Medienbrief 4/16

Shortlist 2016 online

2916 Preissymbol LupeElf Vorauswahlkommissionen haben im Frühjahr aus 1.200 Einreichungen zum Ernst-­Schneider-Preis die besten Wirtschaftsbei­trä­ge aus­ge­wählt. Hier finden Sie die Shortlist. Die Nominierungen zum Ernst-Schneider-Preis 2016 nehmen die Schlussjurys bis zum 21. September vor. Die Preise werden am 17. Oktober im Karlsruher ZKM, dem Zentrum für Kunst und Medien, verliehen.

Weniger Zeit für Wirtschaft

Interview158 Journalistinnen und Journalisten äußerten sich in einer Umfrage des Ernst-Schneider-Preises zur Lage des Wirtschafts­jour­na­lismus. Die personelle Besetzung ihrer Redaktion halten zwei von drei Befragten für nicht mehr ausreichend. Dadurch fehle Zeit für Recherche. Hier eine Auswahl der vielen Kommentare zur Qualität der Berichterstattung:

Es geht häufig nur darum, Krisen hochzuschreiben, aber weniger um Kontext und Einordnung.

Durch den Sparkurs in vielen Redaktionen fehlen Expertise, Fachwissen und Kontakte. Themen werden häufig erst dann gesetzt, wenn sie aktuell sind, Analysen und langfristige Einschätzungen finden immer weniger statt.

Ich sehe viele, teilweise unseriöse Verbrauchertests.

Im öffentlich-rechtlichen TV wird es zunehmend schwieriger, Zeit für die Recherche von Wirtschaftsthemen honoriert zu bekommen.

Seit der Finanzkrise macht sich eine kapitalismuskritische Sicht und eine Staatsgläubigkeit breit.

Es wird nicht über Deutschland hinausgedacht; Debatten, die andernorts geführt werden, werden hierzulande nicht wahrgenommen.

Im Vergleich zum angelsächsischen Raum neigen wir immer noch dazu komplexe Themen eher „akademisch“ anzugehen – mehr Mut zu Emotionen und ein stärkerer Alltagsbezug würde vielen vermeintlich „trockenen“ Themen gut tun.

Berichterstattung wird seit Jahren immer werbe- und pr-trächtiger

Kenntnisse werden weniger und Ideologie vernebelt den Rest.

Skandalisierung und Personalisierung, Be­die­nung (eigener und beim Leser vermuteter) vorgefasster Mei­nun­gen treten an die Stelle des kritischen Diskurses…. Starke Polarisierung, z.B.: Familienunternehmen sind gut, Konzerne schlecht. … Das Weltbild ist wichtiger als die Realität mit ihren interessanten, aber recherchebedürftigen Facetten.

Der neoliberale Mainstream aus den 90er-Jahren hält sich in den Wirtschaftsredaktionen hartnäckig und ignoriert die Wende in der Wissenschaft. Die meisten Wirtschaftsjournalisten hängen am Mund der Unternehmer und ihrer Verbände.

Das Internet hat die Qualität negativ beeinflusst, zu viele Schnellschüsse.

Abgesehen von einschlägigen Tageszeitungen wie dem Handelsblatt und auch der F.A.Z. gibt es wenig mediale Ecken, in denen täglich fundiert über Wirtschaftsthemen berichtet wird. Man erkennt die ausgeprägte Mediatisierung einzelner „Skandalthemen“ zu Lasten der Wirtschaftsberichterstattung.

Europameister Rumänien

In Europa schauen die Menschen unterschiedlich lange fern. Spitzenreiter sind die Rumänen mit täglich 340 Minuten, gefolgt von den Serben und Portugiesen (jeweils rund 300 Minuten). Deutschland rangiert mit 221 Minuten im Mittelfeld. Fast schon abstinent wirken dagegen die (deutschsprachigen) Schweizer mit 128 Minuten pro Tag.

Erkenntnisgewinn mit Gürne

Seit Mai hat der ARD-Wirtschaftsexperte Markus Gürne eine Sendung auf Phoenix. Der Leiter der ARD-Börsenredaktion moderiert das „Wirtschaftsforum“ aus der Frankfurter Börse sonntags um 13 Uhr. Bei kress.de sagte Gürne, die Zuschauerinnen und Zuschauern dürften auf Erkenntnisgewinn hoffen. Das „Wirtschaftsforum“ ist auch im Phoenix-Youtube-Kanal abrufbar.

