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Medienbrief 4/16

Shortlist 2016 online

2916 Preissymbol LupeElf Vorauswahlkommissionen haben im Frühjahr aus 1.200 Einreichungen zum Ernst-­Schneider-Preis die besten Wirtschaftsbei­trä­ge aus­ge­wählt. Hier finden Sie die Shortlist. Die Nominierungen zum Ernst-Schneider-Preis 2016 nehmen die Schlussjurys bis zum 21. September vor. Die Preise werden am 17. Oktober im Karlsruher ZKM, dem Zentrum für Kunst und Medien, verliehen.

Weniger Zeit für Wirtschaft

Interview158 Journalistinnen und Journalisten äußerten sich in einer Umfrage des Ernst-Schneider-Preises zur Lage des Wirtschafts­jour­na­lismus. Die personelle Besetzung ihrer Redaktion halten zwei von drei Befragten für nicht mehr ausreichend. Dadurch fehle Zeit für Recherche. Hier eine Auswahl der vielen Kommentare zur Qualität der Berichterstattung:

Es geht häufig nur darum, Krisen hochzuschreiben, aber weniger um Kontext und Einordnung.

Durch den Sparkurs in vielen Redaktionen fehlen Expertise, Fachwissen und Kontakte. Themen werden häufig erst dann gesetzt, wenn sie aktuell sind, Analysen und langfristige Einschätzungen finden immer weniger statt.

Ich sehe viele, teilweise unseriöse Verbrauchertests.

Im öffentlich-rechtlichen TV wird es zunehmend schwieriger, Zeit für die Recherche von Wirtschaftsthemen honoriert zu bekommen.

Seit der Finanzkrise macht sich eine kapitalismuskritische Sicht und eine Staatsgläubigkeit breit.

Es wird nicht über Deutschland hinausgedacht; Debatten, die andernorts geführt werden, werden hierzulande nicht wahrgenommen.

Im Vergleich zum angelsächsischen Raum neigen wir immer noch dazu komplexe Themen eher „akademisch“ anzugehen – mehr Mut zu Emotionen und ein stärkerer Alltagsbezug würde vielen vermeintlich „trockenen“ Themen gut tun.

Berichterstattung wird seit Jahren immer werbe- und pr-trächtiger

Kenntnisse werden weniger und Ideologie vernebelt den Rest.

Skandalisierung und Personalisierung, Be­die­nung (eigener und beim Leser vermuteter) vorgefasster Mei­nun­gen treten an die Stelle des kritischen Diskurses…. Starke Polarisierung, z.B.: Familienunternehmen sind gut, Konzerne schlecht. … Das Weltbild ist wichtiger als die Realität mit ihren interessanten, aber recherchebedürftigen Facetten.

Der neoliberale Mainstream aus den 90er-Jahren hält sich in den Wirtschaftsredaktionen hartnäckig und ignoriert die Wende in der Wissenschaft. Die meisten Wirtschaftsjournalisten hängen am Mund der Unternehmer und ihrer Verbände.

Das Internet hat die Qualität negativ beeinflusst, zu viele Schnellschüsse.

Abgesehen von einschlägigen Tageszeitungen wie dem Handelsblatt und auch der F.A.Z. gibt es wenig mediale Ecken, in denen täglich fundiert über Wirtschaftsthemen berichtet wird. Man erkennt die ausgeprägte Mediatisierung einzelner „Skandalthemen“ zu Lasten der Wirtschaftsberichterstattung.

Europameister Rumänien

In Europa schauen die Menschen unterschiedlich lange fern. Spitzenreiter sind die Rumänen mit täglich 340 Minuten, gefolgt von den Serben und Portugiesen (jeweils rund 300 Minuten). Deutschland rangiert mit 221 Minuten im Mittelfeld. Fast schon abstinent wirken dagegen die (deutschsprachigen) Schweizer mit 128 Minuten pro Tag.

