Medienbrief 2/18

Fernsehen: Qualität statt Quote

Im März 2018 hat die Medienpolitische Kommission Hessen Unternehmer zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk befragt. Zwei Ergebnisse stechen heraus: 1. ARD und ZDF gelten bei Vertretern der Wirtschaft als unentbehrlich. 2. Beim Programm sollte es mehr auf Qualität als auf Einschaltquoten ankommen. Befragt wurden 584 Mitglieder der Vollversammlungen der hessischen IHKs. 376 Antworten gingen ein: Fast zwei Drittel der Unternehmer halten den Fortbestand des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ARD, ZDF, Deutschlandradio, ARTE) für „sehr wichtig“. Am meisten geschätzt werden Weltnachrichten, Wirtschaft, Politik,  regionale Informationen und Hintergrundberichte. Eine hohe Wertschätzung hat auch die Berichterstattung über Kultur. Die Befragten gaben an, dass weitere Einsparungen der Sender nicht zu Lasten des Programmaufkommens und seiner Qualität gehen sollten. Mit einem Gebührenanteil von über neun Prozent werden Unternehmen zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks herangezogen. Sie zahlen den Rundfunkbeitrag entsprechend der Anzahl ihrer Betriebsstätten, sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und beitragspflichtigen Kraftfahrzeuge. Auch einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Forsa-Umfrage zufolge will eine große Mehrheit der Bundesbürger das duale Rundfunksystem aus öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern erhalten. In dieser repräsentativen Studie sagte fast die Hälfte der Befragten, dass ARD und ZDF ihren Programmauftrag mittelmäßig bis schlecht erfüllen.

Neue Wirtschaftsformate im Wettbewerb

360 Grad Kamera

Die Juroren des Ernst-Schneider-Preis bewerten in diesem Jahr neue Formate der Wirtschaftsberichterstattung. So produziert Deutschlandfunk Nova, der jüngste Ableger des Senders neben Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur, ungewöhnlich anmutende, persönliche Features, die die Zielgruppe der jungen Hörer mit Themen wie Verschuldung emotional ansprechen. Hier geht es zum Beispiel um den gedankenlosen Umgang einer Autorin mit Geld, der zu Verschuldung und Leben auf Kredit führte. Im Internet finden sich – auch zu Wirtschaftsthemen – auffallend viele 360 Grad- Videos. Auch Facebook scheint dieses Format in seinem Algorithmus zurzeit zu begünstigen, sodass diese Bilder häufiger die Nutzer erreichen. Interessant sind auch Ideen der Printbranche. Die Wirtschaftswoche lädt Querdenker zu einem „Ökonomische Abendmahl“, „Impulse“ moderiert  im Netz „Unternehmerduelle“ genannte Gespräche. Hier treffen Vertreter von Branchen aufeinander, die einem starken Wandel unterliegen, zum Beispiel eine Apothekerin und ein Mitarbeiter von DocMorris.

Einfach Nachrichten

Watson heißt ein neues Nachrichtenportal der Kölner Ströer-Gruppe. Der Vermarkter von Außen- und Onlinewerbung, der kürzlich die Seite T-Online gekauft hat, will mit dem Angebot die Jugend erreichen und Bento, Zett, BuzzFeed sowie Neon.de Konkurrenz machen. Die 25-köpfige Redaktion wird von einem Frauenteam um Gesa Mayr geleitet. Inhaltlich setzt die Redaktion auf einen Themenmix. Watson will ein Kolumnisten- und Influencer-Netzwerk aufbauen und mit den Stars aus dem Internet kooperieren. Die Seite wirbt mit dem Slogan „News ohne Blabla“.

Quittung für den Chef

RTL hat eine neue Wirtschaftsshow produziert. Dem Chef eines Unternehmens sagt die Redaktion ein Fernsehportrait zu, doch als er ins Fernsehstudio kommt, erwarten ihn die eigenen Mitarbeiter. In der nun entstehenden Spielshow „Der Chef bekommt die Quittung“ soll der Chef beweisen, dass er seine Firma kennt. Verliert er Spielrunden, gibt es Preise für die Arbeitnehmer – und der Chef muss sie bezahlen. In der ersten Folge wechselte der Besitzer eines Autohauses Reifen, befestigte Gegenstände auf einem Dachgepäckträger und lackierte Karosserieschäden. Im Finalspiel musste er erraten, wie seine Arbeitnehmer über ihn denken. Der Comedian Ralf Schmitz moderiert als „Betriebsratsvorsitzende von RTL“ die Zweistundenshow.