Jeden Tag drei Stunden Radio

Drei von vier Personen schalten täglich das Radio ein und hören jeden Tag 173 Minuten, ermittelte eine Studien von ARD und ZDF. Mehr Zeit verbringen die Menschen nur vor dem Fernseher. Bei den Jüngeren ist die Hördauer auf 137 Minuten gesunken. Am Zeitbudget frisst das Internet, das im Durchschnitt täglich 107 Minuten genutzt wird.

Die Politiker und die Wahrheit

2016 Faktenzoom

Die Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft hat untersucht, ob die Aussagen von Politikern in Talkshows stimmen. Die angehenden Journalistinnen und Journalisten prüften die Aussagen von sieben Politikern in den Talkshows „Anne Will“, „Hart aber fair“, „Maybrit Illner“ und „Menschen bei Maischberger“. Der Erhebung zufolge war fast jede siebte Talkshow-Behauptung nicht zutreffend. Negativer Spitzenreiter war Frauke Petry (AfD) vor Markus Söder (CSU). Besser machte es der CDU-Politiker Armin Laschet.

Die Politik und die Unfälle

Nur fünf Prozent der Themen in der Tagesschau sind Wirtschaftsnachrichten. Bei RTL sind es drei Prozent. Am späteren Abend steigt der Wert: Bei den Tagesthemen auf acht, beim heute journal auf neun Prozent. Diese Zahlen ermittelte das Ifem Institut für 2015. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern dominieren in den Nachrichten politische Themen, bei den Privaten Alltagsthemen, Unfälle, Katastrophen sowie Kriminalität. Beide Sendergruppen berichteten ähnlich intensiv über die Flüchtlingskrise.

Snapchat vor Twitter

2016 SnapchatNach Angaben von Bloomberg verwenden täglich 150 Millionen Nutzer Snapchat. Vor sechs Monaten waren es noch rund 110 Millionen. Snapchat hat damit Twitter überholt. Snapchat ist bei Jugendlichen populär. Es funktioniert wie ein Tagebuch, das Nutzer temporär anderen zeigen. Die Nutzer teilen Fotos auf Snapchat, die oft mit Emoticons und bunten Zeichnungen versehen sind. Andere Nutzer können diese mit ihren Fotos kommentieren. Die verbreiteten Inhalte verschwinden nach einiger Zeit wieder. Der Nutzer kann auch „Events“ anwählen, die sogenannte „snaps“, und Fotos von verschiedenen Nutzern zu einem Thema zeigen.

Nachwuchs aus Köln

Die RTL-Journalistenschule wählt ihren neunten Jahrgang aus. Von 390 Bewerbern werden 28 Bewerber genommen, die die zweijährige Ausbildung durchlaufen. Die angehenden Fernseh- und Onlinejournalisten absolvieren Praktika bei in- und ausländischen Redaktionen, mittlerweile auch bei öffentlich-rechtlichen Sendern.

Gegen den Strom

OXI heißt eine Wirtschaftszeitung, die der frühere Chefredakteur der Frankfurter Rundschau Wolfgang Storz gegründet hat. „Oxi“, Nein auf Griechisch, bezieht sich auf die Haltung der Blattmacher gegen „Mainstream und Marktradikalismus“. Themen der ersten Ausgabe lauten „Arme denken nicht an morgen“ oder „Die wollen nicht wachsen. Spinnen die?“

Shortlist Ernst-Schneider-Preis 2016

Aus 1.200 Einreichungen zum Ernst-Schneider-Preis haben im Frühjahr elf Vorjurys, besetzt mit vielen Chefredakteuren, die besten Wirtschaftsbeiträge ausgewählt. Hier finden Sie die Shortlist. Sie ist in Fernsehen, Hörfunk, Print, Internet und Innovation / Unterhaltungssendung gegliedert. Im Laufe des Sommers nehmen die unten genannten Jurys die Nominierungen zum Ernst-Schneider-Preis 2016 vor. Wir werden die Entscheidungen am 22. September bekannt machen. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober im Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe statt. Susan Link wird die Verleihung moderieren.

