Medienbrief 2/18

Fernsehen: Qualität statt Quote

Im März 2018 hat die Medienpolitische Kommission Hessen Unternehmer zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk befragt. Zwei Ergebnisse stechen heraus: 1. ARD und ZDF gelten bei Vertretern der Wirtschaft als unentbehrlich. 2. Beim Programm sollte es mehr auf Qualität als auf Einschaltquoten ankommen. Befragt wurden 584 Mitglieder der Vollversammlungen der hessischen IHKs. 376 Antworten gingen ein: Fast zwei Drittel der Unternehmer halten den Fortbestand des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ARD, ZDF, Deutschlandradio, ARTE) für „sehr wichtig“. Am meisten geschätzt werden Weltnachrichten, Wirtschaft, Politik,  regionale Informationen und Hintergrundberichte. Eine hohe Wertschätzung hat auch die Berichterstattung über Kultur. Die Befragten gaben an, dass weitere Einsparungen der Sender nicht zu Lasten des Programmaufkommens und seiner Qualität gehen sollten. Mit einem Gebührenanteil von über neun Prozent werden Unternehmen zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks herangezogen. Sie zahlen den Rundfunkbeitrag entsprechend der Anzahl ihrer Betriebsstätten, sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und beitragspflichtigen Kraftfahrzeuge. Auch einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Forsa-Umfrage zufolge will eine große Mehrheit der Bundesbürger das duale Rundfunksystem aus öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern erhalten. In dieser repräsentativen Studie sagte fast die Hälfte der Befragten, dass ARD und ZDF ihren Programmauftrag mittelmäßig bis schlecht erfüllen.

Neue Wirtschaftsformate im Wettbewerb

360 Grad Kamera

Die Juroren des Ernst-Schneider-Preis bewerten in diesem Jahr neue Formate der Wirtschaftsberichterstattung. So produziert Deutschlandfunk Nova, der jüngste Ableger des Senders neben Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur, ungewöhnlich anmutende, persönliche Features, die die Zielgruppe der jungen Hörer mit Themen wie Verschuldung emotional ansprechen. Hier geht es zum Beispiel um den gedankenlosen Umgang einer Autorin mit Geld, der zu Verschuldung und Leben auf Kredit führte. Im Internet finden sich – auch zu Wirtschaftsthemen – auffallend viele 360 Grad- Videos. Auch Facebook scheint dieses Format in seinem Algorithmus zurzeit zu begünstigen, sodass diese Bilder häufiger die Nutzer erreichen. Interessant sind auch Ideen der Printbranche. Die Wirtschaftswoche lädt Querdenker zu einem „Ökonomische Abendmahl“, „Impulse“ moderiert  im Netz „Unternehmerduelle“ genannte Gespräche. Hier treffen Vertreter von Branchen aufeinander, die einem starken Wandel unterliegen, zum Beispiel eine Apothekerin und ein Mitarbeiter von DocMorris.

Einfach Nachrichten

Watson heißt ein neues Nachrichtenportal der Kölner Ströer-Gruppe. Der Vermarkter von Außen- und Onlinewerbung, der kürzlich die Seite T-Online gekauft hat, will mit dem Angebot die Jugend erreichen und Bento, Zett, BuzzFeed sowie Neon.de Konkurrenz machen. Die 25-köpfige Redaktion wird von einem Frauenteam um Gesa Mayr geleitet. Inhaltlich setzt die Redaktion auf einen Themenmix. Watson will ein Kolumnisten- und Influencer-Netzwerk aufbauen und mit den Stars aus dem Internet kooperieren. Die Seite wirbt mit dem Slogan „News ohne Blabla“.

Quittung für den Chef

RTL hat eine neue Wirtschaftsshow produziert. Dem Chef eines Unternehmens sagt die Redaktion ein Fernsehportrait zu, doch als er ins Fernsehstudio kommt, erwarten ihn die eigenen Mitarbeiter. In der nun entstehenden Spielshow „Der Chef bekommt die Quittung“ soll der Chef beweisen, dass er seine Firma kennt. Verliert er Spielrunden, gibt es Preise für die Arbeitnehmer – und der Chef muss sie bezahlen. In der ersten Folge wechselte der Besitzer eines Autohauses Reifen, befestigte Gegenstände auf einem Dachgepäckträger und lackierte Karosserieschäden. Im Finalspiel musste er erraten, wie seine Arbeitnehmer über ihn denken. Der Comedian Ralf Schmitz moderiert als „Betriebsratsvorsitzende von RTL“ die Zweistundenshow.