Erkenntnisgewinn mit Gürne

Seit Mai hat der ARD-Wirtschaftsexperte Markus Gürne eine Sendung auf Phoenix. Der Leiter der ARD-Börsenredaktion moderiert das „Wirtschaftsforum“ aus der Frankfurter Börse sonntags um 13 Uhr. Bei kress.de sagte Gürne, die Zuschauerinnen und Zuschauern dürften auf Erkenntnisgewinn hoffen. Das „Wirtschaftsforum“ ist auch im Phoenix-Youtube-Kanal abrufbar.

Jeden Tag drei Stunden Radio

Drei von vier Personen schalten täglich das Radio ein und hören jeden Tag 173 Minuten, ermittelte eine Studien von ARD und ZDF. Mehr Zeit verbringen die Menschen nur vor dem Fernseher. Bei den Jüngeren ist die Hördauer auf 137 Minuten gesunken. Am Zeitbudget frisst das Internet, das im Durchschnitt täglich 107 Minuten genutzt wird.

Die Politiker und die Wahrheit

2016 Faktenzoom

Die Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft hat untersucht, ob die Aussagen von Politikern in Talkshows stimmen. Die angehenden Journalistinnen und Journalisten prüften die Aussagen von sieben Politikern in den Talkshows „Anne Will“, „Hart aber fair“, „Maybrit Illner“ und „Menschen bei Maischberger“. Der Erhebung zufolge war fast jede siebte Talkshow-Behauptung nicht zutreffend. Negativer Spitzenreiter war Frauke Petry (AfD) vor Markus Söder (CSU). Besser machte es der CDU-Politiker Armin Laschet.

Die Politik und die Unfälle

Nur fünf Prozent der Themen in der Tagesschau sind Wirtschaftsnachrichten. Bei RTL sind es drei Prozent. Am späteren Abend steigt der Wert: Bei den Tagesthemen auf acht, beim heute journal auf neun Prozent. Diese Zahlen ermittelte das Ifem Institut für 2015. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern dominieren in den Nachrichten politische Themen, bei den Privaten Alltagsthemen, Unfälle, Katastrophen sowie Kriminalität. Beide Sendergruppen berichteten ähnlich intensiv über die Flüchtlingskrise.

Snapchat vor Twitter

2016 SnapchatNach Angaben von Bloomberg verwenden täglich 150 Millionen Nutzer Snapchat. Vor sechs Monaten waren es noch rund 110 Millionen. Snapchat hat damit Twitter überholt. Snapchat ist bei Jugendlichen populär. Es funktioniert wie ein Tagebuch, das Nutzer temporär anderen zeigen. Die Nutzer teilen Fotos auf Snapchat, die oft mit Emoticons und bunten Zeichnungen versehen sind. Andere Nutzer können diese mit ihren Fotos kommentieren. Die verbreiteten Inhalte verschwinden nach einiger Zeit wieder. Der Nutzer kann auch „Events“ anwählen, die sogenannte „snaps“, und Fotos von verschiedenen Nutzern zu einem Thema zeigen.

Nachwuchs aus Köln

Die RTL-Journalistenschule wählt ihren neunten Jahrgang aus. Von 390 Bewerbern werden 28 Bewerber genommen, die die zweijährige Ausbildung durchlaufen. Die angehenden Fernseh- und Onlinejournalisten absolvieren Praktika bei in- und ausländischen Redaktionen, mittlerweile auch bei öffentlich-rechtlichen Sendern.