 

Fernsehen

Kategorie: Große Wirtschaftssendung
1. „Wohlstand für alle“: Dr. Tilman Achtnich (Red. Harald Schabrani), ARD / SWR
2. „Das Märchen von der Elektromobilität“: Katharina Adami / Josef Streule (Red. Carl Hermann Diekmann), ARD / BR
3. „Team Wallraff – Reporter Undercover – Schulessen aus Großküchen“: Stefanie Albrecht (Red. Stefanie Albrecht), RTL
4. „Wie der tiefe Ölpreis die Welt verändert“: Urs Bachofner/ Claudia Ghnehm / Harry Stitzel (Red. Reto Gerber), SRF
5. „Ausländer bevorzugt – Chinas Reich der Träume“: David Borenstein (Red. Sabine Rollberg), ARTE / WDR
6. „Chinas Macht auf dem Meer“: Dr. Ingo Herbst (Red. Thomas Jansen), 3Sat (ZDF)
7. „Der Glanz der Schattenwirtschaft“: Jan Kerckhoff (Red. Armin Olbrich), BR
8. „Prima Klima – Ventilatoren und Motoren von ebm-papst aus Mulfingen“: Hanspeter Michel (Red. Dieter Pahlke), SWR
9. „Wem gehört der Osten?“: Ariane Riecker (Red. Silke Heinz), MDR

Kategorie: Kurzbeitrag
1. „Keine Zinsen“: Steffen Clement (Red. Sabine Elke), ARD / hr
2. „Sicherheitsrisiko Kopierer: Hochsensible Daten frei Haus“: Manuela Dursun (Red. Brigitte Schalk / Clemens Bratzler), ARD / SWR
3. „Loseisen“: Kai-Hendrik Haß (Red. Klaus Geiges), WDR
4. „Giftige Lederproduktion“: Anne Hinder (Red. Carl Hermann Diekmann), ARD / BR
5. „Verschwenderisch: Steuergeld für kaum genutzte Häfen“: Nils Naber (Red. Martin Munz), NDR
6. „Griechenland in der Krise – Zu Besuch bei Ioannis und seiner Familie“: Christine Roskopf (Red. Manuela Kalupke), ARD / WDR
7. „Müllsäcke-Nutzungsverbot in Pattensen“: Daniel Sprenger (Red. Alicia Anker), NDR
8. „Zeitreise: Bleistiftfabrik“: Benjamin Unger (Red. Andre Keil), NDR
9. „Arbeitsvermittler“: Knud Vetten (Red. Anja Riediger), MDR

 

Hörfunk

Kategorie: Große Wirtschaftssendung
1. „Den Untergang überlebt! NRW Industrien im Wandel“: Katrin Boers  (Red. Frank Christian Starke), WDR
2. „Abzocke im Schatten der Freizügigkeit„: Dominik Bretsch (Red. Dr. Wolfram Wessels), SWR
3. „Abgebrannt – Vom schwierigen Neustart einer Holzhausfirma“: Florian Hartmann (Red. Ernest Lang), BR
4. „Outlet everywhere – Der Handel kannibalisiert sich weiter“: Dieter Jandt (Red. Frank Christian Starke), WDR
5. „Die Waffen einer Stadt – Heckler & Koch in Oberndorf“: Kai Laufen / Alexander Drechsel (Red. Walter Filz, Holger Schmidt), SWR
7. „Transparenz für Anleger – Regulierung des grauen Kapitalmarkts“: Ursula Mayer (Red. Frank Christian Starke), WDR
7. „Robot Economy“: Florian Meyer-Hawranek (Red. Oliver Buschek), BR
8. „Internet der Dinge – Gefahren und Chancen der digitalisierten Welt“: Jan Rähm (Red. Ulrike Winkelmann), DLF
9. „Switch off Shanghai!“: Tom Schimmeck (Red. Christiane Glas), NDR
10. „Das Ende der Siemens-Familie“: Stefan Schmid (Red. Frank Müller), BR
11. „Panzerfahren für Papi – Das Geschäft mit den Erlebnisgeschenken“: Christoph Spittler (Red. Klaus Pilger), DLF
12. „Fahrradklau – Von Diebesbanden und Bügelschlössern“: Frank-Christian Starke / Heiner Wember (Red. Frank Christian Starke), WDR

