Medienbrief 1/18

Preisverleihung in Nürnberg

1.300 zum Teil hervorragende Beiträge konkurrieren 2018 um den Ernst-Schneider-Preis. Die Themen spiegeln das wider, was die Menschen bewegt: Automatisierung der Arbeit, Entlohnung von Pflegekräften, Bau und Scheitern von Großprojekten, Aufstieg von Kryptowährungen, Transparenz der Lieferketten, Grenzen der Globalisierung, Absprachen der Autoindustrie, Alltag von Migranten im Betrieb, Chinas Geoökonomie, Marktmacht von Amazon, bessere Konzepte der Entwicklungshilfe und nicht zuletzt der Einfluss der Instagramstars auf das Kaufverhalten. Über die Gewinner entscheiden promi-nent besetzte Jurys. Zugesagt haben die Intendanten des HR und des Deutschlandfunks, Manfred Krupp und Stefan Raue, RTL-Chefredakteur Michael Wulf, der CEO von Upday Jan-Eric Peters, die Chefredakteurin von Bild am Sonntag, Marion Horn, und der Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Beat Balzli. Die Preisverleihung findet am 15. Oktober im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg statt. Barbara Hahlweg, ZDF, wird moderieren.


Influencer müssen Regeln einhalten

Die Düsseldorfer Medienanstalt LfM geht gegen In-fluencer im boomenden Social-Media-Markt vor, die Inhalte und Werbung vermischen. LfM-Direktor Tobias Schmid: „Wer von Firmen Gegenleistungen wie Geld oder Produkte erhält, muss so eindeutig darauf hinweisen, dass der normale Nutzer diese Hinweise sofort erkennen kann.“ Die LfM drängt auch darauf, dass Streamingdienste wie Let‘s Play als Rundfunk angesehen und lizensiert werden – vorausgesetzt, sie werden live verbreitet, von mehr als 500 Usern gleichzeitig gesehen, sind redaktionell gestaltet und werden „entlang eines Sendeplans“ regelmäßig und wiederholt verbreitet.

Weniger Vertrauen in Wirtschaft

Die Deutschen verlieren Vertrauen zu Unternehmern. Eine Forsa-Umfrage hat das ergeben, und sie liefert auch gleich die Gründe: Dieselaffäre, die Insolvenz von Air Berlin und der angekündigte Stellenabbau bei Siemens beschädigten das Bild. Hingegen ist das Ansehen von Polizei und Gewerkschaften größer geworden. Vertrauensschwund erlitten auch die Medien.

Das Ranking:
1. Polizei (83 % – plus 6 Prozentpunkte gegenüber 2016)
2. Universitäten (80 % – unverändert)
3. Ärzte (78 % – unverändert)
4. Eigener Arbeitgeber (75 % – unverändert)
12. Gewerkschaften (49 % – plus 7 Prozentpunkte)
15. Presse (40 % – minus 4 Prozentpunkte)
19. Unternehmer (27 % – minus 18 Prozentpunkte)

Vielfältiger, offener und farbiger

Susanne Amann, Spiegel und Astrid Maier, Wirtschaftswoche haben die Plattform „Diverse Media“ gegründet, um Wirtschaftsberichterstattung und Arbeitswelt zu verändern. Sie beklagen, dass sie häufig die einzigen Frauen im Kreis von weißen männlichen Journalisten sind. Der Blick auf die Welt müsse vielfältiger, offener und farbiger werden, denn „zeitgemäßer Journalismus entscheidet mit über das Wohl und die Zukunft unserer Gesellschaft“. https://dverse.media/

Nachrichten meist auf Spiegelonline

2017 ermittelte eine repräsentative Marktanalyse wie und wo sich Nutzer online über Nachrichten informieren. Am häufigsten bei Spiegelonline mit einer Reichweite von 23 Prozent, vor Bild
(17 Prozent). Auch genutzt werden Tagesschau, Focus (je 10 Prozent), t-online, ntv, ZDF (je 8 Prozent) und natürlich Facebook (7 Prozent) (Media Perspektiven 10/2017).

Lockende Vorurteile

Claus Kleber argumentiert in seinem Buch „Rettet die Wahrheit“ für unabhängige Medien. Der Moderator des „heute journal“ im ZDF beschäftigt sich mit dem Vorwurf des Grundkonsenses der Medien, dem kritisierten „Main¬stream“. Selbstkritisch beschreibt er auch Wer-tungsmuster, die Einfluss auf Auswahl und Einordnung der Fakten haben können, zum Beispiel Vorstellungen, dass Verbraucherorganisationen eher Vertrauen verdienen als Industrie, Lobbyarbeit weniger der Gesetzesvorbereitung als den Interessen der Wirtschaft dient oder die Wahrheit stets irgendwo in der Mitte liegt. Kleber wirbt bei aller Selbstkritik für professionelles Hinterfragen, Durchbrechen von Klischees und Vorurteilen und eine aufklärerische Haltung.

Treue Radiohörer

Täglich hören 53 Millionen Menschen in Deutschland Radio – im Schnitt drei Stunden lang. Die öffentlich-rechtlichen Programme erreichen 36 Millionen Menschen, die privaten 28 Millionen. Zwei Drittel hören täglich nur ein Programm. Die größten Tagesreichweiten haben WDR, vor SWR und NDR (ma 2017 Radio II).

 

Preissprung bei „Impulse“

Neue Gesichter und neue Preispolitik beim Wirtschafts-magazin „Impulse“. Chefredakteurin ist jetzt Antonia Götsch. Der bisherige Chefredakteur Nikolaus Förster wird Herausgeber. Förster, der „Impulse“ 2012 von Gruner + Jahr durch ein Management Buy-out erwarb, hat das Magazin zu Jahresbeginn auf 19,90 Euro pro Ausgabe verteuert. Das Blatt soll als Premiumprodukt seinen mittelständischen Leserinnen und Lesern geldwerten Nutzen bringen. Die Abonnentenzahl beträgt rund 35.000 Leser.

Abnehmende Finanzkompetenz

Die Deutschen überschätzen ihre Finanzkompetenz. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Bankenverbands hervor. Die meisten Bürger interessieren sich zwar für Wirtschaftsthemen und glauben, dass sie sich in Finanzangelegenheiten gut auskennen. Jedoch entspricht diese Selbsteinschätzung nicht der Realität. So wusste ein Viertel der Befragten nicht, was „Inflation“ bedeutet. Die Kompetenz der Deutschen in Finanzfragen nimmt seit 2014 ab. 2017 verfügten mehr als 60 Prozent über schlechte oder eher schlechte Finanzkenntnisse. 2014 lag der Wert noch bei 56 Prozent. Unter Dreißigjährige zeichneten sich durch eine besonders geringere Finanzkompetenz aus.


Täglich drei Minuten Wirtschaft

Aus einem Programmvergleich der Jahre 2014 bis 2016 der großen Fernsehsender ermittelte das IFEM Institut charakteristische Unterschiede zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Programmanbietern, speziell beim Informationsangebot. Dies sei bei ARD und ZDF im Vergleich zu den Privaten wesentlich vielfältiger. Aller-dings seien in der ARD die Wirtschaftsanteile von 15 Minuten pro Tag im Jahr 2014 auf 13 Minuten in 2016 gesunken. Beim ZDF stiegen sie von 7 auf 8 Minuten, bei RTL gingen sie auf 5 Minuten zurück. Sat.1 beschäftigte sich täglich drei Minuten mit Wirtschaft (Media Perspektiven 5/2017).