Guter Einstand für funk

Funk, das öffentlich-rechtliche Jugendangebot im Netz, erreicht seine Zielgruppe. Im Startmonat Oktober 2016 zählte der zu zwei Dritteln von der ARD und zu einem Drittel vom ZDF finanzierte Sender 12 Millionen Videoabrufe über Youtube. Ein Jahr später, im Oktober 2017 registrierten die Mainzer hier 44 Millionen Abrufe. Die Videoabrufe bei Facebook stiegen im gleichen Zeitraum von 6 auf 10 Millionen. Der Bekanntheitsgrad von Funk in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen liegt bei 20 Prozent. Die jungen Zuschauer legen nach den ersten Erfahrungen Wert darauf, dass ihnen auf Augenhöhe, nicht belehrend von oben herab, aber auch nicht anbiedernd begegnet wird. Die Beiträge beschäftigen sich mit den Lebenswelten der Jugendlichen. Internet, Smartphone, Social Media und persönliche Herausforderungen spielen eine Rolle. Im Programm finden sich zunehmend informative Elemente wie „musstewissen“ und investigative Sendungen wie „STRG_F“. Das neue Format „STRG_F“ unterstützt die „Panorama“-Redaktion des NDR. Thema der Premierenausgabe waren Investmentvermittler, die via Facebook und WhatsApp Jugendliche ansprechen. 

Konzentrierte Zeitungslektüre

80 Prozent der Leser sagen, dass sie während der Lektüre ganz auf die Zeitung konzentriert sind. Bei der Nutzung anderer Medien lassen sie sich leichter ablenken, so das Ergebnis der Studie „Zeitungsqualitäten 2018“ der Zeitungsmarktforschung im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger. Zeitungen erreichen nach wie vor acht von zehn Deutsche. Diese lesen täglich 39 Minuten. 81 Prozent lesen mindestens die Hälfte aller Seiten. Drei Viertel geben ihre Zeitung weiter.

Gerecht im Ersten

Die ARD veranstaltet vom 11. bis zum 17. November unter der Federführung des NDR wieder eine Themenwoche. Fernsehen, Radio und Internet werden Beiträge zur Frage „Ist das gerecht?“ produzieren.  Es geht um Chancengleichheit bei Arbeit, Einkommen, Bildung sowie Gerechtigkeit vor dem Gesetz, unter den Generationen und der Welt. Erstmals soll es ein gemeinsames Ausbildungsprojekt geben: Nachwuchs-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter der ARD werden in Kooperation mit funk an einem Social-Media-Format arbeiten, an dem auch Azubis des ZDF beteiligt sind.

Brand eins vor Brigitte

Über den deutschen Bahnhofsbuchhandel wird fast jedes zehnte Presseerzeugnis verkauft. Den größten Umsatz machen die Händler mit Spiegel, Bild, Süddeutscher Zeitung, vor Zeit, Stern, FAZ/ FAS und Bunte. Diese Zahlen ermittelte das Fachmagazin „der neue vertrieb“. Hinter Asterix und Gala liegt das Wirtschaftsmagazin brand eins auf Platz 15, noch vor der Zeitschrift „Brigitte“. 

Wenig Zeit für Wirtschaft

In einem Gastbeitrag für meedia.de äußerte der Kommunikationsexperte Hasso Mansfeld Kritik an der Wirtschaftsberichterstattung von ARD und ZDF. Er bezog sich auf eine Studie des IFEM Instituts. Die Forscher hatten errechnet, dass die ARD die Sendezeit für Wirtschaftsthemen auf täglich 13 Minuten gekürzt hat. Beim ZDF stieg die Zeit auf acht Minuten pro Tag. Der Autor kritisierte Themen und Haltung der Redaktionen. Bei „Plusminus“ würden Themen wie Versicherungsfallen, Preissteigerungen im Paketzustellungsdienst, Steuertricks bei Immobiliengeschäften und Risiken moderner Autotüren besprochen. Die Zuschauer bekämen den Eindruck, dass Wirtschaft „pfui geworden sei“. Sie verständen nicht, dass Wirtschaft und Gesellschaft miteinander verbunden seien. Einen unvoreingenommenen Blick auf die Wirtschaft sieht Mansfeld in der „ARD-Börse“ kurz vor der „Tagesschau“.

Bayern und Nordrhein-Westfalen vorn

Zwei Mal im Jahr lassen die Sender die Radionutzung in Deutschland erheben. Die ma Radio, jetzt ma Audio, macht daraus ein Ranking der meistgehörten Sender. Die Übersicht zeigt die populärsten Sender. Gezählt werden Hörer pro Stunde:

Mehr Fernsehen aus NRW

Nordrhein-Westfalen bleibt weiterhin das attraktivste Bundesland für Fernsehproduktionen. Das zeigt eine neue Studie des Dortmunder Medienforschungsinstituts Formatt. Mit 30 Prozent Marktanteil wurde 2016 in Nordrhein-Westfalen mehr produziert als in den anderen wichtigen Produktionsländern Bayern, Berlin und Hamburg zusammen. Schwerpunkt der Produktion sind zu zwei Dritteln Entertainment und Doku-Soaps. In diesem  Genre kamen zwei Drittel der Produktionsminuten aus Nordrhein-Westfalen.