Guter Einstand für funk

Funk, das öffentlich-rechtliche Jugendangebot im Netz, erreicht seine Zielgruppe. Im Startmonat Oktober 2016 zählte der zu zwei Dritteln von der ARD und zu einem Drittel vom ZDF finanzierte Sender 12 Millionen Videoabrufe über Youtube. Ein Jahr später, im Oktober 2017 registrierten die Mainzer hier 44 Millionen Abrufe. Die Videoabrufe bei Facebook stiegen im gleichen Zeitraum von 6 auf 10 Millionen. Der Bekanntheitsgrad von Funk in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen liegt bei 20 Prozent. Die jungen Zuschauer legen nach den ersten Erfahrungen Wert darauf, dass ihnen auf Augenhöhe, nicht belehrend von oben herab, aber auch nicht anbiedernd begegnet wird. Die Beiträge beschäftigen sich mit den Lebenswelten der Jugendlichen. Internet, Smartphone, Social Media und persönliche Herausforderungen spielen eine Rolle. Im Programm finden sich zunehmend informative Elemente wie „musstewissen“ und investigative Sendungen wie „STRG_F“. Das neue Format „STRG_F“ unterstützt die „Panorama“-Redaktion des NDR. Thema der Premierenausgabe waren Investmentvermittler, die via Facebook und WhatsApp Jugendliche ansprechen. 

Konzentrierte Zeitungslektüre

80 Prozent der Leser sagen, dass sie während der Lektüre ganz auf die Zeitung konzentriert sind. Bei der Nutzung anderer Medien lassen sie sich leichter ablenken, so das Ergebnis der Studie „Zeitungsqualitäten 2018“ der Zeitungsmarktforschung im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger. Zeitungen erreichen nach wie vor acht von zehn Deutsche. Diese lesen täglich 39 Minuten. 81 Prozent lesen mindestens die Hälfte aller Seiten. Drei Viertel geben ihre Zeitung weiter.

Gerecht im Ersten

Die ARD veranstaltet vom 11. bis zum 17. November unter der Federführung des NDR wieder eine Themenwoche. Fernsehen, Radio und Internet werden Beiträge zur Frage „Ist das gerecht?“ produzieren.  Es geht um Chancengleichheit bei Arbeit, Einkommen, Bildung sowie Gerechtigkeit vor dem Gesetz, unter den Generationen und der Welt. Erstmals soll es ein gemeinsames Ausbildungsprojekt geben: Nachwuchs-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter der ARD werden in Kooperation mit funk an einem Social-Media-Format arbeiten, an dem auch Azubis des ZDF beteiligt sind.

Brand eins vor Brigitte

Über den deutschen Bahnhofsbuchhandel wird fast jedes zehnte Presseerzeugnis verkauft. Den größten Umsatz machen die Händler mit Spiegel, Bild, Süddeutscher Zeitung, vor Zeit, Stern, FAZ/ FAS und Bunte. Diese Zahlen ermittelte das Fachmagazin „der neue vertrieb“. Hinter Asterix und Gala liegt das Wirtschaftsmagazin brand eins auf Platz 15, noch vor der Zeitschrift „Brigitte“. 

Wenig Zeit für Wirtschaft

In einem Gastbeitrag für meedia.de äußerte der Kommunikationsexperte Hasso Mansfeld Kritik an der Wirtschaftsberichterstattung von ARD und ZDF. Er bezog sich auf eine Studie des IFEM Instituts. Die Forscher hatten errechnet, dass die ARD die Sendezeit für Wirtschaftsthemen auf täglich 13 Minuten gekürzt hat. Beim ZDF stieg die Zeit auf acht Minuten pro Tag. Der Autor kritisierte Themen und Haltung der Redaktionen. Bei „Plusminus“ würden Themen wie Versicherungsfallen, Preissteigerungen im Paketzustellungsdienst, Steuertricks bei Immobiliengeschäften und Risiken moderner Autotüren besprochen. Die Zuschauer bekämen den Eindruck, dass Wirtschaft „pfui geworden sei“. Sie verständen nicht, dass Wirtschaft und Gesellschaft miteinander verbunden seien. Einen unvoreingenommenen Blick auf die Wirtschaft sieht Mansfeld in der „ARD-Börse“ kurz vor der „Tagesschau“.