 

 

Das Ding des Jahres

Die von Stefan Raab produzierte Erfindershow „Das Ding des Jahres“ ist seit dem 9. Februar um 20:15 Uhr bei ProSieben zu sehen. Joko Winterscheidt, Lena Gercke und Rewe-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog bilden die Jury. Über die Geschäftsideen und Erfindungen, zum Beispiel eine 10-Sekunden-Zahnbürste, Toilettenpapier in Taschenform und eine automatische Cocktailmixmaschine entscheidet das Publikum. Der Sieger erhält einen Werbevertrag auf den Sendern der ProSiebenSat.1-Gruppe in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

 

 

Amazon, Bitcoin, Diesel – Beteiligung Ernst-Schneider-Preis 2018

1.300 journalistische Beiträge konkurrieren 2018 um den Ernst-Schneider-Preis der IHKs, die Einreichungen zum Onlinepreis haben sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Automatisierung der Arbeit, Entlohnung von Pflegekräften, Bau und Scheitern von Großprojekten, Aufstieg von Kryptowährungen wie Bitcoin, Trans­­parenz der Lieferketten, Grenzen der Globalisierung, Absprachen der Autoindustrie, Alltag von Migranten im Betrieb, Chinas Geoökonomie, Marktmacht von Amazon, bessere Konzepte der Entwicklungshilfe und nicht zuletzt der Einfluss der Instagramstars auf das Kaufverhalten sind Themen, die 2018 zum Ernst-Schneider-Preis der Industrie- und Handelskammern (IHKs) eingereicht wurden. 1.300 Artikel, Fern­­seh-, Radio- und Onlinebeiträge gingen ein, mehr als in den Vorjahren.

Die Beiträge kamen von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern sowie Onlineportalen. ZEIT, F.A.Z., taz, Spie­gel, Stern, Süddeutsche Zeitung, Wirtschaftsmagazine, Boulevardmedien und Regionalzeitungen von der Aachener Zeitung bis zur Freien Presse in Chemnitz  beteiligten sich am größten deutschen Wettbewerb für Wirtschaftspublizistik. Auch deutschsprachige Medien aus Luxemburg, Österreich und der Schweiz reichten Beiträge ein. Fernseh­redaktionen wählten 176 Sendungen aus, der Hörfunk 88. 790 Artikel stammen von Zeitungen und Zeitschriften. Um den Onlinepreis bewerben sich 260 Websites, doppelt so viele wie im Vorjahr.

In der 47. Auflage des Ernst-Schneider-Preises tagen Vorjurys zwischen Weimar und Lüneburg. Über die Preise entscheiden unter anderem die Intendanten des HR und des Deutschlandfunks, Manfred Krupp und Stefan Raue, RTL-Chefredakteur Michael Wulf, die Chefredakteurin von Bild am Sonntag, Marion Horn, der CEO von Upday, Jan-Eric Peters, und der Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Beat Balzli. Die Preisverleihung findet am 15. Oktober im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg statt.

Der traditionsreiche Ernst-Schneider-Preis zeichnet Autorinnen und Auto­ren aus, die wirtschaftliches Wissen vermitteln und Wirtschafts­themen so aufbereiten, dass man  Zusammenhän­ge ver­steht. Der Preis ist nach dem Unternehmer und Kunst­mäzen Ernst Schneider benannt. Schneider war von 1963 bis 1969 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Der Preis ist mit 52.500 Euro dotiert.

Gewinner 2017

Autorinnen und Autoren von Arte, detektor.fm, Hamburger Abendblatt,
Hessischer Rundfunk, Radio Bremen, Süddeutsche Zeitung, WDR und
Wirtschaftswoche ausgezeichnet.

Im größten deutschen Wettbewerb für Wirtschaftspublizistik, dem von den
Industrie- und Handelskammern ausgeschriebenen Ernst-Schneider-Preis, sind heute (10. Oktober 2017) die Preise verliehen worden. Sie gingen an Autorinnen und Autoren von Arte, detektor.fm, Hamburger Abendblatt, Hessischer Rundfunk, Radio Bremen, Süddeutsche Zeitung, WDR und Wirtschaftswoche. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 52.500 Euro vergeben. Die ausgezeichneten Beiträge vermitteln auf besonders verständliche und interessante, oft spannende und unterhaltsame Weise wirtschaftliche Zusammenhänge. Sie wurden in Fernsehen und Radio ausgestrahlt, in Zeitungen gedruckt und online verbreitet. 15 Jurys hatten in einem mehrstufigen Verfahren die Gewinner ermittelt. Mitri Sirin vom Morgenmagazin des ZDF moderierte die 46. Verleihung des Journalistenpreises der deutschen Wirtschaft. Er begrüßte mit der Intendantin des rbb, Patricia Schlesinger, und dem Vorsitzenden des Ernst-Schneider-Preises, Peter Esser, 400 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien. In den Berliner Bolle Festsälen hatten sich zahlreiche Chefredakteure eingefunden, die als Laudatoren die Juryentscheidungen begründeten. Die Preisträger 2017 sind:

1. Internet (Dotierung 5.000 Euro)



Max Mönch und Alexander Lahl, Arte.tv / ZDF für „Monopoly der Weltmeere“
Die Autoren fragen wem das Meer gehört, wem die Rechte an Öl, Gas und Metallen zustehen, die dort lagern. Ihre Scrolldoku vermittelt in hoher Ästhetik und großer Verständlichkeit zentrale Aspekte eines wenig bekannten Wirtschaftsthemas, in dem es um Festlandssockel, Inseln und geologische Verbindungen zu Meeresschätzen geht.
Nominiert waren außerdem: Jannis Brühl, Vanessa Wormer, Simon Hurtz, Catharina Felke, Johannes Boie, Benedict Witzenberger, Elena Erdmann, Hakan Tanriverdi, Mirjam Hauck, Marvin Strathmann für „Krieg im Netz der Dinge“, Sueddeutsche.de, sowie Christian Hinkelmann, Felix Meschede,
Aruna Valliappan mit „Paketzusteller – Vorurteile und Wahrheit“, n-joy.de.
Die Jury sprach eine lobende Erwähnung aus für die Volontäre der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Redaktion Michael Soboll) für „Hannovers Wasserstadt: So entstehen 1800 Wohnungen“, haz.de.

2. Print



Wirtschaft in regionalen Printmedien (Dotierung 7.500 €)
Miriam Opresnik für die Serie „Mein erster Laden“, Hamburger Abendblatt
Die Autorin löst eine Existenzgründerin aus der Statistik und erzählt die Geschichte der 35-jährige Jennifer Hinze, die einen gut bezahlten Job in der Hamburger Sparkasse kündigt, um ein veganes Feinkostgeschäft mit Café zu eröffnen. Die Gründerin macht ihr Geschäft komplett transparent, nennt Belastungen und Verpflichtungen, berichtet von Hoffnungen und Sorgen: eine emotionale, Mut machende Gründergeschichte, deren Ausgang die Leser mit Spannung verfolgten.
Nominiert waren auch Christine Hochreiter und Martin Anton für „4 Flüchtlinge auf dem Weg in ein neues (Berufs-)Leben“, Mittelbayerische Zeitung, sowie Benjamin Wagener und Team für „Unsere Bauern“, Schwäbische Zeitung.