In eigener Sache

Dies ist mein letzter Medienbrief. Ich habe während meiner Arbeit für den Ernst-Schneider-Preis 18 Jahre lang großartige Wirtschaftsbeiträge gelesen, gesehen und gehört und wunderbare Autorinnen und Autoren kennengelernt. Sie alle haben sich für eine Wirtschaftsberichterstattung eingesetzt, die Zusammenhänge herstellt, die einordnet und aufklärt. Marta Dubasiewicz und ich konnten für diese Journalistinnen und Journalisten ein Stück Öffentlichkeit herstellen. Im Juni scheide ich altersbedingt aus und übergebe die Geschäfte des Ernst-Schneider-Preis e.V. an Hartmut Spiesecke. Dem promovierten Literatur- und Musikwissenschaftler wünsche ich Glück und Erfolg.

Christian Knull

Medienbrief 1/18

Preisverleihung in Nürnberg
1.300 zum Teil hervorragende Beiträge konkurrieren 2018 um den Ernst-Schneider-Preis. Die Themen spiegeln das wider, was die Menschen bewegt: Automatisierung der Arbeit, Entlohnung von Pflegekräften, Bau und Scheitern von Großprojekten, Aufstieg von Kryptowährungen, Transparenz der Lieferketten, Grenzen der Globalisierung, Absprachen der Autoindustrie, Alltag von Migranten im Betrieb, Chinas Geoökonomie, Marktmacht von Amazon, bessere Konzepte der Entwicklungshilfe und nicht zuletzt der Einfluss der Instagramstars auf das Kaufverhalten. Über die Gewinner entscheiden promi-nent besetzte Jurys. Zugesagt haben die Intendanten des HR und des Deutschlandfunks, Manfred Krupp und Stefan Raue, RTL-Chefredakteur Michael Wulf, der CEO von Upday Jan-Eric Peters, die Chefredakteurin von Bild am Sonntag, Marion Horn, und der Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Beat Balzli. Die Preisverleihung findet am 15. Oktober im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg statt. Barbara Hahlweg, ZDF, wird moderieren.

Influencer müssen Regeln einhalten
Die Düsseldorfer Medienanstalt LfM geht gegen In-fluencer im boomenden Social-Media-Markt vor, die Inhalte und Werbung vermischen. LfM-Direktor Tobias Schmid: „Wer von Firmen Gegenleistungen wie Geld oder Produkte erhält, muss so eindeutig darauf hinweisen, dass der normale Nutzer diese Hinweise sofort erkennen kann.“ Die LfM drängt auch darauf, dass Streamingdienste wie Let‘s Play als Rundfunk angesehen und lizensiert werden – vorausgesetzt, sie werden live verbreitet, von mehr als 500 Usern gleichzeitig gesehen, sind redaktionell gestaltet und werden „entlang eines Sendeplans“ regelmäßig und wiederholt verbreitet.

Weniger Vertrauen in Wirtschaft

Die Deutschen verlieren Vertrauen zu Unternehmern. Eine Forsa-Umfrage hat das ergeben, und sie liefert auch gleich die Gründe: Dieselaffäre, die Insolvenz von Air Berlin und der angekündigte Stellenabbau bei Siemens beschädigten das Bild. Hingegen ist das Ansehen von Polizei und Gewerkschaften größer geworden. Vertrauensschwund erlitten auch die Medien.

Das Ranking:
1. Polizei (83 % – plus 6 Prozentpunkte gegenüber 2016)
2. Universitäten (80 % – unverändert)
3. Ärzte (78 % – unverändert)
4. Eigener Arbeitgeber (75 % – unverändert)
12. Gewerkschaften (49 % – plus 7 Prozentpunkte)
15. Presse (40 % – minus 4 Prozentpunkte)
19. Unternehmer (27 % – minus 18 Prozentpunkte)

Vielfältiger, offener und farbiger
Susanne Amann, Spiegel und Astrid Maier, Wirtschaftswoche haben die Plattform „Diverse Media“ gegründet, um Wirtschaftsberichterstattung und Arbeitswelt zu verändern. Sie beklagen, dass sie häufig die einzigen Frauen im Kreis von weißen männlichen Journalisten sind. Der Blick auf die Welt müsse vielfältiger, offener und farbiger werden, denn „zeitgemäßer Journalismus entscheidet mit über das Wohl und die Zukunft unserer Gesellschaft“. https://dverse.media/

Nachrichten meist auf Spiegelonline

2017 ermittelte eine repräsentative Marktanalyse wie und wo sich Nutzer online über Nachrichten informieren. Am häufigsten bei Spiegelonline mit einer Reichweite von 23 Prozent, vor Bild (17 Prozent). Auch genutzt werden Tagesschau, Focus (je 10 Prozent), t-online, ntv, ZDF (je 8 Prozent) und natürlich Facebook (7 Prozent) (Media Perspektiven 10/2017).

Lockende Vorurteile
Claus Kleber argumentiert in seinem Buch „Rettet die Wahrheit“ für unabhängige Medien. Der Moderator des „heute journal“ im ZDF beschäftigt sich mit dem Vorwurf des Grundkonsenses der Medien, dem kritisierten „Main¬stream“. Selbstkritisch beschreibt er auch Wer-tungsmuster, die Einfluss auf Auswahl und Einordnung der Fakten haben können, zum Beispiel Vorstellungen, dass Verbraucherorganisationen eher Vertrauen verdienen als Industrie, Lobbyarbeit weniger der Gesetzesvorbereitung als den Interessen der Wirtschaft dient oder die Wahrheit stets irgendwo in der Mitte liegt. Kleber wirbt bei aller Selbstkritik für professionelles Hinterfragen, Durchbrechen von Klischees und Vorurteilen und eine aufklärerische Haltung.