Bayern und Nordrhein-Westfalen vorn

Zwei Mal im Jahr lassen die Sender die Radionutzung in Deutschland erheben. Die ma Radio, jetzt ma Audio, macht daraus ein Ranking der meistgehörten Sender. Die Übersicht zeigt die populärsten Sender. Gezählt werden Hörer pro Stunde:

Mehr Fernsehen aus NRW

Nordrhein-Westfalen bleibt weiterhin das attraktivste Bundesland für Fernsehproduktionen. Das zeigt eine neue Studie des Dortmunder Medienforschungsinstituts Formatt. Mit 30 Prozent Marktanteil wurde 2016 in Nordrhein-Westfalen mehr produziert als in den anderen wichtigen Produktionsländern Bayern, Berlin und Hamburg zusammen. Schwerpunkt der Produktion sind zu zwei Dritteln Entertainment und Doku-Soaps. In diesem  Genre kamen zwei Drittel der Produktionsminuten aus Nordrhein-Westfalen.

In eigener Sache

Dies ist mein letzter Medienbrief. Ich habe während meiner Arbeit für den Ernst-Schneider-Preis 18 Jahre lang großartige Wirtschaftsbeiträge gelesen, gesehen und gehört und wunderbare Autorinnen und Autoren kennengelernt. Sie alle haben sich für eine Wirtschaftsberichterstattung eingesetzt, die Zusammenhänge herstellt, die einordnet und aufklärt. Marta Dubasiewicz und ich konnten für diese Journalistinnen und Journalisten ein Stück Öffentlichkeit herstellen. Im Juni scheide ich altersbedingt aus und übergebe die Geschäfte des Ernst-Schneider-Preis e.V. an Hartmut Spiesecke. Dem promovierten Literatur- und Musikwissenschaftler wünsche ich Glück und Erfolg.

Christian Knull

Hartmut Spiesecke neuer Geschäftsführer des Ernst-Schneider-Preis

Dr. Hartmut Spiesecke ist neuer Geschäftsführer des Ernst-Schneider-Preis e.V. Er löst Christian Knull ab, der mit Vollendung des 63. Lebensjahres zur Jahresmitte ausscheidet.

Die den Ernst-Schneider-Preis tragenden Industrie- und Handelskammern wählten in einer Mitgliederversammlung am 25. April in Leipzig Hartmut Spiesecke einstimmig zum Geschäftsführer. Der 53-jährige Medienprofi war Sprecher eines Bremer Senators und leitete in den letzten Jahren die Kommunikation des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie und des Verbandes diakonischer Dienstgeber in Deutschland. Spiesecke ist verheiratet, Vater zweier volljähriger Kinder und als Hochschuldozent an der IST Hochschule für Management sowie ehrenamtlich kirchlich engagiert.

Er folgt auf Christian Knull, der die Geschicke des Journalistenpreises der deutschen Wirtschaft 18 Jahre leitete. Knull engagierte sich für die Wirtschaftsberichterstattung in den Medien. Er warb für Sendeplätze und Formate, die den Bürgern wirtschaftliches Geschehen verständlich machen. Er erweiterte den Fernseh- und Hörfunkpreis um die Sparten Print und Internet, gab Studien zur Verständlichkeit und zum Bild der Journalisten von Wirtschaft in Auftrag, verfasste Stellungsnahmen zur Entwicklung der Wirtschaftsberichterstattung, vertrat medienpolitische Anliegen, entwickelte Programmideen und veranstaltete Weiterbildungen für Nachwuchsjournalisten und Unternehmer.

Peter Esser, Vorsitzender des Ernst-Schneider-Preis e.V. und Herausgeber der Mittelbayerischen Zeitung: „Dr. Hartmut Spiesecke hat umfangreiche Erfahrungen in der Medienarbeit und der Veranstaltungsorganisation erworben. Wir freuen uns, ihn für die Weiterentwicklung des Ernst-Schneider-Preises gewonnen zu haben. Christian Knull danken wir für seine Ideen und Initiativen, die dem Ernst-Schneider-Preis sein heutiges Renommee verliehen haben.“

 

 

 

 

 

 

Medienbrief 1/18

Preisverleihung in Nürnberg
1.300 zum Teil hervorragende Beiträge konkurrieren 2018 um den Ernst-Schneider-Preis. Die Themen spiegeln das wider, was die Menschen bewegt: Automatisierung der Arbeit, Entlohnung von Pflegekräften, Bau und Scheitern von Großprojekten, Aufstieg von Kryptowährungen, Transparenz der Lieferketten, Grenzen der Globalisierung, Absprachen der Autoindustrie, Alltag von Migranten im Betrieb, Chinas Geoökonomie, Marktmacht von Amazon, bessere Konzepte der Entwicklungshilfe und nicht zuletzt der Einfluss der Instagramstars auf das Kaufverhalten. Über die Gewinner entscheiden promi-nent besetzte Jurys. Zugesagt haben die Intendanten des HR und des Deutschlandfunks, Manfred Krupp und Stefan Raue, RTL-Chefredakteur Michael Wulf, der CEO von Upday Jan-Eric Peters, die Chefredakteurin von Bild am Sonntag, Marion Horn, und der Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Beat Balzli. Die Preisverleihung findet am 15. Oktober im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg statt. Barbara Hahlweg, ZDF, wird moderieren.