Wirtschaft in überregionalen Printmedien (Dotierung 7.500 €)
Jürgen Berke für „ThyssenKrupp: Im Auge des Sturms“, Wirtschaftswoche
Der Autor ist als einziger Journalist dabei, als ThyssenKrupp eine Abwehrschlacht im Internet gewinnt. Codename des Cyberkriegs: White Amflora, benannt nach der ersten gentechnisch veränderten Kartoffel, die besonders viel Stärke enthält. Vorausgegangen waren monatelange, raffinierte Hackerangriffe aus dem Ausland, die sich sukzessive zu den zentralen Geschäftsdaten des Konzerns vorgearbeitet hatten.
Nominiert waren Heinz-Roger Dohms, Thomas Steinmann und Jens Brambusch mit „Die Akte Unister“, Capital, sowie Kayhan Özgenc und Jan C. Wehmeyer für „VW-Affäre“, Bild am Sonntag.

Förderpreis (Dotierung: Weiterbildung 2.500 €)
Ausgezeichnet wird Anna Gauto, Wirtschaftswoche, deren Texte aus Saudi-Arabien ökonomische Gründe für den Wandel im Land sichtbar machen.
Nominiert war Katja Scherer, Impulse / Zeit.

3. Hörfunk



Kurzbeitrag (Dotierung 5.000 €)
Christian Schwalb für „Problem oder Potenzial? Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt“ (Red. Nicole Ritterbusch), Radio Bremen
Der Autor vermittelt in der Wochenserie tiefe Einblicke in US-amerikanische Integrationskonzepte von Migranten, die Arbeit in den Mittelpunkt der Eingliederung stellen, er zieht Parallelen zu Deutschland, vergleicht Pragmatismus mit Gründlichkeit, ordnet ein und bezieht Stellung.
Nominiert waren auch Regina Beck (Red. Regina Beck), „Handwerker ABC“, SWR, und Thorsten Ortmann (Red. Udo Kreuer), „Brexit”, Radio NRW.

Große Wirtschaftssendung (Dotierung 7.500 €)
Christian Bollert, „Das brand eins Magazin zum Hören (Schwerpunkt ‚Lust‘)“ (Red. Marcus Engert), detektor.fm
Der Autor interviewt Autoren, Protagonisten der Geschichten und Experten, die in dem gedruckten Monatsmagazin eine Rolle spielen, vertieft Themen und stellt neue Bezüge her. Transparentes Storytelling, geschickte Verknüpfung von Print und Online sowie exzellente Dramaturgie kennzeichnen das Konzept, das Gräben zwischen den Mediengattungen zuschüttet.
Nominiert waren auch Jörn Klare (Red. Joachim Dicks) mit „Abschied vom Faktor Mensch“, NDR, und Ursula Mayer (Red. Frank C. Starke) mit „Eine Welt ohne Bargeld: Bezahlen in der Zukunft”, WDR.

4. Fernsehen



Kurzbeitrag (Dotierung 5.000 €)
Stefan Jäger für „Im Zinstief – Gesetzliche Rente rentabler als private Vorsorge“, ARD (hr, Red. Sabine Elke)
Der Autor deckt in dem „Plusminus“-Beitrag bei Beratern erstaunliche Wissenslücken über die Altersvorsorge auf und verdeutlicht die wirtschaftlichen Hintergründe der guten Rendite der gesetzlichen Rente, die zurzeit die von Lebensversicherungen und Riesterrenten übertrifft.
Nominiert waren außerdem Steffen Clement (Red. Sabine Elke) für „Minuszinsen“, ARD (hr), und Stefan Jäger (Red. Brigitte Schalk / Clemens Bratzler) für „Rentenbesteuerung: Doppelt abkassiert vom Staat“, ARD (SWR).

Große Wirtschaftssendung (Dotierung 7.500 €)
Jan Schmitt für „Milliarden für Millionäre – Wie der Staat unser Geld an Reiche verschenkt“, ARD (WDR, Red. Petra Nagel / Martin Suckow)
Mit bisher unveröffentlichten Dokumenten sowie Interviews mit Insidern und Zeitzeugen schildert der Autor, was Cum-Ex – Geschäfte auslösten: steuerlich motivierte Leerverkäufe von Aktien kurz vor dem Termin der Dividendenzahlung mit anschließendem Rückkauf, wodurch Anleger hohe Kapitalertragssteuern erstattet bekamen, die nicht abgeführt wurden. Der Film ist ein Wirtschaftskrimi zu einem Staat und Steuerzahler betreffenden Thema. Er lebt von prominenten Protagonisten, ist gut erzählt und politisch verankert, denn drei Finanzminister schafften es nicht, eine Lücke im Gesetz zu schließen.
Nominiert waren auch Andrea Hauner (Red. Nils Casjens) für „Die Lachs-Industrie“, NDR, sowie Carmen Meyer und Holger Ernst (Red. Jörg Seibold) für „Whistleblower – Allein gegen das System“, Deutsche Welle.

Innovation / Wirtschaft in der Unterhaltungssendung (Dotierung 5.000 €)



Bastian Obermayer, Frederik Obermaier, Vanessa Wormer, Katrin Langhans, Mauritius Much, Hannes Munzinger: „Panama Papers“, SZ
Das Team der Süddeutschen Zeitung gab durch die internationale Auswertung zugespielter Daten eine zeitgemäße journalistische Antwort auf ein weltumspannendes Thema und löste öffentliche Debatten über Steuerschlupflöcher, Steueroasen und Steuermoral aus. Die Artikel über die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die 200.000 Briefkastenfirmen eintrug, Offshore-Firmen verwaltete und Dienstleistungen im Graubereich des Rechts anbot, sind hervorragend aufbereitet und haben durch die Zeichnungen von Peter M. Hoffmann ein charakteristisches Aussehen bekommen.
Nominiert war Stefan Weigl (Red. Andrea Hanke, Milena Maitz, Georg Steinert, Conrad Cornelius) für „Zeit der Kannibalen“, ARD (BR, WDR), ARTE.

 

 
Über den Internetpreis entschieden:
Peter Esser, ESP e.V., Florian Hager, Geschäftsführer funk, Rosemarie Schuster, Geschäftsführerin Techcast, Jochen Wegner, Chefredakteur Zeit Online, Jennifer Wilton, Ressortleiterin Investigativ und Reportage WeltN24.

Die Entscheidungen in der Printjury trafen:
Hartmut Augustin, Chefredakteur Mitteldeutsche Zeitung, Dr. Achim Dercks,
stv. Hauptgeschäftsführer DIHK, Ralf Geisenhanslüke, Chefredak-teur Neue Osnabrücker Zeitung, Sven Gösmann, Chefredakteur dpa, Klaus Schrotthofer, Geschäftsführer Zeitungsverlag Neue Westfälische.

In der Hörfunkjury arbeiteten:
Dr. Robin Houcken, ESP e.V. und Geschäftsführer Looping Studios, Stephan
Schmitter, Geschäftsführer RTL Radio Center Berlin, Andreas-Peter Weber, Programmdirektor Deutschlandfunk, Valerie Weber, Hörfunkdirektorin WDR.

Die Fernsehjury bestand aus:
Manuela Kasper-Claridge, Leiterin Wirtschaft und Wissenschaft DW, Dirk Müller, Geschäftsführer Infonetwork RTL, Christian Nitsche, Chefredakteur BR, Christoph Singelnstein, Chefredakteur und stv. Programmchef rbb, Frank Thewes, Bereichsleiter Kommunikation DIHK.

Der Ernst-Schneider-Preis ist der Journalistenpreis der deutschen Wirt¬schaft. Der Preis ist nach dem Unternehmer und Kunstmäzen Ernst Schneider benannt, der von 1963 bis 1969 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages war. Mit dem höchstdotierten Preis im Wirtschaftsjournalismus zeichnen die Industrie- und Handels¬kammern seit 1971 Beiträge aus, die den Bür¬gern mehr Wissen über wirt¬schaftliche Zusammenhänge vermitteln und die Medien ermutigen, neue Schritte bei der Vermittlung von Wirtschaft zu gehen.

