachkriegsgeschichte kam und verknüpfte damit das Angebot, den Text mit Leserinnen und Lesern fortzuschreiben. Auch „Krautreporter“ bemüht sich über soziale Medien und offene Teams User in die „Recherche-Community“ einzubeziehen.
Ein anderer Trend ist die Gamification. Sie will dem Leser durch spielerische Elemente Informationen vermitteln wie in „Falcianis Swiss Leaks – Der große Bankdatenraub“. Der Leser soll nach jedem Absatz Fragen beantworten, zum Beispiel wie er sich an Stelle des Whistleblowers Falcianis verhalten hätte. Als eine Mischung aus Videospiel und Journalismus werden newsgames bezeichnet. Sie sind im englischsprachigen Raum beliebt (zum Beispiel „Cutthroat Capitalism“ von Wired). Ein deutsches Beispiel von newsgames/gamification bietet der Beitrag vom SWR über „Die Geschichte des Südwestens“ (Episode „Industrialisierung“). Er ist grafisch ansprechend und hochwertig gestaltet, urteilte die Vorjury und glaubt, dass solche Art von gamification an Bedeutung gewinnen könn-ten.