Influencer müssen Regeln einhalten
Die Düsseldorfer Medienanstalt LfM geht gegen In-fluencer im boomenden Social-Media-Markt vor, die Inhalte und Werbung vermischen. LfM-Direktor Tobias Schmid: „Wer von Firmen Gegenleistungen wie Geld oder Produkte erhält, muss so eindeutig darauf hinweisen, dass der normale Nutzer diese Hinweise sofort erkennen kann.“ Die LfM drängt auch darauf, dass Streamingdienste wie Let‘s Play als Rundfunk angesehen und lizensiert werden – vorausgesetzt, sie werden live verbreitet, von mehr als 500 Usern gleichzeitig gesehen, sind redaktionell gestaltet und werden „entlang eines Sendeplans“ regelmäßig und wiederholt verbreitet.

Weniger Vertrauen in Wirtschaft

Die Deutschen verlieren Vertrauen zu Unternehmern. Eine Forsa-Umfrage hat das ergeben, und sie liefert auch gleich die Gründe: Dieselaffäre, die Insolvenz von Air Berlin und der angekündigte Stellenabbau bei Siemens beschädigten das Bild. Hingegen ist das Ansehen von Polizei und Gewerkschaften größer geworden. Vertrauensschwund erlitten auch die Medien.

Das Ranking:
1. Polizei (83 % – plus 6 Prozentpunkte gegenüber 2016)
2. Universitäten (80 % – unverändert)
3. Ärzte (78 % – unverändert)
4. Eigener Arbeitgeber (75 % – unverändert)
12. Gewerkschaften (49 % – plus 7 Prozentpunkte)
15. Presse (40 % – minus 4 Prozentpunkte)
19. Unternehmer (27 % – minus 18 Prozentpunkte)

Vielfältiger, offener und farbiger
Susanne Amann, Spiegel und Astrid Maier, Wirtschaftswoche haben die Plattform „Diverse Media“ gegründet, um Wirtschaftsberichterstattung und Arbeitswelt zu verändern. Sie beklagen, dass sie häufig die einzigen Frauen im Kreis von weißen männlichen Journalisten sind. Der Blick auf die Welt müsse vielfältiger, offener und farbiger werden, denn „zeitgemäßer Journalismus entscheidet mit über das Wohl und die Zukunft unserer Gesellschaft“. https://dverse.media/

Nachrichten meist auf Spiegelonline

2017 ermittelte eine repräsentative Marktanalyse wie und wo sich Nutzer online über Nachrichten informieren. Am häufigsten bei Spiegelonline mit einer Reichweite von 23 Prozent, vor Bild (17 Prozent). Auch genutzt werden Tagesschau, Focus (je 10 Prozent), t-online, ntv, ZDF (je 8 Prozent) und natürlich Facebook (7 Prozent) (Media Perspektiven 10/2017).

Lockende Vorurteile
Claus Kleber argumentiert in seinem Buch „Rettet die Wahrheit“ für unabhängige Medien. Der Moderator des „heute journal“ im ZDF beschäftigt sich mit dem Vorwurf des Grundkonsenses der Medien, dem kritisierten „Main¬stream“. Selbstkritisch beschreibt er auch Wer-tungsmuster, die Einfluss auf Auswahl und Einordnung der Fakten haben können, zum Beispiel Vorstellungen, dass Verbraucherorganisationen eher Vertrauen verdienen als Industrie, Lobbyarbeit weniger der Gesetzesvorbereitung als den Interessen der Wirtschaft dient oder die Wahrheit stets irgendwo in der Mitte liegt. Kleber wirbt bei aller Selbstkritik für professionelles Hinterfragen, Durchbrechen von Klischees und Vorurteilen und eine aufklärerische Haltung.