Vielfältig, differenziert, ausgefallen

Stellungnahme zur Entwicklung der Wirtschaftsberichterstattung 2017

Die Wirtschaft verändert sich. Die Arbeit verändert sich. Der Blick auf die Wirtschaft wird offener. Gründergeschichten haben Konjunktur. Gleichzeitig gewinnen Fragen der Unternehmenskultur, der Nachhaltigkeit und Gemeinwohlorientierung an Bedeutung. An Wirtschaftsthemen, die die Republik bewegen und das Land verändern, besteht 2017 kein Mangel. Die über tausend Beiträge, die zum Ernst-Schneider-Preis eingereicht wurden, zeigen die Vielfalt. Die Einreichungen thematisieren Automatisierung und Vernetzung, Dieselaffäre, Zukunft der Elektromobilität, Bedrohung durch Cyberangriffe, Boom der Biolebensmittel, Wandel der Energieerzeugung und Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.

So vielfältig und differenziert die Wirtschaftsberichterstattung ist, so ungleich verteilt sie sich auf die Medien. Gut informiert ist, wer Zeitungen liest. Eher einseitig informiert ist, wer nur soziale Medien nutzt, deren Stärken Emotion und Gleichzeitigkeit sind; gemeinnützige, soziale und transnationale Bewegungen gebrauchen sie für wirkungsvolle Kampagnen. Und eher wenig über Wirtschaft informiert ist, wer überwiegend private Sender sieht und hört. Die Wirtschaftsberichterstattung ist schnell Verlierer, wenn aufwändige Recherchen anfallen oder Reichweiten entscheiden. Umso wichtiger, dass öffentlich-rechtliche Sender ihren Informationsauftrag erfüllen. Doch auch bei ihnen sind Wirtschaftsmagazine oft Verlierer in der senderinternen Abwägung zwischen Informationsauftrag und Wunsch nach Einschaltquote. Journalistinnen und Journalisten benannten in einer großen Online-Umfrage des Ernst-Schneider-Preis (230 Antworten) weitere Probleme: Wirtschaftliche Themen würden im Haus unterschätzt, die Redaktionen seien zu klein, die Sender stellten nicht ausreichend Sendefläche zur Verfügung. Wie attraktiv und anschaulich sich Wirtschaft vermitteln lässt, wenn gute Ideen umgesetzt werden, bewiesen die ARD mit ihrer Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ und Vox mit der Gründershow „Höhle der Löwen“, die in der dritten Staffel Quotenrekorde aufstellte.

Mit dieser Stellungnahme, die Anregungen der Industrie- und Handelskammern aufgreift, wollen wir Entwicklungen benennen und Anstöße zur Verbesserung der Wirtschaftsberichterstattung geben. Die Studie stützt sich auf Umfragen, Medienbeobachtung und die Auswertung der Wirtschaftsbeiträge, die zum Ernst-Schneider-Preis 2017 eingereicht wurden. Die IHKs stiften diesen Preis seit 46 Jahren. Sie wollen, dass die Menschen wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen. Dieses Wissen ist für die Gesellschaft von Bedeutung. Es setzt verlässliche Informationen voraus.

Fernsehen

2017 hat die ARD das „Jahr der Information“ ausgerufen. Der Slogan „Das Erste – wenn es wichtig wird“ drückt den Anspruch aus. Diesem Ziel wird die ARD bei der wöchentlichen Wirtschaftssendung „Plusminus“ nicht immer gerecht. „Plusminus“ fällt im Jahr der Information so häufig aus, dass von Regelmäßigkeit nicht mehr gesprochen werden kann. Im ersten Halbjahr lief die Sendung in 26 Wochen nur 16 Mal, davon am 12. April erst kurz vor Mitternacht, mithin nur 15 Mal zum regulären Termin mittwochs um 21.45 Uhr. Die ARD ersetzte das Wirtschaftsmagazin durch Dokumentationen, die thematisch zum Fernsehfilm um 20.15 Uhr passten („Event“), sie zog die Talkshow „Maischberger“ vor und sie übertrug Fußballspiele, selbst wenn diese für den jeweiligen Wettbewerb wenig relevant waren und Spiele, die ohne deutsche Beteiligung stattfanden. Ähnlich wie bei den vielen Ausfällen des Europamagazins wegen Wintersportübertragungen (Stellungnahme 2016) schlägt die Erwartung höherer Einschaltquote die Vermittlung von Information.

Die „Ausfall-Bilanz“ von „Plusminus“ im ersten Halbjahr 2017 liest sich so: Am Mittwoch, 4.01.2017 entfiel die Sendung wegen eines „Feiertagsprogramms“, am 8.2. wegen DFB-Pokal Achtelfinale, am 22.2. wegen Eventprogrammierung „Katarina von Bora“, am 1.3. wegen DFB-Pokal Viertelfinale, am 22.3. wegen des Länderspiels Deutschland-England, am 5.4. wegen Eventprogrammierung „Gorch Fock“, am 26.4. wegen DFB-Pokal Halbfinale, am 17.5. wegen Eventprogrammierung „Gefährliche Medikamente“, am 21.6. wegen der Doku „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden“, am 28.6. kurzfristig wegen „Sportschau-Club“ nach dem Confed Cup-Spiel Portugal-Chile. Dieser Erosionsprozess von „Plusminus“ hat negative Folgen für das wirtschaftliche Wissen der Zuschauer. Er beschädigt die Marke „Plusminus“, senkt die Zuschauerbindung, erschwert die redaktionelle Planung und nimmt den Wirtschaftsautorinnen und -autoren Jobs. Ein möglicher statistischer Zugewinn an Einschaltquote wiegt diese Nachteile nicht auf.

In großen Abständen sendet die ARD monothematische Ausgaben „Plusminus extra“ und zeigt, wozu das Magazin in der Lage ist. Die viertelstündigen Beiträge, im März 2017 zu Schlecker (SWR), im Mai 2017 zur Deutschen Bank (HR), waren faktenreich und enthielten exklusive Interviews, die wirtschaftliche Zusammenhänge verdeutlichten.

Mit der auf allen Wellen ausgestrahlten Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ stieß das Erste im November 2016 einen Diskurs über die Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung an. Das von HR, RB und SR vorbereitete Programm bot allen Zuschauergruppen einen umfassenden, journalistisch oft großartig gemachten Einblick in wirtschaftliche Prozesse. Da die ARD ihr Korrespondentennetz nutzte, erfuhren die Zuschauer auch wie unterschiedlich Zukunftsvorstellungen rund um den Globus sind. Mehrere Beiträge wie „Faktor Menschlichkeit – Was macht Unternehmen erfolgreich?“ fielen in den Jurys des Ernst-Schneider-Preises positiv auf.

Die Juroren weisen regelmäßig auf den Aspekt der Glaubwürdigkeit der Medien in Zeiten von Fake News hin. Gerade die privilegierten öffentlichen-rechtlichen Medien müssten mehr denn je sicherstellen, dass die von ihnen verbreiteten Informationen umfassend, klar und richtig seien. Dies gelte besonders für wirtschaftliche Informationen, weil viele Menschen den raschen Veränderungen der Wirtschaft durch Digitalisierung und Globalisierung unvorbereitet und skeptisch gegenüber stehen. Sorgfalt und Kompetenz der Berichterstattung setze Fachredaktionen und Fachleute voraus – während der Trend vielfach zu journalistischen „Allroundern“ gehe, deren Kompetenz in der Vermittlung liege.