Gegen den Strom

OXI heißt eine Wirtschaftszeitung, die der frühere Chefredakteur der Frankfurter Rundschau Wolfgang Storz gegründet hat. „Oxi“, Nein auf Griechisch, bezieht sich auf die Haltung der Blattmacher gegen „Mainstream und Marktradikalismus“. Themen der ersten Ausgabe lauten „Arme denken nicht an morgen“ oder „Die wollen nicht wachsen. Spinnen die?“

Medienbrief 4/14

So geht sächsisch
Prof. Karola Wille wird die Verleihung des Journalistenpreises der deutschen Wirtschaft am 6. Oktober eröffnen. Die Intendantin des MDR ist Hausherrin der Media City Leipzig, wo die Verleihung stattfindet. Die Feier soll auch die Stärken Sachsens zeigen. Die ausrichtenden IHKs in Chemnitz, Dresden und Leipzig haben die von Maybrit Illner moderierte Auszeichnung unter das Motto „Nicht lang reden, sondern machen. So geht sächsisch.“ gestellt. Hier geht es zur Anmeldung:
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Roboterjournalismus aus Berlin
„Ein Algorithmus kann niemals Intelligenz, Kreativität und das Sprachgefühl eines Journalisten ersetzen – aber in der Aufarbeitung von Daten in Sekundenbruchteilen ist er unschlagbar“, so Carsten Erdmann, Chefredakteur der Berliner Morgenpost. Erdmann ist Pionier. Seine Berichterstattung über die Feinstaub-Belastung in der Berliner Innenstadt wird teilweise von einem Computer geschrieben. Die Morgenpost nutzt für ihren „Feinstaub-Monitor“ ein Programm, das Messwerte aller Stationen von der Website der Berliner Senatsumweltbehörde ausliest, mit Vorjahreswerten vergleicht und automatisch visu­a­lisiert, zu finden unter morgenpost.de/feinstaub.

Das Erste macht die Meinung
Die ARD bleibt die Organisation mit dem größten Einfluss auf die Meinungsbildung in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM). Der Meinungsmarkt in Deutschland wird demnach von fünf Medienkonzernen geprägt. Die ARD hat einen Anteil von 22 Prozent am Meinungsmarkt. Es folgten Bertelsmann (RTL-Gruppe) mit 13 Prozent, Sprin­­ger mit 9 Prozent, ProSiebenSat.1 mit 8 Prozent sowie das ZDF mit 7 Prozent. Zwei Aspekte sind bemer­kenswert: Der Einfluss der großen privaten Fernsehsen­der auf die Meinungsbildung in Deutschland nimmt ab. Gleichzeitig sinkt auch die Bedeutung des Mediums Fern­sehen für die Meinungsbildung der Deutschen (- 3 Pro­zent). Zulegen konnten Tageszeitungen (+1 Prozent), Radio (+2 Prozent), Internet (+1 Prozent) und Zeit­schriften (+0,4 Prozent).

20 Minuten beim Anwalt
Die Wirtschaftszeitschrift Impulse erhöht den Preis für ihr Monatsmagazin von 7,50 Euro auf 9,90 Euro. „Qualität hat ihren Preis“, sagt Chefredakteur Nikolaus Förster. In seinem Blog hatte er Leser nach dem richtigen Preis für das Heft gefragt und die Leser hatten im Schnitt 10,60 Euro vorgeschlagen. Nicht zu viel, findet Förster: „Ein Jahr lang Teil des Impulse-Netzwerks zu sein, kostet etwa so viel wie 20 oder 30 Minuten bei einem guten Anwalt, Berater oder Coach.“

Checks, Checks, Checks
markencheckAb dem 25. August sendet die ARD um 20.15 Uhr den „Montags-Check“. Den Anfang machen vier Folgen des „Markencheck“, der in der Wirtschaftsredaktion des WDR entwickelt wurde. Der Erfolg dieser Sendung scheint bei den Programmplanern eine Check-Euphorie ausgelöst zu haben. Der „Marktcheck“ des SWR „checkt“ bereits Topmarken. In der ARD erleben die Zuschauer bald eine „große Verbraucherinitiative“ (Programmdirektor Volker Herres), die erst Marken checkt (WDR), dann Recht (SWR), anschließend Lebensmittel (NDR mit Tim Mälzer), danach Haushalt (WDR) und schließlich Gesundheit (BR). Damit aber nicht genug. 2015 dürfen sich die Zuschauer auf den „Montags-Check im Ersten“ in den Kategorien „Werbe-Check“ (SWR) und „Reise-Check“ (SR) freuen. Wem auch das nicht reicht, für den gibt es den „Geld-Check“ in der gemeinsamen Verantwortung von BR und HR – gewissermaßen einen Scheck-Check. Durch die Klonsendungen fällt im ARD-Programm am Montagabend um 20.15 Uhr der Dokusendeplatz Natur weg. 2010 strich die ARD am gleichen Tag um 21.00 Uhr bereits den Sendeplatz für Reportagen.