Treue Radiohörer
Täglich hören 53 Millionen Menschen in Deutschland Radio – im Schnitt drei Stunden lang. Die öffentlich-rechtlichen Programme erreichen 36 Millionen Menschen, die privaten 28 Millionen. Zwei Drittel hören täglich nur ein Programm. Die größten Tagesreichweiten haben WDR, vor SWR und NDR (ma 2017 Radio II).

 

Preissprung bei „Impulse“
Neue Gesichter und neue Preispolitik beim Wirtschafts-magazin „Impulse“. Chefredakteurin ist jetzt Antonia Götsch. Der bisherige Chefredakteur Nikolaus Förster wird Herausgeber. Förster, der „Impulse“ 2012 von Gruner + Jahr durch ein Management Buy-out erwarb, hat das Magazin zu Jahresbeginn auf 19,90 Euro pro Ausgabe verteuert. Das Blatt soll als Premiumprodukt seinen mittelständischen Leserinnen und Lesern geldwerten Nutzen bringen. Die Abonnentenzahl beträgt rund 35.000 Leser.

Abnehmende Finanzkompetenz
Die Deutschen überschätzen ihre Finanzkompetenz. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Bankenverbands hervor. Die meisten Bürger interessieren sich zwar für Wirtschaftsthemen und glauben, dass sie sich in Finanzangelegenheiten gut auskennen. Jedoch entspricht diese Selbsteinschätzung nicht der Realität. So wusste ein Viertel der Befragten nicht, was „Inflation“ bedeutet. Die Kompetenz der Deutschen in Finanzfragen nimmt seit 2014 ab. 2017 verfügten mehr als 60 Prozent über schlechte oder eher schlechte Finanzkenntnisse. 2014 lag der Wert noch bei 56 Prozent. Unter Dreißigjährige zeichneten sich durch eine besonders geringere Finanzkompetenz aus.

Täglich drei Minuten Wirtschaft
Aus einem Programmvergleich der Jahre 2014 bis 2016 der großen Fernsehsender ermittelte das IFEM Institut charakteristische Unterschiede zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Programmanbietern, speziell beim Informationsangebot. Dies sei bei ARD und ZDF im Vergleich zu den Privaten wesentlich vielfältiger. Aller-dings seien in der ARD die Wirtschaftsanteile von 15 Minuten pro Tag im Jahr 2014 auf 13 Minuten in 2016 gesunken. Beim ZDF stiegen sie von 7 auf 8 Minuten, bei RTL gingen sie auf 5 Minuten zurück. Sat.1 beschäftigte sich täglich drei Minuten mit Wirtschaft (Media Perspektiven 5/2017).

 

 

Das Ding des Jahres
Die von Stefan Raab produzierte Erfindershow „Das Ding des Jahres“ ist seit dem 9. Februar um 20:15 Uhr bei ProSieben zu sehen. Joko Winterscheidt, Lena Gercke und Rewe-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog bilden die Jury. Über die Geschäftsideen und Erfindungen, zum Beispiel eine 10-Sekunden-Zahnbürste, Toilettenpapier in Taschenform und eine automatische Cocktailmixmaschine entscheidet das Publikum. Der Sieger erhält einen Werbevertrag auf den Sendern der ProSiebenSat.1-Gruppe in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

 

 

Amazon, Bitcoin, Diesel – Beteiligung Ernst-Schneider-Preis 2018

1.300 journalistische Beiträge konkurrieren 2018 um den Ernst-Schneider-Preis der IHKs, die Einreichungen zum Onlinepreis haben sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Automatisierung der Arbeit, Entlohnung von Pflegekräften, Bau und Scheitern von Großprojekten, Aufstieg von Kryptowährungen wie Bitcoin, Trans­­parenz der Lieferketten, Grenzen der Globalisierung, Absprachen der Autoindustrie, Alltag von Migranten im Betrieb, Chinas Geoökonomie, Marktmacht von Amazon, bessere Konzepte der Entwicklungshilfe und nicht zuletzt der Einfluss der Instagramstars auf das Kaufverhalten sind Themen, die 2018 zum Ernst-Schneider-Preis der Industrie- und Handelskammern (IHKs) eingereicht wurden. 1.300 Artikel, Fern­­seh-, Radio- und Onlinebeiträge gingen ein, mehr als in den Vorjahren.