Glaubwürdigkeit heißt auch weniger Alarmismus in der Darstellung. Die Titel der Wirtschaftsbeiträge sind im Fernsehen mittlerweile martialisch und marktschreierisch formuliert. Sie heißen „Schlachtfeld Internet“, „Tierfabrik Deutschland“, „Giftmüll für den Wohnungsbau“, „Im Land der Lügen“. In der ARD-Media­thek empfehlen seit kurzem Redakteure im besten „Jerry Cotton“-Ton („Wir lieben knallharte Dokumentationen ….“) „Gift – Politthriller über gepanschte Medikamente“, „Nackt im Netz – intime Details von Politikern im Handel“, „Der unsichtbare Feind – tödliche Supererreger aus Pharmafabriken“ und „Wir hacken Deutschland“. Zu viele Fernsehbeiträge sind nach dem Schema Gut, Böse, Emotion aufgebaut. Autoren bekommen Formatierungsempfehlungen und beklagen mitunter das „Tremolo der Aufgeregtheiten“, zu dem sie angehalten sind.

Eine andere Beobachtung zielt auf die Balance der Berichterstattung. Redaktionen greifen aus dramaturgischen Gründen in vielen Formaten „Fälle“ auf, also Geschichten, deren Spannung daher rührt, dass sie Konflikte oder Probleme beinhalten. Die Geschichten drehen sich um Fehler und Fehlentwicklungen der Wirtschaft. Derartige Berichte sind in einer Demokratie notwendig, gleichwohl führt die Fokussierung auf „Fälle“ wahrscheinlich dazu, dass Zuschauer Wirtschaft konfliktreicher und problematischer erleben, als sie in der Realität ist.

Zu kurz kommt die Perspektive der Wissensvermittlung. Während es für Kinder „Logo“ und „Die Sendung mit der Maus“ mit faszinierenden Sachgeschichten gibt, fehlen vergleichbare, spannend gemachte Erklärstücke für Erwachsene. Dabei hat das Fernsehen hier große Stärken, ein Beispiel ist „Terra X“ (ZDF). Hier werden historische und technische Entwicklungen, aber auch Archäologie und Physik in großen Geschichten aufbereitet und ebenso attraktiv wie erfolgreich den Zuschauern vermittelt. Auch wirtschaftliche Sendungen sind denkbar, die Phänomene erklären oder Probleme lösen.

Trotz dieser Mängel bieten öffentlich-rechtliche Fernsehsender eine große thematische Bandbreite an Wirtschaftsthemen. Der Infomonitor des IFEM Instituts belegt, dass die Wirtschaftsberichterstattung eine Domäne der Öffentlich-Rechtlichen ist. Das gilt auch für die Nachrichtensendungen. Im Vergleich der Nachrichten lag 2016 das „heute-journal“ (ZDF) bei Wirtschaft vorn. Im Schnitt widmete das „heute-journal“ Wirtschaftsthemen acht Prozent Sendezeit, die „Tagesthemen“ sieben, „RTL aktuell“ drei, die „Sat.1 Nachrichten“ vier Prozent. Die Wirtschaftsberichterstattung erreichte im April 2016 anlässlich der Panamapapers, des VW-Abgasskandals und der Kontroversen um TTIP ihren Höhepunkt. Bei den Wirtschaftsmagazinen konzentrierte sich die ARD stärker auf klassische Wirtschaftsthemen (76 Prozent), beim ZDF („WiSo“) überwogen Verbraucherthemen (47 Prozent), ermittelten Forscher für die Media Perspektiven 6/2016. „WiSo“ wird anders als „Plusminus“ regelmäßig ausgestrahlt und enthält auch aktuelle wirtschaftspolitische Stücke. Privatsender profilierten sich durch Regionalmagazine der Fensterprogramme mit ihrem Mix aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Justiz. Unter den Talkshows, die oft Wirtschaftsthemen aufgreifen, lag „Anne Will“ (ARD) mit durchschnittlich 4 Millionen Zuschauern vor „Hart aber fair“ (ARD) mit 3,1 Millionen und „Maybrit Illner“ (ZDF) mit 2,6 Millionen Zuschauern.

Eine ganze Reihe von Reportagen und Dokumentationen des vergangenen Jahres waren herausragend. Die Juroren lobten aufgrund ihrer Recherchen, ihrer Darstellung und Verständlichkeit unter anderem „Deutschlands große Clans – Die C&A Story“ (ZDF), „Das Märchen vom sauberen Auto“ (SWR), „PanamaPapers – Im Schattenreich der Offshorefirmen“ (NDR/WDR), „Whistleblower – Allein gegen das System“ (Deutsche Welle), „Einsame Spitze – Top Manager am Limit“ (NDR), „Milliarden für Millionäre – Wie der Staat unser Geld an Reiche verschenkt“ (WDR), zudem aus der NDR-Reihe „45 Min“ den „VW-Krimi“, „Mode schlägt Moral – Wie fair ist unsere Kleidung“ (WDR) und „Die Lachs-Industrie“ (NDR). Zahlreiche gute Firmenportraits von Mittelständlern, viele von SWR („Made in Südwest“) und HR, bereicherten das Programm, zum Beispiel „Zuflucht aus Beton – Die Flüchtlingshilfe des Martin Hachmeister“ und exzellente Magazinstücke wie „Minuszinsen“ und „Gesetzliche Rente rentabler als private Vorsorge“ (beide HR). Die Wissenschaftssendung „Quarks & Co“ gab kluge Antworten auf die Frage „Wie geht TTIP?“, der BR produzierte einen sehenswerten „Geld-Check im Ersten“ zur Rente, der HR einen guten „Geld-Check“ zur Preisbildung. Ausgiebig widmete sich das Fernsehen dem Silicon Valley. Vox sendete am 15. Oktober eine abendfüllende, vierstündige Gründer-Dokumentation „Hightech oder Hölle – Leben im Silicon Valley“, das ZDF „Schöne neue Welt: Wie Silicon Valley unsere Zukunft bestimmt“. Die Brexit-Berichterstattung war ein weiterer Schwerpunkt im Programm. „Makro“ (3sat), thematisierte „Europa nach dem Brexit“.

Die privaten Sender n-tv und N24 zogen 2016 mehr Publikum an. Auf diesen Kanälen werden Nachrichten, Live-Berichterstattung, Dokumentationen und Wirtschaftsreportagen gesendet, speziell bei n-tv, das angekündigt hat seine Nachrichten noch einmal auszuweiten. Kabel eins produzierte die Erfinder-Reportage „New Made in Germany“. Phoenix, das traditionell einen hohen Anteil an Wirtschaftsberichterstattung hat, strahlte neben vielen Diskussionen eine Reihe interessanter Dokus aus.