Sag es einfach
Der Deutschlandfunk hat seine Webseite nachrichtenleicht.de überarbeitet. Der Wochenrückblick liefert in einfacher Sprache wichtige Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Die Sätze dieser Nachrichten sind kürzer. Zu Schlüsselwörtern gibt es Erklärungen. Alle Meldungen kann man lesen oder hören.

.de verschwindet
Bekannte Medien wollen auch im Internet ihre Marken vereinheitlichen. So ersetzt das Stern-Logo das stern.de-Logo auf allen Kanälen. Springers Bild-Zeitung hat bereits den gleichen Schritt gemacht und auf das .de hinter Bild verzichtet.

Crossmediales in Düsseldorf
Die Rheinische Post Mediengruppe bündelt ihre Nachwuchsförderung ab Oktober 2014 in einer multimedialen Journalistenschule. Praxisstationen finden bei der „Rheinische Post“, der „Saarbrücker Zeitung“, „Lausitzer Rundschau“ und dem „Trierischen Volksfreund“ statt. Kooperationspartner der Ausbildung sind Antenne Düsseldorf, center.tv, WDR, Bild und Spiegel. Ein Schwerpunkt liegt auf digitalen Medien und „journalistischem Entwicklergeist“. Dazu gibt es Kurse in Datenjournalismus, Social Media, Blogging, Crowd Funding und interaktivem Story­telling.
Screenshot

 

Die Welt verstehen
Seit Juni heißt der vom Bayerischen Rundfunk betriebenen Bildungskanal BR-alpha ARD-alpha. Der 1998 gegründete Sender wendet sich unter dem Claim „Die Welt verstehen“ an ein bundesweites Publikum. Im Programm: Wissens- und Kulturmagazine, darunter Sendungen mit Kultstatus wie „Space Night“ und „alpha-Centauri“ mit Harald Lesch. Wer donnerstags eine Alternative zu einem Spätfilm sucht, für den gibt es von Mitternacht bis in den frühen Morgen „Wissenschaft für Schlaf­lose“.

Digitaler Zuwachs
„Bild“ hat Erfolg mit seinen Digitalabos. Die Zeitung verkaufte im Mai 200.000 digitale Abonnements, fast 50.000 mehr als im Dezember. Auch die „Welt“ legte leicht zu. Sie kam auf 52.000 Verkäufe (plus 5.000).

Wer hört was im Internet?
internetradio

Die Arbeitsgemeinschaft Media Analyse hat im Juni Nutzerdaten für Internet-Radios bekanntgegeben. Die meistgehörten Sender sind etablierte UKW-Radios. Mit sieben Millionen monatlichen Abrufen liegt 1Live vorn, die Jugendwelle des WDR. Neben Antenne Bayern und Radio FFH finden auch Musiksender wie die 2003 in Aachen gegründete RauteMusik über 3 Millionen Hörer. Die Nutzung der Internet-Radios stieg um elf Prozent – auch dank internetfähiger Handys.

Deutsche unterschätzen Wirtschaft
Aus einer Umfrage des Ernst-Schneider-Preis vom Mai 2014: Neun von zehn Ressortleitern und Chefredakteuren glauben, dass die Bedeutung der Wirtschafts für die Entwicklung der Gesellschaft deutlich unterschätzt wird, dass also das Wohlbefinden der Deutschen, ihr Zusammenhalt und ihre Lebensperspektiven stärker von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen als diese vermuten.