Die Beiträge kamen von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern sowie Onlineportalen. ZEIT, F.A.Z., taz, Spie­gel, Stern, Süddeutsche Zeitung, Wirtschaftsmagazine, Boulevardmedien und Regionalzeitungen von der Aachener Zeitung bis zur Freien Presse in Chemnitz  beteiligten sich am größten deutschen Wettbewerb für Wirtschaftspublizistik. Auch deutschsprachige Medien aus Luxemburg, Österreich und der Schweiz reichten Beiträge ein. Fernseh­redaktionen wählten 176 Sendungen aus, der Hörfunk 88. 790 Artikel stammen von Zeitungen und Zeitschriften. Um den Onlinepreis bewerben sich 260 Websites, doppelt so viele wie im Vorjahr.

In der 47. Auflage des Ernst-Schneider-Preises tagen Vorjurys zwischen Weimar und Lüneburg. Über die Preise entscheiden unter anderem die Intendanten des HR und des Deutschlandfunks, Manfred Krupp und Stefan Raue, RTL-Chefredakteur Michael Wulf, die Chefredakteurin von Bild am Sonntag, Marion Horn, der CEO von Upday, Jan-Eric Peters, und der Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Beat Balzli. Die Preisverleihung findet am 15. Oktober im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg statt.

Der traditionsreiche Ernst-Schneider-Preis zeichnet Autorinnen und Auto­ren aus, die wirtschaftliches Wissen vermitteln und Wirtschafts­themen so aufbereiten, dass man  Zusammenhän­ge ver­steht. Der Preis ist nach dem Unternehmer und Kunst­mäzen Ernst Schneider benannt. Schneider war von 1963 bis 1969 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Der Preis ist mit 52.500 Euro dotiert.

Gewinner 2017

Autorinnen und Autoren von Arte, detektor.fm, Hamburger Abendblatt,
Hessischer Rundfunk, Radio Bremen, Süddeutsche Zeitung, WDR und
Wirtschaftswoche ausgezeichnet.

Im größten deutschen Wettbewerb für Wirtschaftspublizistik, dem von den
Industrie- und Handelskammern ausgeschriebenen Ernst-Schneider-Preis, sind heute (10. Oktober 2017) die Preise verliehen worden. Sie gingen an Autorinnen und Autoren von Arte, detektor.fm, Hamburger Abendblatt, Hessischer Rundfunk, Radio Bremen, Süddeutsche Zeitung, WDR und Wirtschaftswoche. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 52.500 Euro vergeben. Die ausgezeichneten Beiträge vermitteln auf besonders verständliche und interessante, oft spannende und unterhaltsame Weise wirtschaftliche Zusammenhänge. Sie wurden in Fernsehen und Radio ausgestrahlt, in Zeitungen gedruckt und online verbreitet. 15 Jurys hatten in einem mehrstufigen Verfahren die Gewinner ermittelt. Mitri Sirin vom Morgenmagazin des ZDF moderierte die 46. Verleihung des Journalistenpreises der deutschen Wirtschaft. Er begrüßte mit der Intendantin des rbb, Patricia Schlesinger, und dem Vorsitzenden des Ernst-Schneider-Preises, Peter Esser, 400 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien. In den Berliner Bolle Festsälen hatten sich zahlreiche Chefredakteure eingefunden, die als Laudatoren die Juryentscheidungen begründeten. Die Preisträger 2017 sind:

1. Internet (Dotierung 5.000 Euro)

Max Mönch und Alexander Lahl, Arte.tv / ZDF für „Monopoly der Weltmeere“
Die Autoren fragen wem das Meer gehört, wem die Rechte an Öl, Gas und Metallen zustehen, die dort lagern. Ihre Scrolldoku vermittelt in hoher Ästhetik und großer Verständlichkeit zentrale Aspekte eines wenig bekannten Wirtschaftsthemas, in dem es um Festlandssockel, Inseln und geologische Verbindungen zu Meeresschätzen geht.
Nominiert waren außerdem: Jannis Brühl, Vanessa Wormer, Simon Hurtz, Catharina Felke, Johannes Boie, Benedict Witzenberger, Elena Erdmann, Hakan Tanriverdi, Mirjam Hauck, Marvin Strathmann für „Krieg im Netz der Dinge“, Sueddeutsche.de, sowie Christian Hinkelmann, Felix Meschede,
Aruna Valliappan mit „Paketzusteller – Vorurteile und Wahrheit“, n-joy.de.
Die Jury sprach eine lobende Erwähnung aus für die Volontäre der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Redaktion Michael Soboll) für „Hannovers Wasserstadt: So entstehen 1800 Wohnungen“, haz.de.