Wirtschaftsthemen sehen Zuschauer auch in Unterhaltungssendungen. Auch hier bildet sich Meinung, womit eine große redaktionelle Verantwortung verknüpft ist. Nehmen Sender sie ausreichend wahr? „Tödliche Geheimnisse“ (ARD, ORF) kündigte die ARD so an: „Der Thriller um das umstrittene Freihandelsabkommen macht greifbar, welche Gefahren für Demokratie, Verbraucherschutz und viele Lebensbereiche von TTIP ausgehen.“ Die mitspielende Katja Riemann äußerte sich über den Film so: „Die Diktatur der Wirtschaft ist so umfassend und versucht alles, um als agierender Diktator nicht sichtbar zu sein.“ Die Film-Kritik der Süddeutschen Zeitung fand das verantwortungslos: „Ein Akteur darf das Handelsabkommen TTIP unwidersprochen so zusammenfassen, Europa handele sich Hormonfleisch und Genfood ein, um etwas Läppisches wie einheitliche Autoblinker zu bekommen. … Das Drehbuch basiert laut Sender auf detailreichen Recherchen … zwei Anti-TTIP-Aktivis­tinnen und ein TTIP-Gegner der Grünen waren ‚Fachberater‘.“



Vox thematisiert Wirtschaft in der Unterhaltung als großes Spiel und hat damit einen enormen Zuschauerzuspruch. Der Sender stellte mit der dritten Staffel seiner Gründershow „Die Höhle der Löwen“ im Herbst 2016 mehrere Quotenrekorde auf und beweist damit, dass anspruchsvolle Themen in ideenreicher Aufbereitung ein großes Publikum finden können. Am 18. Oktober 2016 schauten 3,3 Millionen Menschen zu, als Gründer neue Geschäftsideen präsentierten. Die Quote betrug 11,3 Prozent, der Marktanteil der jüngeren Zuschauer stieg auf fast 20 Prozent.

An den Erfolg dieser Sendungen will ProSiebenSat.1 anknüpfen. Der Sender kündigte Mitte 2017 eine Show um Erfinder und Entwickler an, die Stefan Raab produzieren wird. Die Show ist als Duell konzipiert und soll „Das Ding des Jahres“ heißen.



Hörfunk

Verschiedene Sender setzten mit Wirtschaft Akzente im Programm. Besonders gelungen war neben der ARD-Themenwoche die zwölfteilige Featureserie des SWR „Die teilende Gesellschaft“. Juroren hielten das Konzept für herausragend. Thematisiert wurden unter anderem die Entstehung des Wirtschaftssystems in Jäger- und Sammlergesellschaften Namibias und in Bauerngesellschaften Kenias sowie die Kommerzialisierung des Teilens in den USA.

„Ich mach mein Ding“ heißt eine große Wirtschaftsserie des WDR, die zwei Jahre lang fünf Start-Ups aus verschiedenen Städten Nordrhein-Westfalens begleitet. Die Gründerserie ist trimedial angelegt. Eine andere attraktiv gemachte Serie einer großen populären Welle, die ins Ohr ging, war das „Handwerker ABC“ des Südwestrundfunks. Die 11-teilige Serie lief auf SWR 3.

Andere Sender entwickelten neue Wirtschaftsformate. Der Deutschlandfunk produziert das „Erklärwerk Wirtschaft“. Die zweiminütigen Beiträge legt der Sender in seiner Mediathek ab. Daraus entsteht ein nützliches Archiv der Wirtschaftsbegriffe. Hier kann man sich über den „Ifo-Geschäftsklimaindex“ oder die „Fed“ kundig machen. Ebenso nützlich sind die Erklärungen, die die NDR Info Wirtschaftsredaktion in klassischen 1´30 Minuten gibt. Das Format heißt „Wirtschaftslexikon“ und übersetzt Fachbegriffe wie „Kapitalverkehrskontrollen“, „Schuldenschnitt“ oder „Squeeze-Out“. Der rbb schildert in „Apropos Wirtschaft“ einen wöchentlichen Hintergrund zu aktuellen Wirtschaftsentwicklungen in Deutschland, Berlin und Brandenburg. In den 15-minütigen Reportagen kommen Macher, Analysten und Verbraucher zu Wort.

Seit dem vergangenen Jahr produziert das private Internetradio detektor.fm einmal monatlich eine einstündige Sendung zur aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins brand eins. Gespräche mit den Autorinnen und Autoren sollen die Recherchen verdeutlichen und einen persönlichen Eindruck von den Geschichten geben. Die monothematischen Sendungen lassen sich als Podcast abonnieren oder bei verschiedenen Audio-Plattformen hören. Das Konzept belegte zeitweilig Platz 1 der deutschen iTunes Podcast Charts.

Zum besten Podcast des Jahres wurde von Apple iTunes die Serie „Der talentierte Mr. Vossen” von NDR Info gekürt. Zuschauer hörten in sieben Folgen von jeweils 20 Minuten, welchen Weg der schillernde Aktienhändler und Filmproduzent Felix Vossen nahm. Für das Projekt arbeiteten die NDR Radiokunst, in der Features und Hörspiele entstehen, und die investigative Rechercheredaktion des Senders zusammen.

Feature der öffentlich-rechtlichen Sender informieren in hoher Qualität, gelegentlich auch besonders aufwändig im „ARD-Radiofeature“. Im Unterschied zum Fernsehen tragen diese Wirtschaftssendungen keine schrillen Titel. Den Juroren gefielen unter anderem „Produktionsstandort Deutschland ist wieder in“ (NDR), „Die Festplatte auf Rädern: Welche Daten das Auto sammelt – und verrät“ (DLF), „Arbeit 4.0 – Die Zukunft von Handwerk und Industrie“ (SR), „Abschied vom Faktor Mensch“ (NDR), „Leuna – Ein Schicksal aus Chemie“ (MDR), „Eine Welt ohne Bargeld: Bezahlen in der Zukunft“ (WDR), „Sex sells – Wie weibliche Unlust zur Krankheit wurde” (DLF) und „Von wegen autofrei! Mobilität in Bayern“ (BR).

Wirtschaft spielt auch in Unterhaltungssendungen des Radios eine Rolle, wo sie manchmal gut recherchiert und amüsant hinterfragt wird, wie in der Satiresendung „Hintergrund Deluxe“ (WDR). Themen waren zum Beispiel die Mietpreisbremse, das CO2-neutrale Weihnachten und privatisierte Autobahnen.

Print

79 Prozent der vom Ernst-Schneider-Preis im Mai 2017 befragten Journalisten sagten, dass das Angebot an Wirtschaftsthemen bei Zeitungen und Zeitschriften – anders als bei Fernsehen und Hörfunk – ausreichend sei. Hier finden Leser die meisten und oft besten Hintergrundgeschichten, exzellente wirtschaftspolitische Beiträge und viel lokale Wirtschaftsberichterstattung.

Die journalistische Aufarbeitung zweier Ereignisse ragte im letzten Jahr heraus. Die „VW-Affäre“ um die manipulierten Dieselantriebe, in der besonders „Bild am Sonntag“ sehr früh, verständlich und wiederholt berichtete, und die „Panama Leaks“. Die Panama-Papiere sind vertrauliche Unterlagen des Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca, die neben legalen Strategien der Steuervermeidung auch Steuer- und Geldwäschedelikte enthüllten und eine Debatte über Steuermoral ausgelösten. Die Süddeutsche Zeitung stellte in einer großen Serie die Zusammenhänge dar und brach die Geschichte auf Deutschland herunter.

Als Reaktion auf verbreitete, aber oft unwahre Unterstellungen entwickelte die ZEIT 2017 „Fakt oder Fake“. Das verständlich geschriebene Erklärformat beantwortete zum Beispiel die Frage, ob Griechenland durch Schulden ruiniert wird oder ob Deutschlands Exportüberschuss andere Länder ausbeutet. Auf die zunehmende Nationalisierung in den USA, Großbritannien und im Osten Europas reagierte die Süddeutsche Zeitung im April 2017 mit der Serie „Globalisierung am Ende?“

Im vergangenen Jahr brachten Rheinische Post und Lübecker Nachrichten eigene Wirtschaftszeitungen heraus. Auch die FAZ wurde regionaler und konzipierte das Wirtschaftsmagazin „Frankfurter Allgemeine Metropol“. Damit folgten sie anderen Blättern, die ihr Angebot in der Region diversifizieren.