Kategorie: Kurzbeitrag
1. „Durch den Tag (5-teilig)“: Inga Graber (Red. Inga Graber), Ems Vechte Welle
2. „Schicht im Schacht – NRW-Zechen machen dicht (5-teilig)“: Jörg Marksteiner / Peter Lautsch / Frank Stach / Sebastian Auer (Red. Kirsten Pape), WDR
3. „3-2-1 meins: Gründung von Ebay“: Martina Meißner (Red. Michael Rüger), WDR
4. „Geschenke, Gesundheit, Gewichtszunahme: Wirtschaftswissenschaftliche Weihnachten“: Aeneas Rooch (Red. Joachim Hecker), WDR
5. „Gründung des Deutschen Städtetags“: Marko Rösseler (Red. Hildegard Schulte), WDR

Print

Kategorie: Wirtschaft in überregionalen Printmedien
1. „Ein Hebel, der die Pleite bringt“: Michael Brächer, Handelsblatt
2. „Swiss Leaks“: Bastian Brinkmann / Robert Gast / Christoph Giesen / Frederik Obermaier / Bastian Obermayer, Süddeutsche Zeitung
3. „Sie nennen es Sterbehaus“: Marc Brost / Andres Veiel, Die Zeit
4. „Atomkraft? Nie wieder!“: Jürgen Flauge/, Klaus Stratmann, Handelsblatt
5. „Laden und Sein“: Jan Grossarth, FAZ
6. Der Preis des Überlebens„: Heike Haarhoff / Saskia Hödl, taz
7. „Trösten und Triezen“: Max Haerder, Wirtschaftswoche
8. „Made for China“: Malte Henk, Die Zeit
9. „Die Scharlatane“: Getrud Hussla / Massimo Bognanni / Michael Brächer / Sönke Iwersen, Volker Votsmeier / Andreas Dörnfelder, Handelsblatt
10. „Wer hat das Kommando?„: Dietmar Lamparter, Die Zeit
11. „Die Geldverschicker“: Caterina Lobenstein / Arne Storn, Die Zeit
12. „Wie im Krieg“: Martin Mehringer, Lebensmittel Zeitung
13. „Schlechtes Leder“: Florian Willershausen, Wirtschaftswoche

Kategorie: Wirtschaft in regionalen Printmedien
1. „Der Einkaufswahnsinn“: Jasmin Amend, Schwäbische Zeitung
2. „In fremder Haut“: Steffen Beikirch / Tino Zippel / Volkhard Paczulla / Jens Voigt, Ostthüringer Zeitung
3. „Zukunft der Arbeit – Arbeit der Zukunft“: verschiedene AutorenInnen der Mittelbayerischen Zeitung
4. „Windige Geschäfte“: Jens Heitmann, Hannoversche Allgemeine Zeitung
5. „So viel Region steckt in einem Airbus 380“: Thorsten Karbach, Aachener Zeitung
6. „Schleswig-Holstein Digital“: verschiedene AutorenInnen der Kieler Nachrichten
7. „Kölner Stadt-Anzeigerin“: verschiedenene AutorenInnen (Projektleitung Claudia Lehnen), Kölner Stadt-Anzeiger
8. „Region unter Strom“: Patrick Nowicki / Claudia Schweda, Aachener Zeitung / Aachener Nachrichten
9. „Starker Handel, Starke Städte“: Katharina Vössing, Braunschweiger Zeitung

Kategorie: Förderpreis
1. Philipp Alvares de Souza Soares, Manager Magazin
2. Gianna Niewel, Süddeutsche Zeitung
3. Florentin Schumacher, FAZ

 