Treue Radiohörer
Täglich hören 53 Millionen Menschen in Deutschland Radio – im Schnitt drei Stunden lang. Die öffentlich-rechtlichen Programme erreichen 36 Millionen Menschen, die privaten 28 Millionen. Zwei Drittel hören täglich nur ein Programm. Die größten Tagesreichweiten haben WDR, vor SWR und NDR (ma 2017 Radio II).

 

Preissprung bei „Impulse“
Neue Gesichter und neue Preispolitik beim Wirtschafts-magazin „Impulse“. Chefredakteurin ist jetzt Antonia Götsch. Der bisherige Chefredakteur Nikolaus Förster wird Herausgeber. Förster, der „Impulse“ 2012 von Gruner + Jahr durch ein Management Buy-out erwarb, hat das Magazin zu Jahresbeginn auf 19,90 Euro pro Ausgabe verteuert. Das Blatt soll als Premiumprodukt seinen mittelständischen Leserinnen und Lesern geldwerten Nutzen bringen. Die Abonnentenzahl beträgt rund 35.000 Leser.

Abnehmende Finanzkompetenz
Die Deutschen überschätzen ihre Finanzkompetenz. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Bankenverbands hervor. Die meisten Bürger interessieren sich zwar für Wirtschaftsthemen und glauben, dass sie sich in Finanzangelegenheiten gut auskennen. Jedoch entspricht diese Selbsteinschätzung nicht der Realität. So wusste ein Viertel der Befragten nicht, was „Inflation“ bedeutet. Die Kompetenz der Deutschen in Finanzfragen nimmt seit 2014 ab. 2017 verfügten mehr als 60 Prozent über schlechte oder eher schlechte Finanzkenntnisse. 2014 lag der Wert noch bei 56 Prozent. Unter Dreißigjährige zeichneten sich durch eine besonders geringere Finanzkompetenz aus.

Täglich drei Minuten Wirtschaft
Aus einem Programmvergleich der Jahre 2014 bis 2016 der großen Fernsehsender ermittelte das IFEM Institut charakteristische Unterschiede zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Programmanbietern, speziell beim Informationsangebot. Dies sei bei ARD und ZDF im Vergleich zu den Privaten wesentlich vielfältiger. Aller-dings seien in der ARD die Wirtschaftsanteile von 15 Minuten pro Tag im Jahr 2014 auf 13 Minuten in 2016 gesunken. Beim ZDF stiegen sie von 7 auf 8 Minuten, bei RTL gingen sie auf 5 Minuten zurück. Sat.1 beschäftigte sich täglich drei Minuten mit Wirtschaft (Media Perspektiven 5/2017).

 

 

Das Ding des Jahres
Die von Stefan Raab produzierte Erfindershow „Das Ding des Jahres“ ist seit dem 9. Februar um 20:15 Uhr bei ProSieben zu sehen. Joko Winterscheidt, Lena Gercke und Rewe-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog bilden die Jury. Über die Geschäftsideen und Erfindungen, zum Beispiel eine 10-Sekunden-Zahnbürste, Toilettenpapier in Taschenform und eine automatische Cocktailmixmaschine entscheidet das Publikum. Der Sieger erhält einen Werbevertrag auf den Sendern der ProSiebenSat.1-Gruppe in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

 

 

Medienbrief 4/17

Nominierungen für Ernst-Schneider-Preis

26 Wirtschaftsbeiträge aus Fernsehen, Hörfunk, Print und Onlinemedien sind für den Ernst-Schneider-Preis 2017 nominiert worden. Sie vermitteln wirtschaftliche Zusammenhänge spannend und verständlich. Hier geht es zur Liste der Nominierten. Am 10. Oktober werden Mitglieder der Jurys in den Berliner Bolle Festsälen die Gewinner verkünden. Laudatoren sind unter anderem: Sven Gösmann, Chefredakteur dpa, Ralf Geisenhanslüke, Chefredakteur Neue Osnabrücker Zeitung, Manuela Kasper-Claridge, Head of Business and Science Deutsche Welle, Christoph Singelnstein, Chefredakteur rbb und Andreas-Peter Weber, Programmdirektor DLF.

Mehr Wirtschaft im Fernsehen

Der überragende Erfolg der 2015 mit dem Ernst-Schneider-Preis ausgezeichneten Gründersendung „Höhle der Löwen“ löst weitere Formatentwicklungen, die Wirtschaftsthemen unterhaltsam aufgreifen, aus. Mehrere Sender haben Projekte angekündigt. Meist stehen Start-ups im Vordergrund:

1 – Deutschlands bestes Gründertalent

„Das ist deine Chance“ ist der Arbeitstitel einer neuen Wirtschaftsshow auf Sat.1, die nach „Deutschlands bestem Gründertalent“ sucht. Die Bewerber müssen in verschiedenen Prüfungen beweisen, dass sie ihre Geschäfts­idee von Woche zu Woche weiterentwickeln können. Dem Sieger stellt Carsten Maschmeyer das Startkapital für die gemeinsame Firma zur Verfügung. Produzent der Show ist die Kölner Sony Pictures. 