2. Print

Wirtschaft in regionalen Printmedien (Dotierung 7.500 €)
Miriam Opresnik für die Serie „Mein erster Laden“, Hamburger Abendblatt
Die Autorin löst eine Existenzgründerin aus der Statistik und erzählt die Geschichte der 35-jährige Jennifer Hinze, die einen gut bezahlten Job in der Hamburger Sparkasse kündigt, um ein veganes Feinkostgeschäft mit Café zu eröffnen. Die Gründerin macht ihr Geschäft komplett transparent, nennt Belastungen und Verpflichtungen, berichtet von Hoffnungen und Sorgen: eine emotionale, Mut machende Gründergeschichte, deren Ausgang die Leser mit Spannung verfolgten.
Nominiert waren auch Christine Hochreiter und Martin Anton für „4 Flüchtlinge auf dem Weg in ein neues (Berufs-)Leben“, Mittelbayerische Zeitung, sowie Benjamin Wagener und Team für „Unsere Bauern“, Schwäbische Zeitung.

Wirtschaft in überregionalen Printmedien (Dotierung 7.500 €)
Jürgen Berke für „ThyssenKrupp: Im Auge des Sturms“, Wirtschaftswoche
Der Autor ist als einziger Journalist dabei, als ThyssenKrupp eine Abwehrschlacht im Internet gewinnt. Codename des Cyberkriegs: White Amflora, benannt nach der ersten gentechnisch veränderten Kartoffel, die besonders viel Stärke enthält. Vorausgegangen waren monatelange, raffinierte Hackerangriffe aus dem Ausland, die sich sukzessive zu den zentralen Geschäftsdaten des Konzerns vorgearbeitet hatten.
Nominiert waren Heinz-Roger Dohms, Thomas Steinmann und Jens Brambusch mit „Die Akte Unister“, Capital, sowie Kayhan Özgenc und Jan C. Wehmeyer für „VW-Affäre“, Bild am Sonntag.

Förderpreis (Dotierung: Weiterbildung 2.500 €)
Ausgezeichnet wird Anna Gauto, Wirtschaftswoche, deren Texte aus Saudi-Arabien ökonomische Gründe für den Wandel im Land sichtbar machen.
Nominiert war Katja Scherer, Impulse / Zeit.

3. Hörfunk

Kurzbeitrag (Dotierung 5.000 €)
Christian Schwalb für „Problem oder Potenzial? Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt“ (Red. Nicole Ritterbusch), Radio Bremen
Der Autor vermittelt in der Wochenserie tiefe Einblicke in US-amerikanische Integrationskonzepte von Migranten, die Arbeit in den Mittelpunkt der Eingliederung stellen, er zieht Parallelen zu Deutschland, vergleicht Pragmatismus mit Gründlichkeit, ordnet ein und bezieht Stellung.
Nominiert waren auch Regina Beck (Red. Regina Beck), „Handwerker ABC“, SWR, und Thorsten Ortmann (Red. Udo Kreuer), „Brexit”, Radio NRW.

Große Wirtschaftssendung (Dotierung 7.500 €)
Christian Bollert, „Das brand eins Magazin zum Hören (Schwerpunkt ‚Lust‘)“ (Red. Marcus Engert), detektor.fm
Der Autor interviewt Autoren, Protagonisten der Geschichten und Experten, die in dem gedruckten Monatsmagazin eine Rolle spielen, vertieft Themen und stellt neue Bezüge her. Transparentes Storytelling, geschickte Verknüpfung von Print und Online sowie exzellente Dramaturgie kennzeichnen das Konzept, das Gräben zwischen den Mediengattungen zuschüttet.
Nominiert waren auch Jörn Klare (Red. Joachim Dicks) mit „Abschied vom Faktor Mensch“, NDR, und Ursula Mayer (Red. Frank C. Starke) mit „Eine Welt ohne Bargeld: Bezahlen in der Zukunft”, WDR.

4. Fernsehen

Kurzbeitrag (Dotierung 5.000 €)
Stefan Jäger für „Im Zinstief – Gesetzliche Rente rentabler als private Vorsorge“, ARD (hr, Red. Sabine Elke)
Der Autor deckt in dem „Plusminus“-Beitrag bei Beratern erstaunliche Wissenslücken über die Altersvorsorge auf und verdeutlicht die wirtschaftlichen Hintergründe der guten Rendite der gesetzlichen Rente, die zurzeit die von Lebensversicherungen und Riesterrenten übertrifft.
Nominiert waren außerdem Steffen Clement (Red. Sabine Elke) für „Minuszinsen“, ARD (hr), und Stefan Jäger (Red. Brigitte Schalk / Clemens Bratzler) für „Rentenbesteuerung: Doppelt abkassiert vom Staat“, ARD (SWR).