Internet

Kategorie: Wirtschaft Online
1. „Falcianis Swiss Leaks – Der große Bankdatenraub“: Christian Beetz/ Tanja Schmoller / Georg Tschurtschenthaler / Bettina Walter, Gebrüder Beetz Filmproduktion / Polar Star Films / SWR / ARTE
2. „Parteispenden im Wahljahr 2013“: Stefan Beutelsbacher / Alexander Blotny / Kritsanarat Khnunkham / Moritz Klack / Andreas Maisch / Frederik Merz / Christopher Möller / Lars-Marten Nagel / Marcel Pauly / Igor Savchenko / Nando Sommerfeldt / Karin Sturm /Tobias Ullersperger / Anna Wagner / Holger Zschäpitz, Welt Online
3. „Quantified Self“: Patrick Beuth / Alina Schadwinkel /Thorsten Schröder / Thomas Pletzinger / Marin Majica / Max Rauner / Byung-Chul Han, Zeit Online
4. „TTIP – Der Deal“: Justus von Daniels / Marta Orosz, Correctiv
5. „Was ich noch nie über Wirtschaft wissen wollte“: Diverse, MESH Collective
6. „Die dunkle Seite des Zuckers“: Marianna Falck, FAZ
7. „Der chemisch-industrielle Komplex und die Sicherheit der Fabrik nebenan“: Rico Grimm, Krautreporter / WDR
8. „TTIP – Chance oder Gefahr?“: Bastienne Hamann / Carsten Immel / Carmen König / Ralf Steinbrecher, ZDF
9. „Wem gehört der Osten?“: Marianne Harr, MDR
10. „Lobbyradar“: Michael Hartlep / Jan Schneider / Dominik Wurnig, Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ)
11. „Menn oder Maschine“: Anna Hönscheid / Andreas Menn / Patrick Schuch / Thomas Stölzel, Wirtschaftswoche
12. „Norwegens Schatz“: Niklas Hoyer / Thomas Stölzel, Wirtschaftswoche
13. „Startup Bavaria“: Klaus Kranewitter / Tobias Klose / Lina Timm / Tobias Martin / Lea Kent / Anika Tietze, BR
14. „Die Erde geht online“: Andreas Menn / Thomas Stölzel / Anna Tabea Hönscheid, Wirtschaftswoche
15. „Machtkampf am Nordpol“: Andres Menn / Thomas Stölzel / André Pfannenschmidt, Wirtschaftswoche
16. „Zinsjagd: Vielen Dank Deutschland!“: Marcus Pfeil / Christian Salewski, Follow the Money / Die Welt / Correctiv
17. „Virtuelle Redaktion für Sparkassen-Recherche“: Jonathan Sachse / David Schraven / Simon Jockers / Simon Wörpel / Stefan Wehrmeyer, Correctiv
18. „Autozulieferer: Angriff auf die Jobmaschine“: Martin Seiweert / Anna Tabea Hönscheid / Thomas, Thomas / Andreas Menn, Wirtschaftswoche

Innovation / Unterhaltungssendung

1. „Liebe bringt’s“: Shanli Anwar / Herbert Kordes (Red. Caroline Hoffmann / Eva Lindenau), WDR, Fernsehen
2. „Deine Arbeit, Dein Leben!“: Luzia Schmid (Red. Lena Brochhagen), WDR, Fernsehen
3. „Deine Arbeit, Dein Leben – Probezeit!“: Ulrich Biermann (Red. Martina Müller-Wallraf, WDR, Hörfunk
4. „Let’s Play: Griechenland Manager“ und „Let’s Play: VW-Skandal“: Adrian Engels / Markus Riedinger (Red. Hartmut Krause), WDR, Hörfunk
5. „Plan W“: verschiedene AutorInnen, Redaktion Dr. Alexandra Borchardt und Susanne Klingner, Süddeutsche Zeitung, Print
6. „Die Geschichte des Südwestens (davon Episode ‚Industrialisierung‘)“: Bettina Fächer / Sandra Kaupmann / Wolfgang Walk, SWR / Hochschule Trier / Exozet Berlin, Internet

 

Jurys

Fernsehen
Dr. Peter Boudgoust, Intendant SWR
Dietmar Persch, Pressesprecher IHK Karlsruhe
Dr. Walter Richtberg, Vorstand Ernst-Schneider-Preis
Christine Strobl, Geschäftsführerin Degeto
Kai Sturm, Chefredakteur Vox

Hörfunk
Peter Esser, Vorstand DIHK und Ernst-Schneider-Preis
Andrea-Alexa Kuszák, Geschäftsführerin Radio Neue Welle
Jan Metzger, Intendant Radio Bremen
Dr. Willi Steul, Intendant DeutschlandRadio
Gerd Stracke, Vizepräsident IHK Karlsruhe

Print
Ulrich Becker, Chefredakteur Südwestpresse
Werner D‘Inka, Herausgeber F.A.Z.
Burkhard Freyberg, Vizepräsident IHK Karlsruhe
Wolfgang Krach, Chefredakteur Süddeutsche Zeitung
Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer IHK Stuttgart

Internet
Franziska Bluhm, Leiterin Digitale Vernetzung Verlagsgruppe Handelsblatt
Dr. Dagmar Gaßdorf, Vorstand Ernst-Schneider-Preis
Christin Martens, Chefredakteurin Business Insider Deutschland
Felix Neubüser, Geschäftsleiter ka-news
Martin Wacker, Geschäftsführer Karlsruhe Event GmbH