2 – Jung, weiblich, Boss!

RTL II arbeitet an einem Wirtschaftsformat für Frauen. Die Modedesignerin Jette Joop soll angehenden Geschäftsfrauen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen. „Jung, weiblich, Boss!“ wird das Format laut „Bild“ heißen.

3 – Ding des Jahres

ProSiebenSat.1 kündigte eine Show um Erfinder und Entwickler an, die der Entertainer Stefan Raab produzieren wird. Die Sendung ist als Duell konzipiert und soll „Das Ding des Jahres“ heißen. Die Sendungen werden im Januar 2018 zu sehen sein. 

4 – Ich mach mein Ding

Der WDR begleitet seit Anfang des Jahres fünf Gründer aus Nordrhein-Westfalen beim Aufbau ihres Geschäfts. Vom individuell und fair produzierten Schuh bis zu Bürostühlen mit Vibrationsalarm verfolgt die Autorin Katja Scherer zwei Jahre lang die Entwicklung der Start-ups. Die Beiträge von „Ich mach mein Ding“ können im Fernsehen, im Radio und online verfolgt werden.

5 – Verwandt und fleißig

Im Anschluss an „Die Höhle der Löwen“ sendet Vox Firmenportraits. Die Serie heißt „Meine Familien-Firma – Verwandt und fleißig“. Sie zeigt den Alltag von Betrieben. Geplant sind vier Folgen. Bei der ersten Episode blieben 1,3 Millionen Zuschauer dabei, der Marktanteil belief sich beim jungen Publikum auf 15 Prozent und machte Vox zum Marktführer.

6 – Produkte aus dem Käfig

Zur neuen Staffel der „Höhle der Löwen“ eröffnete Vox im Kölner DuMont Carré  einen Pop-up-Store, wo Produkte der Sendungen erhältlich sind.

NRW vor Bayern

Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse hat die Reichweiten für Radiosender in Deutschland ermittelt. Meistgehörter Einzelsender ist Bayern 1 mit rund 1,1 Millionen Hörern in einer Durchschnittsstunde unter der Woche. Dahinter rangieren der private Sender Antenne Bayern, WDR 2 und SWR 3 (je 1 Million Hörer.) vor 1Live (dem Jugendprogramm des WDR). An der Spitze steht der Lokalsenderverbund Radio NRW mit 1,7 Millionen Hörern.

Google zum dritten

In der dritten Förderrunde hat Google im Rahmen seiner Digital News Initiative (DNI) 3,7 Millionen Euro an deutsche Verlage ausgeschüttet – mehr als in allen anderen Ländern. Innerhalb von drei Jahren will Google 150 Millionen Euro an europäische Medien auszahlen, damit diese Innovationen vorantreiben können. In Deutschland werden fünf von 27 europäischen Großprojekten gefördert. So erhält die Deutsche Welle 437.500 Euro für das Projekt „news.bridge“. Die Funke Mediengruppe bekommt 500.000 Euro für Bewegtbild-Inhalte im Regionalen. Auch die Wirtschaftswoche, DuMont sowie von Gruner + Jahr erhalten Geld.

ntv verlängert Nachrichten

Der Fernsehsender ntv hat seit September seine Nachrichten um 16 und 17 Uhr ausgeweitet. Der Kölner Sender wirbt jetzt mit dem Slogan „Wir bleiben dran“. Kurz vor der Bundestagswahl frischte ntv auch sein Logo auf. Der Bindestrich vor „n“ entfällt.

Konstruktiver „Plan B“

Ab dem 7. Oktober wird im ZDF samstags um 17:35 Uhr „Plan B“ zu sehen sein. Das Magazin will in jeder Ausgabe ein Thema in den Mittelpunkt stellen und – das ist der neue Ansatz – Problemlösungen gleich mit anbieten, etwa zum Umgang mit steigenden Mieten. Nach britischem und skandinavischem Vorbild setzt die Redaktion auf konstruktiven und lösungsorientierten Journalismus.

Fernfahrerblues

Jede Nacht ist anders, schreibt der Deutschlandfunk, und verspricht drei Stunden voller Eindrücke und Information. Am 18./19. November ist die Sendung „Lange Nacht“ den Fernfahrern gewidmet, die, wie der Sender schreibt, das Rückgrat einer arbeitsteiligen Wirtschaft bilden. (23:05 – 2:00 Uhr)

Jugend guckt fern

Der Aufstieg von Streamin­g­anbietern wie Netflix oder Amazon Prime scheint an Grenzen zu stoßen: Vor allem ganz junge Konsumenten schauen wieder vermehrt TV. Diese Entwicklung geht aus einer Studie der Hochschule Fresenius hervor. Bislang galten die Jungen als für das Fernsehen verloren.  Der Anteil derjenigen, die ausschließlich traditionell fern schauen wächst leicht sowohl in der Altersgruppe 55+ als auch bei jüngeren Zuschauern im Alter von 18 bis 24 Jahren. Die Verantwortlichen der Studie begründen diesen Anstieg mit der steigenden Bequemlichkeit der Nutzer. So scheine es einfacher, sich berieseln zu lassen, als selbst zu entscheiden, welchen Film oder welche Serie man sich anschauen möchte.