Gründergeschichten gab es viele. Zwei Projekte ragten heraus. Das Hamburger Abendblatt sorgte mit einer monatelangen Begleitung einer am Ende gescheiterten Existenzgründung („Mein erster Laden“) für Aufsehen und viel Anteilnahme unter den Lesern. Komplexe Vorgänge der Gründung, der Finanzierung und der Kalkulation wurden in dieser Serie packend und anschaulich dargestellt. Die Volontäre des Bonner Generalanzeigers realisierten ein vergleichbar großes Projekt. Sie setzten zahlreiche regionale Schwerpunkte mit ihrer Serie „Bonn macht erfinderisch“.



Den Juroren des Wettbewerbs gefielen Portraits von Mittelständlern, zum Beispiel über Dirk Rossmann „Ich wollte einfach, dass endlich genug Geld da ist“ (Hannoversche Allgemeine Zeitung), Portraits über Deutschlands Familienunternehmen in der Wirtschaftswoche und besonders die rechercheaufwändigen Geschichten von künftigen Marktführern „Champions von morgen – Neue Technologien krempeln ganze Branchen um“, die im Spiegel zu lesen sind.

Große Themen waren die Nahrungsmittelproduktion, zum Beispiel „Das Märchen vom billigen Essen“ (Stern) und die immer effektivere Milcherzeugung. Zeit und Stern thematisierten sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln in „Die Milchmaschine“ (Die Zeit), „Kuh 2665 – Die 100.000-Liter-Maschine“ (Stern). Mehrere Artikel widmeten sich der Pleite des größten Agrarkonzern Europas, KTG Agrar, besonders anschaulich in „Der Größenwahn des Siegfried Hofreiter“ (FAZ). Kluge Fragen der Machtbalance zwischen Unternehmen und Staat stellte anhand von Löhnen und Immobilienpreisen der Artikel „Die armen Kinder vom Silicon Valley“ (ZEIT). „Die Enteignung des Privaten“, Welt am Sonntag, kreiste um die Frage, wem das digitale Erbe gehört. „Das Tochter-Unternehmen“, Capital beschrieb den ungewöhnlichen Weg einer Gründerin, die tödliche Krankheit ihrer Tochter in einem Biotechunternehmen aufzuarbeiten. Viele Geschichten beschäftigten sich mit den Folgen künftiger E-Mobilität. So fragten die Stuttgarter Nachrichten „Das E-Auto kommt, doch wo bleiben die Jobs?“. Migranten und ihre Integration in den Arbeitsmarkt standen im Mittelpunkt von Themenseiten und Serien, unter anderem in „Die Fachkräfte von Irgendwann“, Hamburger Abendblatt, und „4 Flüchtlinge auf dem Weg in ein neues (Berufs-) Leben“, Mittelbayerische Zeitung. Eine große und anrührende deutsch-deutsche Geschichte um enttäuschte wirtschaftliche und politische Erwartungen druckte die Sächsische Zeitung. Sie hieß „Verlorene Heimat“.



Internet



Im Internet herrscht Überfluss, auch Überfluss an Wirtschaftsinformationen, doch viele Nutzer sind mit der Fülle überfordert. Es fehlt eine journalistische Einordnung der Fakten, denn nicht das, was wichtig ist, erhält erhöhte Aufmerksamkeit, sondern das, was Emotionen auslöst. Zahlreiche Nutzer nehmen Informationen selektiv wahr. In den sozialen Medien flüchten sie sich zudem in Selbstbeobachtung. „Jeder ist mit jedem jederzeit im Gespräch und redet doch meistens nur mit sich“ (Volker Weidemann, Spiegel). Soziale Medien verstärken außerdem Ängste. Der Sozialpsychologe Harald Welzer sieht eine Hysterisierung der Kommunikation: „Wo früher 20 Prozent der Menschenfeinde, die eine Gesellschaft hat, kommunikativ unter sich blieben, können sie sich heute so äußern, dass sie von 80 Prozent wahr- und von 50 Prozent ernst genommen werden, darunter wiederum von 100 Prozent der politischen Eliten und etablierten Medien“.

Attraktiv und nutzwertig aufbereitete Wirtschaftsthemen finden gleichwohl Leser. Dies ergibt sich aus der von Meedia im April zusammengestellten Liste der besten Einzelverkäufe von Artikeln bei Blendle. Blendle ist ein Onlinekiosk aus den Niederlanden, über den einzelne Beiträge bezogen werden können. Im April zahlten die meisten Leser für verschiedene Berichte über die Start-up Szene in Berlin (Tagesspiegel und Business Punk) und für Artikel zur Geldanlage (Welt am Sonntag und Stern). Auch guter Erklärjournalismus ist gefragt. So wurde zum Beispiel „Endlich verständlich“ von SpiegelOnline zum Brexit bis September 2016 neun Millionen Mal aufgerufen.

Aus den Beiträgen des Wettbewerbs um den Ernst-Schneider-Preis ragten hervor: „Paketzusteller – Vorurteile und Wahrheit“ von N-Joy, dem Jugendprogramm des NDR. Der Beitrag thematisierte den Onlinehandel. Bemerkenswert war, dass der Sender mit zehn Sekunden langen Snapchat-Videos experimentierte, die nach 24 Stunden erlöschen. Wie vernetzte Alltagsgeräte Router, Handys oder Webcams die Privatsphäre beeinträchtigen, zeigte Sueddeutsche.de im „Krieg im Netz der Dinge“. Eine aufwändige und sehenswerte Internetproduktion ist „Monopoly der Weltmeere“ von ARTE.tv. / ZDF. Sie beschreibt wie Staaten sich die Meere aufteilen, um Fisch, aber auch Bodenschätze wie Öl, Gas, Metall zu fördern. Diese Beiträge nutzen die multimedialen Möglichkeiten der Onlinemedien. Auch „Hannovers Wasserstadt: So entstehen 1800 Wohnungen“ ist hier zu nennen, ein spannendes Projekt der HAZ-Volontäre.

Onlineredaktionen erklärten das Erlösmodell der Musik „Was ist uns Musik noch wert?“ (BR), recherchierten Mobilitätsentwicklungen „Kopenhagen zeigt der Welt, wie man Fahrrad fährt“ (Wirtschaftswoche), stellten zusammen, welche Ärzte wie viel Geld für Studien von der Pharma-industrie erhielten „Euros für Ärzte“ (Correctiv / Spiegel Online), blickten auf „20 Jahre T-Aktie“ zurück (Boerse.ARD.de), machten Mut für einen beruflichen Aufbruch „Alles auf Anfang: Mit 50+ einen beruflichen Neustart wagen“ (perspective daily) und erklärten das Wirtschaftseinmaleins in „Cash – Boom – Crash“ mit den wichtigsten Ökonomen (WiWo).

Zwei Konzepte verdienen besondere Erwähnung: So veröffentlicht der NDR Nachrichten in leichter Sprache, darunter auch Wirtschafthemen. Ein Angebot für 14- bis 29-Jährige entwickelt „funk“. Das neue, junge Angebot von ARD und ZDF will informieren und unterhalten. Inhalte gibt es nur per App oder in den Sozialen Medien, dort wo junge Menschen online Inhalte konsumieren.