 

Stimmungsbild Wirtschaftsberichterstattung 2016

Online-Umfrage Ernst-Schneider-Preis der IHKs:
Journalisten unterschätzen Wirtschaftsthemen
(zu den grafisch aufbereiteten Ergebnissen der Umfrage)

Aus Sicht von Journalistinnen und Journalisten wird die Wirtschaftsberichterstattung in Deutschland schlechter. Dies liege daran, dass die Bedeutung von Wirtschaft für die Gesellschaft von Journalisten selbst tendenziell unterschätzt werde. Zudem mache sich der Spar­kurs in den Redaktionen negativ bemerkbar. Es fehle zunehmend an Expertise, Fachwissen und Kontakten. Themen würden häufig erst aufgegriffen, wenn sie aktuell werden, Analysen und langfristige Einschätzungen fänden immer weniger statt. Außerdem räume das Fernsehen Wirtschaftsthemen erheblich zu wenig Platz ein.

Dies sind Ergebnisse einer Online-Umfrage des Ernst-Schneider-Preis. An ihr haben 158 Journalisten teilgenommen. 48 gaben an für das Fernsehen zu arbeiten, 43 für Zeitungen, 39 für Onlinemedien, 28 für den Hörfunk, 23 für Zeitschriften. 22 Autorinnen und Autoren arbeiten frei, vier sind für Nachrichtenagenturen tätig. Mehrfachnennungen waren möglich. Die zahlreichen Anmerkungen der Befragten ermöglichen einen differenzierten Blick auf den Wirtschaftsjournalismus.

Die personelle Besetzung ihrer Redaktion halten 65 Prozent für nicht mehr ausreichend (Vorjahr 53 Prozent). Dadurch stehe nicht mehr genügend Zeit für Recherche zur Verfügung, meinten 61 Prozent (Vorjahr 45 Prozent). Entsprechend sinke die Qualität. Zwar gebe es große Autorenleistungen und herausragende Recherchen, aber in der Gesamtschau auch viel Oberflächlichkeit. 56 Prozent stuften die Wirtschaftsberichterstattung als mittelmäßig bis schlecht ein (Vorjahr 52 Prozent).

Selbstkritisch beklagen die Journalistinnen und Journalisten eine Verengung der Themen auf Verbraucherberichterstattung und eine Tendenz zur Skandalisierung. Der Einfluss von Unternehmens- und Produkt-PR wachse. Viele sehen einen Trend zu Mainstream-Themensetzung mit Mainstream-Meinungsausrichtung. Beispiele sind TTIP und der Streit um die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung in der EU. An die Stelle eines kritischen Diskurses träte die Bedienung eigener und beim Leser vermuteter vorgefasster Meinungen, Familienunternehmen seien zum Beispiel gut, Konzerne schlecht. Das Weltbild sei zu häufig wichtiger als die Realität mit ihren interessanten, aber recherchebedürftigen Facetten.

Eine von 69 auf 75 Prozent der Befragten gestiegene Anzahl von Journalistinnen und Journalisten bedauert, zu wenig zu tun (oder tun zu können), um anspruchsvolle Wirtschaftsthemen zu vermitteln. Im Vergleich zum angelsächsischen Raum neige man immer noch dazu, komplexe Themen „akademisch“ anzugehen – mehr Mut zu Emotionen und ein stärkerer Alltagsbezug würde vermeintlich „trockenen“ Themen gut tun.

Deutliche Kritik üben Journalisten an der Themenstruktur in Fernsehen und Radio. 81 Prozent (Vorjahr 75 Prozent) sind der Ansicht, dass wirtschaftliche Themen im Fernsehen nicht genügend Sendezeit haben, 71 Prozent sehen einen vergleichbaren Mangel im Hörfunk. Anders sieht es im Internet und bei Print aus. Mit Blick auf das Internet sagen 62 Prozent, dass das Angebot dort ausreichend sei, bei Zeitungen und Zeitschriften sind es 84 Prozent.

Die Befragten wagten einen Blick auf Themen, an denen das Interesse steigen wird. Sie zählen dazu Altersvorsorge, Einkommensverteilung, Digitalisierung, Energie und Zuwanderung. Als Trendthemen des Jahres 2016 sehen die Befragten Flüchtlings­krise / Integration in den Arbeitsmarkt, Europa / „Brexit“, und die Handelsabkommen.