Medienbrief 3/17

Schwierige Vermittlung von Wirtschaft

In einer Umfrage des Ernst-Schnei­der-Preis, an der 230  Journalistinnen und Journalisten teilgenommen haben, sag­ten 76 Prozent der Befragten, dass Journalisten zu wenig tun, um die oft schwierigen wirtschaftliche Themen zu vermitteln. Zum Teil fehle dafür Zeit, zum Teil Fachwissen; im Radio und besonders im Fernsehen mangele es an Sendeplätzen. Das normale Wirtschaftsleben käme in der Berichterstattung oft zu kurz; auch wichtige Fragen der Geldpolitik und Wirtschaftspolitik würden zu wenig vermittelt. Insgesamt gewinnen Wirtschaftsthemen an Bedeutung. Das Interesse steigt an Digitalisierung (215 Nennungen), E-Mobilität (194), Altersvorsorge (194), Soziale Gerechtigkeit (164), Europa (162) und Zuwanderung (143). Alle Ergebnisse finden Sie unter: http://ernst-schneider-preis.de/umfrage2017/

Bald mehr digitale Radiosender

Mit der Radiogruppe Antenne Deutschland und der Media Broadcast treten in Deutschland zwei neue private Radioanbieter auf den Markt. Am 7. Juni 2017 haben die Gruppen den Zuschlag für das sogenannte zweite DAB+ Multiplex erhalten. Das Unternehmerkonsortium hat die Möglichkeit, bis zu 18 Hörfunkkanäle zu nutzen. Willi Steul, Vorsitzender des Vereins Digitalradio Deutschland und Intendant des Deutschlandradios, begrüßte die Entscheidung. Durch die neue Senderkette erhöht sich die Zahl der bundesweit per DAB plus ausgestrahlten Hörfunkkanäle auf 31. Die Verbreitung von Digitalradios nimmt besonders in Autos zu.

Wirtschaftsskepsis in Schulbüchern

Wirtschaftsthemen werden in deutschen Schulbüchern oft nicht lebensnah vermittelt. Bei der Darstellung dominiert eine kritische Sichtweise auf Themen wie Industrialisierung und Globalisierung. Unternehmerische Dynamik und Unternehmensgründung werden zudem selten thematisiert. So die Ergebnisse der von zwei Professoren der Universität Siegen durchgeführten Studie „Marktwirtschaft und Unternehmertum in deutschen Schulen“, die im April vorgestellt wurde. Im Auftrag des Verbandes „Die Familienunternehmer“ untersuchten sie Rolle und Rezeption von Wirtschaftsthemen in 40 Schulbüchern. Schulbücher für die Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde vertreten im Trend marktskeptische Haltungen. Beispielsweise wird Globalisierung „als ein Prozess interpretiert, bei dem es nur Verlierer gibt: Die Industrieländer verlieren Arbeitsplätze an die ‚Niedriglohnländer‘ und diese werden […] ausgebeutet“. Das Vertrauen auf den Staat als Problemlöser sei hoch, der Markt wird skeptisch betrachtet. Hingegen sind Schulbücher für das Fach Wirtschaft größtenteils ausgewogen. Insgesamt verzeichnet die  Studie eine tendenziell objektivere Darstellung von Wirtschaft im Vergleich zu einer älteren Erhebung aus dem Jahr 2010.

BR will Fake News enttarnen

Mitte Mai startete eine zwei Köpfe starke BR-Einheit zur Enttarnung von Falschnachrichten. Ihre Aufgabe: Gerüchte, „Fake News“ und Propaganda im Internet und den Sozialen Medien aufzudecken und richtig zu stellen. Der BR kooperiert auch mit dem „Verifikation“-Team der Tagesschau. Je nach Anlass sollen die Recherchen und Ergebnisse auf den verschiedenen Plattformen des Bayerischen Rundfunks ausgespielt werden. Das Team soll auch erklären, wie sich Gerüchte viral verbreiten.

Personalisierte Radio-App im Sommer

ARD und Deutschlandfunk entwickeln eine Audiothek-App. Jeder Nutzer kann ab Sommer mobil ein Wortprogramm aus 60 Wellen zusammenstellen. Die App ist personalisiert und bietet die Möglichkeit, sich vergleichbare Inhalte anzeigen zu lassen. Das Programm wird von Südwestrundfunk, Bayerischem Rundfunk und Radio Bremen entwickelt. Die privaten Sender kritisieren die Pläne als wettbewerbsverzerrende Expansion.