Große Wirtschaftssendung (Dotierung 7.500 €)
Jan Schmitt für „Milliarden für Millionäre – Wie der Staat unser Geld an Reiche verschenkt“, ARD (WDR, Red. Petra Nagel / Martin Suckow)
Mit bisher unveröffentlichten Dokumenten sowie Interviews mit Insidern und Zeitzeugen schildert der Autor, was Cum-Ex – Geschäfte auslösten: steuerlich motivierte Leerverkäufe von Aktien kurz vor dem Termin der Dividendenzahlung mit anschließendem Rückkauf, wodurch Anleger hohe Kapitalertragssteuern erstattet bekamen, die nicht abgeführt wurden. Der Film ist ein Wirtschaftskrimi zu einem Staat und Steuerzahler betreffenden Thema. Er lebt von prominenten Protagonisten, ist gut erzählt und politisch verankert, denn drei Finanzminister schafften es nicht, eine Lücke im Gesetz zu schließen.
Nominiert waren auch Andrea Hauner (Red. Nils Casjens) für „Die Lachs-Industrie“, NDR, sowie Carmen Meyer und Holger Ernst (Red. Jörg Seibold) für „Whistleblower – Allein gegen das System“, Deutsche Welle.

Innovation / Wirtschaft in der Unterhaltungssendung (Dotierung 5.000 €)

Bastian Obermayer, Frederik Obermaier, Vanessa Wormer, Katrin Langhans, Mauritius Much, Hannes Munzinger: „Panama Papers“, SZ
Das Team der Süddeutschen Zeitung gab durch die internationale Auswertung zugespielter Daten eine zeitgemäße journalistische Antwort auf ein weltumspannendes Thema und löste öffentliche Debatten über Steuerschlupflöcher, Steueroasen und Steuermoral aus. Die Artikel über die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die 200.000 Briefkastenfirmen eintrug, Offshore-Firmen verwaltete und Dienstleistungen im Graubereich des Rechts anbot, sind hervorragend aufbereitet und haben durch die Zeichnungen von Peter M. Hoffmann ein charakteristisches Aussehen bekommen.
Nominiert war Stefan Weigl (Red. Andrea Hanke, Milena Maitz, Georg Steinert, Conrad Cornelius) für „Zeit der Kannibalen“, ARD (BR, WDR), ARTE.

 

 

Über den Internetpreis entschieden:
Peter Esser, ESP e.V., Florian Hager, Geschäftsführer funk, Rosemarie Schuster, Geschäftsführerin Techcast, Jochen Wegner, Chefredakteur Zeit Online, Jennifer Wilton, Ressortleiterin Investigativ und Reportage WeltN24.

Die Entscheidungen in der Printjury trafen:
Hartmut Augustin, Chefredakteur Mitteldeutsche Zeitung, Dr. Achim Dercks,
stv. Hauptgeschäftsführer DIHK, Ralf Geisenhanslüke, Chefredak-teur Neue Osnabrücker Zeitung, Sven Gösmann, Chefredakteur dpa, Klaus Schrotthofer, Geschäftsführer Zeitungsverlag Neue Westfälische.

In der Hörfunkjury arbeiteten:
Dr. Robin Houcken, ESP e.V. und Geschäftsführer Looping Studios, Stephan
Schmitter, Geschäftsführer RTL Radio Center Berlin, Andreas-Peter Weber, Programmdirektor Deutschlandfunk, Valerie Weber, Hörfunkdirektorin WDR.

Die Fernsehjury bestand aus:
Manuela Kasper-Claridge, Leiterin Wirtschaft und Wissenschaft DW, Dirk Müller, Geschäftsführer Infonetwork RTL, Christian Nitsche, Chefredakteur BR, Christoph Singelnstein, Chefredakteur und stv. Programmchef rbb, Frank Thewes, Bereichsleiter Kommunikation DIHK.

Der Ernst-Schneider-Preis ist der Journalistenpreis der deutschen Wirt¬schaft. Der Preis ist nach dem Unternehmer und Kunstmäzen Ernst Schneider benannt, der von 1963 bis 1969 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages war. Mit dem höchstdotierten Preis im Wirtschaftsjournalismus zeichnen die Industrie- und Handels¬kammern seit 1971 Beiträge aus, die den Bür¬gern mehr Wissen über wirt¬schaftliche Zusammenhänge vermitteln und die Medien ermutigen, neue Schritte bei der Vermittlung von Wirtschaft zu gehen.