Die Befragten gaben eine Einschätzung ab, wohin sich der mediale Wett­bewerb entwickeln wird. Bei der Berichterstattung über aktuelle Themen setzen die meisten auf das Internet. Eine gegenüber früheren Umfragen noch einmal gestiegene Anzahl von Journalisten ist der Meinung, dass Hintergrundgeschichten ebenso wie wirtschaftspolitische Beiträge sich auf Printmedien kon­zentrieren werden. Die Lokalberichterstattung erwarten die Befragten auf absehbare Zukunft am ehesten in Zeitungen; Internetangebote holen jedoch auf. Bei Service- und Verbraucherthemen liegt das Fernsehen in der Erwartung vorne.

 

Was ins Weltbild hineinpasst

Die Digitalisierung verändert unseren Blick auf die Wirtschaft

Eigentlich sind die Sozialen Medien noch Kinder. Facebook ist zwölf Jahre alt, Twitter zehn. Noch jünger sind WhatsApp mit sieben Jahren und Snapchat, das gerade fünf geworden ist. In dem Alter schreibt man kurze Sätze ohne große Botschaften, und so tippte Jack Dorsey, der Erfinder von Twitter, am 21. März 2006 „Just setting up my twittr“. Dies war der erste Tweet. Was Jan Koum und Brian Acton, die Gründer von WhatsApp, der Welt mitteilten, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass die Sozialen Medien in ihren jungen Jahren sehr viel beeinflusst haben: Unsere Kommunikation, unsere Information, unsere Art zu schreiben, unser öffentliches Bild. Die Sozialen Medien sind sogar dabei, unseren Blick auf die Wirtschaft zu verändern.

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Medienbrief 3/16

2016 LinkSusan Link wird in diesem Jahr die Verleihung des Ernst-Schneider-Preises moderieren. Die Feier findet am Abend des 17. Oktober im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie statt. Susan Link gehört seit fünf Jahren zum Team des ARD-Morgenmagazins und moderiert im Wechsel mit Anna Planken die Sendung. (Foto: Thomas Leidig)

Bessere Kommunikation mit irx
Einen neuen, speziellen Wirtschaftsinformationsdienst haben Bilanz-Herausgeber Arno Balzer und Karsten Stumm, früherer Chefredakteur von manager magazin Online, gegründet. Das Onlineportal heißt irx.eu. Sitz der Redaktion ist Frankfurt. Das Angebot ist werbefrei. Es finanziert sich über eine parallel und unabhängig angebotene Dienstleistung, die Daten aus sozialen Netzwerken auswertet und unternehmensspezifisch zum Dialog anbietet. Das soll die Kommunikation in den Sozialen Medien verbessern.

Inszenierung von Wirklichkeit
„Mein Opa schaut jeden Tag die Tagesschau, der glaubt da irgendwie dran.“ Dieses Zitat eines 16-Jährigen zeigt, dass mediale Inhalte, zum Beispiel Nachrichten, von manchen Menschen als Inszenierung von Wirklichkeit wahrgenommen werden. Nach Ansicht der Wirtschaftspsychologen des Rheingold Instituts kommt diese Sichtweise von der intensiven Nutzung sozialer Medien. Hier lernten die Nutzer Vermarkter ihrer selbst zu sein. Das verschiebe die Sichtweise auf etablierte Medien. Das Rheingold Institut, das diese Zusammenhänge erforscht, sieht in dem gewachsenen Misstrauen gegenüber klassischen Medien eine Spur, die zum Vorwurf der „Lügenpresse“ führt. Medienmacher müssten die Menschen stärker in ihrer Souveränität bestätigen und sie zugleich so dezent durch das Informationsangebot führen, dass sie sich ihrer Sehnsucht nach Schutz und Führung nicht bewusst werden.

Koalition der grünen Becher

2016 Gürne„Wir müssen mal reden“, heißt ein Videoblog von Markus Gürne. Der ARD-Börsenstudioleiter erklärt in einem Café gegenüber der Börse auf amüsante und  anschauliche Art Wirtschaftsthemen. Kaffeebecher dienen ihm dabei schon mal als Ölstaaten. In dem Blog erfahren Zuschauer, warum zum Beispiel der Ölpreis in letzter Zeit gesunken ist und welche Folgen diese Entwicklung hat.
http://multimedia.boerse.ard.de/wir-muessen-mal-reden#1789

Wo bleibt das Positive?