Nachrichten in Europa meist kostenlos

Zwei Drittel von 171 untersuchten europäischen Medienhäusern testen Modelle, um ihre Inhalte im Internet verkaufen zu können. Meist werden bestimmte Artikel nur gegen Bezahlung zugänglich gemacht (Freemium Model), manchmal ist nur eine bestimmte Anzahl an Inhalten frei zugänglich (Metered Model). Sender in den untersuchten Ländern bieten ihre Nachrichten in der Regel gratis an, sowohl öffentlich-rechtliche Sender als auch private. Auch bei den nur online verbreiteten Medien regiert weitgehend noch die Gratis-Kultur. In Deutschland offerieren auch Ableger von US-Marken wie Buzzfeed oder Huffington Post ihre Angebote kostenfrei. Die Untersuchung hat das Reuters Institute for the Study of Journalism herausgegeben.

Mehr Werbung im Fernsehen

Eine Abschwächung des Werbemarktes bei audiovisuellen Medien ist nicht in Sicht. Die Netto-Werbeumsätze des Fernsehens in Deutschland werden laut VPRT-Prognose 2017 um 2 bis 2,5 Prozent auf rund 4,7 Milliarden Euro steigen. Der Marktanteil von TV-Werbung könnte erstmals auf über 30 Prozent wachsen. Auch im Radio wird mehr geworben (plus 1,5 bis 2,0 Prozent); ein Anstieg auf rund 780 Millionen Euro. Während für die linearen Angebote mit einer stabilen Entwicklung und moderatem Wachstum gerechnet wird, prognostiziert der Verband für interaktiv verbreitete Angebote ein zweistelliges prozentuales Wachstum der Werbeumsätze.

ZDFneo bietet viel

Um den Spaß am Präsentieren, Kaufen und Wiederverkaufen geht es ab Montag, 26. Juni 2017, 19.30 Uhr, in der werktäglichen Händlershow „Viel zu bieten“ in ZDFneo. Vier Händler sind auf der Suche nach außergewöhnlichen, Dingen und Dienstleistungen. Geplant sind zunächst 20 Folgen der 45-minütigen Sendung.

Upday wächst

Die auf Samsung Handys vorinstallierte Nachrichten App Upday findet mehr Nutzer. Nach aktuellen IVW Zahlen kletterte das zum Medienkonzern Axel Springer gehörende Angebot bei der Mobilnutzung hinter Bild.de, Spiegel Online, Focus Online und n-tv.de auf Platz fünf. Upday erhöhte die Reichweite im Mai um zwanzig Prozent und erzielte in Deutschland 77 Millionen Visits.

Medienbrief 2/17

Shortlist im Juni
Elf Vorjurys wählen in diesen Wochen die besten Einreichungen des Ernst-Schneider-Preis 2017 aus. Am 29. Juni veröffentlichen wir die Liste der preiswürdigen Beiträge. Diese Shortlist geht in die Schlussjurys, in denen unter anderem die Chefredakteure von dpa, Neue Osnabrücker Zeitung, Mitteldeutsche Zeitung, BR, rbb, RTL, Zeit Online, der Programmdirektor des Deutschlandfunks und die Hörfunkdirektorin des WDR über die ideenreichsten Wirtschaftsbeiträge entscheiden. Die Preisverleihung findet am Abend des 10. Oktober in den Berliner Bolle-Festsälen statt.

Youtuber für Wirtschaft
„Was ich noch nie über Wirtschaft wissen wollte“, heißt eine Internetseite, auf der bekannte Youtuber über Wirt-schaft reden. Themen sind zum Beispiel „Enden wir alle als billige Clickworker“ oder „Sind Roboter Jobkiller?“. Die Seite steht auf tumblr, der bei Jugendlichen beliebten Blogging-Plattform. Die Videos wurden bereits über 1,8 Millionen Mal angeklickt. Unterstützung erhält die Seite von der Hertz-Stiftung.

brand eins zum Hören
Seit dem vergangenen Jahr produziert das Internetradio detektor.fm einmal monatlich eine einstündige Wirtschaftssendung mit dem Magazin brand eins. Auf dem Sender sprechen die Autorinnen und Autoren über ihre Geschichten. Sonntags um elf Uhr können Hörer ein-schalten. Die Wirtschaftssendung erreichte Platz 1 der deutschen iTunes Podcast Charts.

Frühstücks-Internet
Das von ARD und ZDF betriebene Jugendangebot funk hat 160 weitere Ausgaben seines Frühstücksmaga-zins bestellt. Die Sendung „Guten Morgen, Inter-net“ kann montags bis freitags ab 6:30 Uhr bei YouTube angeschaut werden. Die Moderatoren nennen sich Kelly MissesVlog und Sturmwaffel.

Super.Markt
Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) nimmt ein neues Wirtschaftsmagazin ins Programm. „Super.Markt – Neues für Verbraucher“ will Ratgeber- und Wirtschaftsthemen regional und unterhaltsam aufbereiten. Am 8. Mai ist Premiere. Der Sendeplatz ist gut – montags von 20.15 bis 21.00 Uhr im. Das Magazin ist Teil der Reform, die rbb-Intendantin Patricia Schle-singer umsetzt.