Den Juroren fiel auf, dass manche Angebote im Netz Zweitverwertungen von Sendern sind. Einige Seiten sind gesponsert. So unterstützt die Herz-Stiftung mit „Was ich noch nie über Wirtschaft wissen wollte“ (Mesh) ein Projekt, bei dem Youtube Stars Wirtschaft erklären. Die Bill & Melinda Gates-Stiftung förderte unter anderem Spiegel-Recherchen bei der „Expedition Übermorgen“. Darunter waren lesenswerte Auslandsbeiträge zu Solaranlagen „Vom Ende der Dunkelheit“ und „Stolze Kinderarbeiter“, bei denen Fragen zum Sponsoreneinfluss gestellt wurden.

Medienbrief 4/17

Nominierungen für Ernst-Schneider-Preis

26 Wirtschaftsbeiträge aus Fernsehen, Hörfunk, Print und Onlinemedien sind für den Ernst-Schneider-Preis 2017 nominiert worden. Sie vermitteln wirtschaftliche Zusammenhänge spannend und verständlich. Hier geht es zur Liste der Nominierten. Am 10. Oktober werden Mitglieder der Jurys in den Berliner Bolle Festsälen die Gewinner verkünden. Laudatoren sind unter anderem: Sven Gösmann, Chefredakteur dpa, Ralf Geisenhanslüke, Chefredakteur Neue Osnabrücker Zeitung, Manuela Kasper-Claridge, Head of Business and Science Deutsche Welle, Christoph Singelnstein, Chefredakteur rbb und Andreas-Peter Weber, Programmdirektor DLF.

Mehr Wirtschaft im Fernsehen

Der überragende Erfolg der 2015 mit dem Ernst-Schneider-Preis ausgezeichneten Gründersendung „Höhle der Löwen“ löst weitere Formatentwicklungen, die Wirtschaftsthemen unterhaltsam aufgreifen, aus. Mehrere Sender haben Projekte angekündigt. Meist stehen Start-ups im Vordergrund:

1 – Deutschlands bestes Gründertalent

„Das ist deine Chance“ ist der Arbeitstitel einer neuen Wirtschaftsshow auf Sat.1, die nach „Deutschlands bestem Gründertalent“ sucht. Die Bewerber müssen in verschiedenen Prüfungen beweisen, dass sie ihre Geschäfts­idee von Woche zu Woche weiterentwickeln können. Dem Sieger stellt Carsten Maschmeyer das Startkapital für die gemeinsame Firma zur Verfügung. Produzent der Show ist die Kölner Sony Pictures. 

2 – Jung, weiblich, Boss!

RTL II arbeitet an einem Wirtschaftsformat für Frauen. Die Modedesignerin Jette Joop soll angehenden Geschäftsfrauen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen. „Jung, weiblich, Boss!“ wird das Format laut „Bild“ heißen.

3 – Ding des Jahres

ProSiebenSat.1 kündigte eine Show um Erfinder und Entwickler an, die der Entertainer Stefan Raab produzieren wird. Die Sendung ist als Duell konzipiert und soll „Das Ding des Jahres“ heißen. Die Sendungen werden im Januar 2018 zu sehen sein. 

4 – Ich mach mein Ding

Der WDR begleitet seit Anfang des Jahres fünf Gründer aus Nordrhein-Westfalen beim Aufbau ihres Geschäfts. Vom individuell und fair produzierten Schuh bis zu Bürostühlen mit Vibrationsalarm verfolgt die Autorin Katja Scherer zwei Jahre lang die Entwicklung der Start-ups. Die Beiträge von „Ich mach mein Ding“ können im Fernsehen, im Radio und online verfolgt werden.

5 – Verwandt und fleißig

Im Anschluss an „Die Höhle der Löwen“ sendet Vox Firmenportraits. Die Serie heißt „Meine Familien-Firma – Verwandt und fleißig“. Sie zeigt den Alltag von Betrieben. Geplant sind vier Folgen. Bei der ersten Episode blieben 1,3 Millionen Zuschauer dabei, der Marktanteil belief sich beim jungen Publikum auf 15 Prozent und machte Vox zum Marktführer.

6 – Produkte aus dem Käfig

Zur neuen Staffel der „Höhle der Löwen“ eröffnete Vox im Kölner DuMont Carré  einen Pop-up-Store, wo Produkte der Sendungen erhältlich sind.

NRW vor Bayern

Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse hat die Reichweiten für Radiosender in Deutschland ermittelt. Meistgehörter Einzelsender ist Bayern 1 mit rund 1,1 Millionen Hörern in einer Durchschnittsstunde unter der Woche. Dahinter rangieren der private Sender Antenne Bayern, WDR 2 und SWR 3 (je 1 Million Hörer.) vor 1Live (dem Jugendprogramm des WDR). An der Spitze steht der Lokalsenderverbund Radio NRW mit 1,7 Millionen Hörern.

Google zum dritten

In der dritten Förderrunde hat Google im Rahmen seiner Digital News Initiative (DNI) 3,7 Millionen Euro an deutsche Verlage ausgeschüttet – mehr als in allen anderen Ländern. Innerhalb von drei Jahren will Google 150 Millionen Euro an europäische Medien auszahlen, damit diese Innovationen vorantreiben können. In Deutschland werden fünf von 27 europäischen Großprojekten gefördert. So erhält die Deutsche Welle 437.500 Euro für das Projekt „news.bridge“. Die Funke Mediengruppe bekommt 500.000 Euro für Bewegtbild-Inhalte im Regionalen. Auch die Wirtschaftswoche, DuMont sowie von Gruner + Jahr erhalten Geld.

ntv verlängert Nachrichten

Der Fernsehsender ntv hat seit September seine Nachrichten um 16 und 17 Uhr ausgeweitet. Der Kölner Sender wirbt jetzt mit dem Slogan „Wir bleiben dran“. Kurz vor der Bundestagswahl frischte ntv auch sein Logo auf. Der Bindestrich vor „n“ entfällt.

Konstruktiver „Plan B“

Ab dem 7. Oktober wird im ZDF samstags um 17:35 Uhr „Plan B“ zu sehen sein. Das Magazin will in jeder Ausgabe ein Thema in den Mittelpunkt stellen und – das ist der neue Ansatz – Problemlösungen gleich mit anbieten, etwa zum Umgang mit steigenden Mieten. Nach britischem und skandinavischem Vorbild setzt die Redaktion auf konstruktiven und lösungsorientierten Journalismus.

Fernfahrerblues

Jede Nacht ist anders, schreibt der Deutschlandfunk, und verspricht drei Stunden voller Eindrücke und Information. Am 18./19. November ist die Sendung „Lange Nacht“ den Fernfahrern gewidmet, die, wie der Sender schreibt, das Rückgrat einer arbeitsteiligen Wirtschaft bilden. (23:05 – 2:00 Uhr)

Jugend guckt fern

Der Aufstieg von Streamin­g­anbietern wie Netflix oder Amazon Prime scheint an Grenzen zu stoßen: Vor allem ganz junge Konsumenten schauen wieder vermehrt TV. Diese Entwicklung geht aus einer Studie der Hochschule Fresenius hervor. Bislang galten die Jungen als für das Fernsehen verloren.  Der Anteil derjenigen, die ausschließlich traditionell fern schauen wächst leicht sowohl in der Altersgruppe 55+ als auch bei jüngeren Zuschauern im Alter von 18 bis 24 Jahren. Die Verantwortlichen der Studie begründen diesen Anstieg mit der steigenden Bequemlichkeit der Nutzer. So scheine es einfacher, sich berieseln zu lassen, als selbst zu entscheiden, welchen Film oder welche Serie man sich anschauen möchte.