Die Wirtschaft kriselt, das Klima gerät aus den Fugen und der Krieg klopft an Europas Tür. 2016 Perspective DailyDies ist die Nachrichtenlage, die den Menschen oft präsentiert wird. Die Gründer der Website „perspective-daily.de“ haben sich vorgenommen, den Blick zu weiten und ein möglichst ausgewogenes und realistisches Weltbild zu vermitteln. Das Konzept hat unter Investoren viel Anklang gefunden. Am Ostermontag ging die Crowdfunding-Kampagne zu Ende. Mit über 12.000 zahlenden Mitgliedern wollen die Journalisten künftig komplexe Wirtschafts-, Politik und
Wissensthemen angehen. Die Jahresmitgliedschaft bei „perspective-daily“ kostet 60 Euro.
https://perspective-daily.de/unser-konzept

Bento findet Leser
In die Online-Informationsdienste kommt Bewegung.
Der auf eine junge Zielgruppe ausgerichtete Spiegel-Online-Ableger bento verzeichnet im März 7,6 Millionen Visits. Springers deutscher Business Insider hatte 3,1 Millionen Visits. Im Ranking, das meedia zusammenstellt, bedeutet dies Platz 23 beziehungsweise Platz 57.  Die beliebtesten Angebote bleiben mit weitem Abstand Bild.de, Spiegel Online und Focus Online.
http://meedia.de/2016/04/08/ivw-news-ranking-bento-startet-mit-76-mio-visits-deutscher-business-insider-mit-31-mio/

Youtuber machen Wirtschaft

„Was ich noch nie über Wirtschaft wissen wollte“ ist der Titel einer Serie, die von MESH Collective/UFA mit Unterstützung der Joachim Herz Stiftung 2016 Mesh2umgesetzt wird. Entstanden sind  26 Videos, in denen sich auf amüsante und verständliche Weise der Themenbereich Wirtschaft erschließt. Bekannte Youtuber, Social Media Stars und Rapper machen die kurzen Videos für junge Nutzer attraktiv. So spricht zum Beispiel Dr. Allwissend über Preise im Handel. „Die Klugscheisserin“ dekliniert in witziger Form Rechtsformen der Firmengründung durch. http://wasichnochnie.tumblr.com/

Europäische Digitalradio Allianz gegründet
Die ARD, DeutschlandRadio und mehr als 300 öffentlich-rechtliche und private Sender haben im März die Europäische Digitalradio Allianz gegründet. Zur ersten Präsidentin der Allianz wurde BBC-Radiochefin Helen Boaden gewählt. Die Initiative will den digitalen Radiostandard DAB+ zum Hauptverbreitungsweg für ihre Programme zu machen und die Geräteindustrie überzeugen, künftig nur noch Hybridgeräte für DAB+ und UKW-Empfang anzubieten.

Metropol Frankfurt
Die FAZ  arbeitet an einem Wirtschaftsmagazin für die Region Frankfurt mit dem Namen Metropol. Es soll am 29. Juni erscheinen. Der Preis beträgt 4,50 Euro, die Auflage 20.000 Exemplare.

Arbeit in der Nacht
2016 Lange NachtDie „Lange Nacht“ im Deutschlandradio ist ein Unikat in der Radiolandschaft, das am Wochenende jeweils ein Thema vertieft. Am 25./26 Juni geht es um Arbeit „Drum prüfe, wer sich ewig schindet“ (DeutschlandRadio Kultur Freitag auf Samstag 0 bis 3 Uhr und Deutschlandfunk Samstag auf Sonntag 23 bis 2 Uhr)

H 10 für Blitzleser
Zum 70. Geburtstag des Handelsblatts geht das Handelsblatt mit H 10 aufs Handy. Die mobile Abendzeitung bietet in einem Kurzangebot täglich zehn aufbereitete Themen.

Fremdkörper Wirtschaft
Der Autor und Moderator Jörg Thadeusz in einem SZ-Interview (19.3.2016): „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk nähert sich der Wirtschaft teilweise nur nach der Art ‚dem Dämon auf der Spur‘.“

„Der Mensch lässt sich nur sehr ungern an die wirtschaftlichen Voraussetzungen erinnern, an die seine nackte Existenz gebunden ist.“
(Ernst Schneider 1900 – 1977)