2 Minuten Wirtschaft im ZDF
Der Infomonitor, eine kontinuierliche Programmauswertung des IFEM Instituts, belegt, dass die Wirtschaftsberichterstattung innerhalb der Fernsehnachrichten im öffentlich-rechtlichen Programm am ausführlichsten ist. Am meisten Wirtschaft sahen die Zuschauer 2016 im „heute-journal“ des ZDF. Im Schnitt widmete das „heute-journal“ Wirtschaftsthemen acht Prozent Sendezeit. „RTL aktuell“ kam auf drei, die „Sat.1 Nachrichten“ auf vier Prozent. Das entspricht je einer Minute bei RTL und Sat.1, zwei Minuten bei dem längerem „heute-journal“. Die Wirtschaftsberichterstattung erreichte im April 2016 anlässlich der Panamapapers, des VW-Abgasskandals und der Kontroversen um TTIP ihren Höhepunkt.

Spiegel macht Podcast
Spiegel Online hat sein journalistisches Angebot um ein Format erweitert: Seit Ende März kann man ab donnerstags den „Stimmenfang“ hören. Der Politik-Podcast liefert Reportagen und Analysen zu aktuellen Themen. Außerdem geben Autoren in Kollegengesprächen Einblick in die Redaktionsarbeit. Den kostenlosen Podcast kann man auf Plattformen wie iTunes, Spotify oder Soundcloud abonnieren.

Leser zahlen für Wirtschaftsgeschichten
Wirtschaftsthemen haben Konjunktur. Dies ergibt sich aus der von Meedia zusammengestellten Liste der besten Einzelverkäufe von Artikeln bei Blendle. Blendle ist ein wachsender Onlinekiosk aus den Niederlanden, über den einzelne Beiträge bezogen werden können. Im April zahlten die meisten Leser für Berichte über die Start-up Szene in Berlin (Tagesspiegel und Business Punk) und Artikel zur Geldanlage (Welt am Sonntag und Stern).

Jugendliche 1: Reden, schreiben, lesen
Analysiert man die Mediennutzung, verbringen Jugendliche zwischen 14 und 29 Jahre mittlerweile die meiste Zeit mit dem Internet (täglich 187 Minuten). Hinter dem Computer rangieren Fernsehen (144 Minuten), Radio (137 Minuten) und Tageszeitungen (9 Minuten); auf Zeitschriften entfällt nur noch eine Minute. Drei Viertel der im Internet verbrachten Zeit dienen laut ARD/ZDF Langzeitstudie „Massenkommunikation“ nicht der Information, sondern zwischenmenschlicher Kommunikation.

Jugendliche 2: Fernbedienung des Lebens
Millennials, die Generation der 15- bis 35-Jährigen, die mit dem Internet groß geworden ist, wünschen sich von den Medien weniger negative und krisenfixierte Nachrichten. Stattdessen wollen sie einen Journalismus, der mehr Perspektiven und Lösungsansätze bietet. Dies sind Ergebnisse der Studie „Mediennutzungsverhalten und Optionen für Zeitungsverlage“ die im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) erstellt wurde. Weitere Ergebnisse der Studie: Junge Menschen wollen hochwertige Angebote auf dem Smartphone, das als „Fernbedienung des Lebens“ genutzt wird. Über 200 Zeitungen sind mittlerweile in sozialen Medien aktiv. Sie nutzten zum Beispiel Facebook, bieten über WhatsApp Newsletter an und arbeiteten mit Snapchat und Instagram.

Jugendliche 3: Generation What
Jugendliche in Europa misstrauen den Medien. Dies ist das Ergebnis einer Studie der europäischen Rundfunkanstalten, an der sich fast eine Million Jugendliche zwischen 18 und 34 Jahren in 35 Ländern beteiligt haben. Die Skepsis ist in Deutschland allerdings deutlich geringer als in anderen Ländern. In Deutschland haben 22 Prozent kein Vertrauen in die Medien. In Griechenland sind es 71 Prozent, in Italien 48 Prozent und in Frankreich 46 Prozent. Viele Jugendliche stufen die Medien dort als korrumpierbar ein oder zweifeln an ihrer Unabhängigkeit. „Die Glaubwürdigkeit der Medien ist aber essenziell für einen demokratischen Staat ist“, schreiben die Forscher des Sinus-Instituts, die die Online-Umfrage „Generation What?“ ausgewertet haben. Nicht nur die Medien werden von jungen Europäern misstrauisch betrachtet, auch religiöse Institutionen, Politik und Gewerkschaften verlieren an Zuspruch. Den besten Ruf genießen Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs).

Kohle und Cash
Der Hessische Rundfunk stellt hessischen Grundschülern Unterrichtsmaterial zum Thema Geld und Finanzen zur Verfügung. Arbeitsblätter und Audio-CDs für Schüler von acht bis dreizehn Jahren entstanden aus dem hr2-Kinderfunkkolleg „Geld“. In dem Material werden Fragen wie „Was ist eine Bank?“ oder „Was ist ein Kredit?“ und „Wie sinnvoll ist das Sparen?“ spielerisch und kindgerecht beantwortet.